Bahn, Straße: Herzinfarkt NRW

Aktuelle Stunde 20.04.2026 32:24 Min. UT Verfügbar bis 20.04.2028 WDR Von Cengiz Ünal

Baustellen-Planung Unternimmt NRW genug gegen Staus und Verkehrschaos?

Stand:

Autofahrer in NRW sind Kummer gewohnt. Doch das Wochenende und der Start in die neue Woche haben bei vielen das Gefühl verstärkt: Das mit der Koordination der Baustellen funktioniert in NRW einfach immer noch nicht - vor allem auf den Autobahnen. Wie lässt sich das ändern?

Von Felix Wessel

Bei den Olympia-Bürgerentscheiden in der Region "KölnRheinRuhr" haben sich rund zwei Drittel für eine Bewerbung ausgesprochen. Doch auf Straße, Schiene und Co. ist NRW derzeit alles anderes als medaillenreif.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne)

"In der Tat: Wir haben Herausforderungen bei der Verkehrsinfrastruktur", sagt Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) am Montag dem WDR. "Aber Olympia ist ja da eine richtig gute Chance". Und gebaut wird ja auch schon - allerdings meinen viele, die mit Zug oder Auto unterwegs sind: Es hapert bei der Koordination.

Ob Bahn oder Autobahn: Viele Baustellen in NRW

Baustellen gibt es auf einigen NRW-Autobahnen. Manche sind Langzeit-Projekte, einige kommen und verschwinden schnell wieder. Wie auf der A1 am vergangenen Wochenende. Dort war die Autobahn zwischen Köln-Nord und Leverkusen gesperrt, um sie in Fahrtrichtung Dortmund wieder dreispurig zu machen. Konzerte und Sportevents in der Region sorgten für volle Straßen.

Fotomontage: A59-Schild vor Baustellenschild

Baustelle auf der Autobahn 59

Zum Start in die Woche dann das: Die A59 wird für einzelne Nächte auch in Richtung Düsseldorf voll gesperrt. Seit Monaten ist bereits die Gegenrichtung nach Leverkusen für eine umfassende Sanierung dicht. Ab Herbst soll die A59 Richtung Düsseldorf umfassend saniert werden - mit einer monatelangen Vollsperrung.

Und dann noch diese Nachricht: Auf der Bahnstrecke am Niederrhein zwischen Emmerich und Oberhausen fahren erneut keine Züge. Es ist die letzte große Sperrung in einer langen Reihe von Bauarbeiten. Auch für Autofahrer bringt die Baustelle weitere Einschränkungen - unter anderem in Voerde und Dinslaken mit Straßensperrungen und dauerhaft geschlossenen Bahnübergängen.

Ist das nur ein Gefühl oder wird gerade wirklich besonders intensiv gebaut auf Straßen und Schienen in NRW? "Aktuell beobachten wir tatsächlich viele Baustellen und Sperrungen", sagt Petra Sommer aus der WDR-Verkehrsredaktion. Neben langfristigen Projekten stießen kurzfristige hinzu. Auch das Frühlings-Wetter sorge dafür, dass mehr gebaut werden könne als im Winter.

ADAC: Keine Hoffnung auf kurzfristige Besserung

"Es sind mittlerweile so viele Baustellen zu koordinieren, da sind Konflikte gar nicht zu vermeiden", betont ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold im WDR. Und Hoffnung, dass es kurzfristig besser wird, kann er nicht machen - alleine schon wegen der maroden Brücken, die saniert werden müssen. Könnte es da wenigstens helfen, die vielen Baustellen besser zu koordinieren?

Davon verspricht sich Suthold tatsächlich einiges. Autobahn GmbH und Straßen.NRW seien schon jetzt recht transparent. Aus Sicht des ADAC-Mobilitätsexperten würde es helfen, wenn auch die Kommunen ihre Baumaßnahmen verpflichtend in die Planungsprozesse einpflegten. Und das soll auch so kommen.

NRW-Verkehrsminister Krischer: Baustellen im Land besser koordinieren

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hatte schon im Februar gesagt, man müsse die dringend nötigen Baustellen im Land besser koordinieren, um Staus zu verhindern und Umleitungen zu nutzen.

Damit die Landesverkehrszentrale in Zukunft einen genauen Überblick über die vielen Baustellen im Land bekommt, sollen die NRW-Kommunen ab 2027 verpflichtet werden, ein einheitliches Meldesystem nutzen: das Traffic Information Center (TIC Kommunal).

In der Landesverkehrszentrale werden die Verkehrsdaten ausgewertet.

In der Landesverkehrszentrale werden die Verkehrsdaten ausgewertet.

Es wurde schon 2019 eingeführt und funktioniert laut Verkehrsministerium so: Unter anderem die Kommunen und Kreise tragen geplante Baustellen sowie mögliche Umleitungsstrecken frühzeitig ein. Dann werden die Eingaben automatisch mit bereits gemeldeten Maßnahmen abgeglichen, um Überschneidungen oder potenzielle Konflikte anzuzeigen.

Baustellenmanagement Thema im NRW-Landtag

Die geplanten Änderungen sind am Mittwoch auch Thema bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss im NRW-Landtag. Es geht um das neue Straßen- und Wegegesetz des Landes. Ein Aspekt: Änderungen beim "insgesamt verbesserungsbedürftigen Baustellenmanagement". Die verpflichtende Nutzung der landesweiten Baustellenkoordinationsplattform soll dabei helfen, Baustellen frühzeitig abzustimmen, Konflikte zu vermeiden und Verkehrsteilnehmer verlässlich zu informieren.

ADAC spricht von Meilenstein

Auch der ADAC verspricht sich viel davon. Die verpflichtende Einführung der Koordinationsplattform TIC Kommunal ab 2027 sei "ein Meilenstein für das Verkehrsflussmanagement", heißt es in einer Stellungnahme, die von der Organisation vorab eingereicht wurde.

Das wird natürlich die Baustellen- und Stauprobleme in NRW nicht auf einen Schlag komplett lösen. Doch ein besserer Informationsfluss könnte einiges bewirken, ist sich Roman Suthold sicher. "50 Prozent der Probleme könnten schon damit behoben werden, wenn es frühzeitig mitgeteilt wird", so der ADAC-Mobilitätsexperte. Denn die Pendler könnten sich dann darauf einstellen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 20.04.2026, 18.45 Uhr.

Zu aktuellen Verkehrsmeldungen

1 / 2