Mehr Unfälle mit E-Scootern: Die unterschätzte Gefahr
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E-Scooter sind praktisch - aber gefährlich: Erst am Freitag verunglückte ein Mann in Duisburg tödlich. Kommt eine Helmpflicht?
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Jetzt mitdiskutierenBei einem Zusammenstoß mit einem Pkw ist am späten Freitagabend in Duisburg der Fahrer eines E-Scooters ums Leben gekommen. Ein "Fehlverhalten" des Rollerfahrers könne nicht ausgeschlossen werden, teilte die Polizei mit. Auch wenn solche Unfälle eher selten tödlich ausgehen - schwere Verletzungen gehören seit der Zulassung der Elektroroller im Jahr 2019 zum polizeilichem Alltagsgeschäft.
Allein im vergangenen Jahr verunglückten in NRW 3.900 E-Scooter-Fahrer. Seit 2020 werden in Deutschland solche Unfälle mit Schwerverletzten von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie erfasst. Diese Daten wurden im vergangenen Jahr von der Forschungsgruppe für Verkehrssicherheit am Klinikum der TU München analysiert. Demnach erlitten die Fahrer und Fahrerinnen häufig Kopfverletzungen, vor allem in Form von Hirnblutungen und Schädelfrakturen.
Studie: Unfallfahrer sind oft angetrunken
Weitere Erkenntnisse der Studie: Das Durchschnittsalter der Betroffenen betrug 44,3 Jahre, gut 78 Prozent waren männlich. Und: 62 Prozent der Unfallopfer hatten Alkohol im Blut. Bei einem Drittel lag der Pegel über dem gesetzlichen Grenzwert. 54 Prozent der Unfälle ereigneten sich in den Abend- oder Nachtstunden, die Hälfte am Wochenende.
Sind also gar nicht die Fahrzeuge das Problem, sondern die Sorglosigkeit der Nutzer? Viele nähmen E-Scooter als Verkehrsmittel einfach nicht ernst, heißt es bei der Gewerkschaft der Polizei. Da die Geschwindigkeit der elektrischen Tretroller auf 20 Stundenkilometer begrenzt ist, gebe es keine Helmpflicht. Auch eine Führerscheinpflicht sei bislang nicht vorgesehen und das Mindestalter liege bei nur 14 Jahren. Das alles führe dazu, dass die Risiken unterschätzt werden, so die Gewerkschaft.
Risiko bei Leih-Scootern besonders hoch
Laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) ist die Gefahr für Nutzer von Leih-Scootern besonders hoch: Wer einen eigenen Scooter habe, sei in der Regel über 30 Jahre alt, Vielfahrer und habe mit der Zeit gelernt, mit dem kleinen Roller richtig umzugehen. Nutzer von Leih-Scootern seien hingegen jünger, nutzten so gut wie nie Helme und neigten dazu, die Verkehrsregeln eher großzügig auszulegen.
Siegfried Brockmann
Für den Unfallforscher Siegfried Brockmann ist aber auch die Bauweise der gängigen E-Scooter für viele Unfälle mitverantwortlich. Häufig sei überhaupt kein anderes Fahrzeug beteiligt. Die Fahrer prallten zum Beispiel gegen einen Bordstein oder rutschten auf nasser Fahrbahn weg. Das habe viel mit den kleinen Acht-Zoll-Rädern zu tun, so Brockmann. Je kleiner der Raddurchmesser, desto instabiler sei das Fahrzeug. "Es müssten mindestens zehn Zoll sein", forderte Brockmann kürzlich im Interview mit dem SWR.
Außerdem fordert Brockmann für E-Scooter-Fahrer eine Führerscheinpflicht. Mindestens sei eine Mofa-Prüfbescheinigung nötig. Da diese im Ausland nicht existiert, wäre ein Mopedführerschein (Führerschein AM) sinnvoll. Damit einher ginge automatisch eine Anhebung der Altersbegrenzung auf 15 Jahre.
Blinkerpflicht ab 2027
Auch der Gesetzgeber hat inzwischen auf die hohen Unfallzahlen reagiert. Ab 2027 müssen neu zugelassene E-Scooter verpflichtend mit Blinkern ausgestattet sein. Außerdem brauchen sie eine technisch voneinander getrennte Vorder- und Rückbremse. Unabhängig davon soll eine geplante Änderung des Straßenverkehrsgesetzes den Opferschutz bei Unfällen deutlich verbessern. Bislang müssen Geschädigte nach einem Unfall mit einem E-Scooter dem Fahrer ein persönliches Verschulden nachweisen, um Schadensersatz von der Versicherung zu erhalten. In Zukunft sollen Fahrer bereits aufgrund der Betriebsgefahr für den Schaden haften - unabhängig von einem individuellen Verschulden.
Verleiher sollen Verantwortung zeigen
Gerade bei Leih-E-Scootern brauche es strengere Regeln, heißt es bei den Studienautoren der TU München: Möglich sei zum Beispiel, die Verfügbarkeit nachts und an Unfallhotspots zu reduzieren sowie die Höchstgeschwindigkeit ab einer bestimmten Uhrzeit zu drosseln. Außerdem könnte man Reaktionstests zu einem festen Teil des Ausleihprozesses machen, um Alkoholfahrten zu verhindern. Schließlich brauche es endlich eine Helmpflicht, wie sie bereits jetzt in Italien und Teilen Australiens gilt.
Unfallrisiko E-Scooter
Aktuelle Stunde . 10.10.2025. 22:46 Min.. Verfügbar bis 10.10.2027. WDR. Von Dorothea Schluttig.
Unsere Quellen:
- Deutsche Presse Agentur
- Deutsches Ärzteblatt
- TU München
- Gewerkschaft der Polizei
- Gesamtverband der Versicherer
- SWR-Interview mit Siegfried Brockmann
Sendung: WDR.de, E‑Scooter: Gefährlich unterwegs – kommt die Helmpflicht?, 12.04.2026, 17:47 Uhr
29 Kommentare
Kommentar 29: Leih-Scooter abschaffen schreibt am 14.04.2026, 16:29 Uhr :
Seien wir doch mal ehrlich. Leih-E-Scooter sind die Pest! Die Leute die eigene E-Scooter haben, gehen in der Tat viel sorgfältiger damit um. Die stehen oder liegen nie irgendwo rum. Über die regt sich auch keiner auf. Aber die rumliegenden und mitten auf Gehwegen stehenden Leih-Scooter sind in den Städten einfach nur schlimm. Und jetzt kommt mir nicht mit "einige wenige". Die "einigen wenige" reichen aus, um die Dinger nur noch zu hassen!
Kommentar 28: Dirk schreibt am 14.04.2026, 07:33 Uhr :
Das größte Problem ist die Unwissenheit. Die Verkehrsregeln wissen 14 Jährige sowieso nicht und die Erwachsenen wissen nicht eo man damit überhaupt fahren darf. Die fahren überall mit den Rollern rum. In den Innenstädten durch die Fußgängerzone zum Beispiel. Auf Anfrage bekommt man als Antwort " Auf dem Schild steht Verbot für Radfahrer, das ist ein Roller" . Am Wochenende auf dem Stadtfest sind die zu zweit auf dem Roller durch die Menschenmassen gefahren. Im Ruhrpark habe ich jetzt auch schon einen gesehen. Schickt alle in einen Lehrgang, durchgeführt vom einem Fahrlehrer oder einem vom Amt. Lehrer werden nicht ernst genommen. Und beim Kauf müsste ein deutlicher Hinweis dabei sein
Kommentar 27: Sven schreibt am 14.04.2026, 05:38 Uhr :
Diese schrecklichen Dinger dürften erst ab 16 Jahren erlaubt sein. Wie oft sieht man, dass 2 Personen damit fahren. 50 € Strafe, beschlagnahmen, verkaufen, 1 Punkt. In öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich verbieten. Völlig überflüssig und stehen nur im Weg . Braucht kein Mensch.
Kommentar 26: Franziska 1 schreibt am 13.04.2026, 20:51 Uhr :
Abgesehen von der Ansicht, Helm - oder nicht Helmpflicht kommt die Frage, warum stürzen viele Scooter- Benutzer? Ursachen gibt es viele, ich betrachte sie bei Städte. Straßenbahn, Bus, LKW, Liefer - Kombis, PKW, Motorräder, alle Arten von Radfahrer, E- Scooter, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer, Rollator und Fußgänger bewegen sich täglich auf Straßen und Gehwege in der Stadt. Kein Wunder das viel passiert, wenn viel und eng zusammen gedrängt wird. Die Fahr und Gehgeschwindigkeit ist zu unterschiedlich. Eine Helmpflicht würde evtl. nichts ändern, jeder tritt schon den anderen auf die Füße oder die Ellbogen ins Kreuz. Bei manchen Radwegen wird es eng, wenn sie zwischen Straße und Fußgänger-weg angelegt wurden mit schmaler Breite. Die vorhandene Infrastruktur dürfte die Ursache sein, dass zum Bsp. die E-Scooter zu viel der Zulassung war für manche Städte. Klar ist, für den Markt eine zusätzliche Einnahme. Gesünder sind 1000 Schritte gehen, als steif stehen auf einem Rollbrett.
Antwort von Arno nym , geschrieben am 14.04.2026, 04:38 Uhr :
Bla bla bla, nichts substantielles, keine Lösung, Politikergequatschte, leider wertlos☹️
Kommentar 25: Abschaffen schreibt am 13.04.2026, 20:28 Uhr :
E-Scooter braucht niemand - das war genauso eine Aktion der CSU und des damaligen Verkehrsminister Scheuer wie die Maut. - und die Dinger liegen überall rum. Um von A nach B zu kommen gibt es den ÖPNV und weitere Verkehrsmittel und die eigenen Füße. Sich selbst zu bewegen ist zudem für die Gesundheit förderlich und braucht keinen Strom.
Kommentar 24: Arno schreibt am 13.04.2026, 20:17 Uhr :
Bei Rollschuhen, Inlineskatern, Skateboards gab es oft auch Knie- und Ellenbogenschutz sowie Helme. Ich glaube, damit würde ich mich vielleicht auch mal auf so einen elektrischen Roller trauen, also in verkehrsberuhigter Zone. Wie gefährlich sind diese modernen Fortbewegungsmittel eigentlich im Vergleich zum Fahrrad? Diese sind ja inzwischen ebenfalls elektrisch. Naja, "E-Scooter" liegen oder stehen allerdings oft im Weg herum und blinken nachts blöde. Und einige Leute fahren damit auch wirklich rücksichtslos durch die Gegend. Gut, dass es nicht ohne App geht. Wenn die Inbetriebnahme per Geldeinwurf funktionieren würde, so wie damals beim Münzfernsprecher, wäre ja gar keine Alterskontrolle möglich.
Kommentar 23: Der Niederrheiner schreibt am 13.04.2026, 18:43 Uhr :
Grundsätzlich möchte ich einmal vorschlagen, in dieser Diskussion Rollerfahrer in zwei Kategorien strikt zu trennen: a) die, die sich ein teilweise richtig teures, aber sehr gut ausgestattetes Modell selber kaufen und b) die, die das Ding kurzfristig am Bahnhof mieten. Dann fiele im Fall a) schonmal die Behauptung weg, die Dinger würden einfach weggeschmissen und grundsätzlich würden da zwei Personen drauf stehen. Ich weiß, dass es im Fall b) so ist (ich bin ja nicht blind), aber es geziemt sich nicht, mit pauschalen Urteilen die Gruppe a) leichtfertig mit einzubeziehen. Und was sollen diese ganzen Verbotsforderungen? Ein Roller ist ein Super-Verkehrsmittel auf Strecken <=10 km - günstig in der Anschaffung, günstig im Verbrauch, und genauso schnell wie ein Auto (ist zumindest bei mir so - für die 8 Auto-Kilometer bis zur Arbeit brauche ich keine Minute mehr - weil ich Nebenstrecken/Abkürzungen fahren kann, die mein Auto nie gesehen hat - und keine einzige Ampel
Kommentar 22: Ronni schreibt am 13.04.2026, 18:12 Uhr :
Hatte vor einer gefühlten Ewigkeit mal 'ne geschenkte "Solex". Das Ding produzierte mehr Abgasmief als Vortrieb und lief nach einem Kilometer Anlauf satte 25 km/h. Jeder rüstige Rentner auf 'nem 5-Gang-Sportrad hat mich damit locker überholt. Trotzdem bestand selbst für diese Mofa-Gurke schon damals Helmpflicht.
Kommentar 21: "Ein Übel" schreibt am 13.04.2026, 16:57 Uhr :
E-Scooter sind nicht nur eine Gefahr für Personen die sie benutzen,sondern auch für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Frankreich /Paris vollständiges Verbot von Leih-Scooter.Niederlande,England im öffentlichen Raum E-Scooter verboten.In Österreich,Spanien,Belgien ist das Fahren auf Gehwegen verboten, nur in Deutschland fährt man zu zweit oder auch zu Dritt auf E-Scooter, egal Gehweg, Fußgängerzone, verkehrte Fahrtrichtung,rote Ampel, am Ende der Fahrt wenn man keine Person umgefahren hat,oder selbst gestürzt ist, wird der Roller einfach hin geschmissen,deshalb verbieten, bevor es vergessen ist, auch das Handy wird dabei benutzt,ganz COOL!
Antwort von Der Niederrheiner , geschrieben am 13.04.2026, 18:45 Uhr :
E-Scooter sind kein Übel !!! Ein Übel sind in einigen Fällen diejenigen, die darauf stehen. Das betrifft aber nicht jeden Fall - und schon gar nicht jeden Fahrer ! Bitte auf die Wortwahl achten !
Antwort von Karim , geschrieben am 13.04.2026, 22:09 Uhr :
👍 genau so, ohne Konsequenzen geht es leider nicht (mehr) in dieser Gesellschaft, was auch aus meiner Sicht ein Erziehungsproblem ist. Erst heute am Nachmittag kam mir ein Mann mit einem E-Scooter entgegen… als er vorbeifuhr sah ich, daß vor ihm noch ein etwa 6jähriger Junge mit auf dem Scooter stand. Ob der da fürs weitere Leben lernt, ist leider nicht bekannt. Helme natürlich Fehlanzeige.
Antwort von "Ein Übel" , geschrieben am 14.04.2026, 11:53 Uhr :
@Der Niederrheiner, Sie schreiben in Kommentar Nr. 23 " Ich bin doch nicht blind. In ihrer Antwort zu meinem Kommentar Nr.21 schreiben Sie,in einigen Fällen, das betrifft nicht jeden Fahrer, wenn der Satz in Kommentar 23 korrekt ist, übersehen Sie leider das verkehrswidrige Verhalten von anderen E-Scooter Benutzern, ob männlich oder weiblich,lässt das Verhalten doch Rücksicht, verkehrsgerechte Teilnahme am Straßenverkehr vermissen, von einer Minderheit kann man da nicht kommentieren,auf die Wortwahl brauche ich bitte nicht zu achten,was ich kommentiert habe, erlebt man jeden Tag,LEIDER!
Kommentar 20: Franziska 1 schreibt am 13.04.2026, 16:52 Uhr :
Sorry, @Helmpflichtgegner und @ Markus Schweiß. Nobody is perfect. Mir ist erst jetzt aufgefallen bei meinen Kommentar Nr.5! Der Satz: „Radfahrer die über 20 Km fahren ohne Helm zahlen ein Bußgeld, ist von mir ein grober Schreibfehler. Ich habe aus Versehen, „EIN statt KEIN“ Bußgeld geschrieben!. Mir ist klar, dass Sie von „Unfug sprechen“. ( Man sollte aber die öffentliche Empfehlung besser annehmen, einen Fahrradhelm aufzusetzen. Studien machen deutlich, dass der Schutzhelm die Zahl an Kopfverletzungen für Radfahrer deutlich verringert).
Kommentar 19: Der Niederrheiner schreibt am 13.04.2026, 15:36 Uhr :
Ich fahre seit 4 Jahren nur noch eRoller (Auto abgeschafft, Roller für 900 € gekauft). Allerdings trage ich seit der ersten Minute Helm (und auch hier nichts billiges, sondern ein 100 €-Modell). Dennoch habe ich mich auch bereits schon richtig auf's Gesicht gelegt, allerdings nicht wegen Übermotivation oder Alkohol, sondern weil die Straße schlichtweg in einem unwürdigen Zustand war. Gegen eine Helmpflicht habe ich nichts einzuwenden (dann natürlich auch für Radfahrer), Führerscheinpflicht ist absoluter Blödsinn.