Seilbahn in Paris eröffnet | Video

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Seilbahn in Paris eröffnet - Ist das ein Vorbild für NRW-Städte?

Stand:

Am Samstag um 11 Uhr war es so weit: Die erste urbane Seilbahn der Region Paris fährt los - zwanzig Jahre nachdem die ersten Planungen begonnen haben. In Creteil am Stadtrand von Paris soll sie für mehr Mobilität sorgen. Gondeln über der Stadt - ein Bild, das einige NRW-Kommunen gerne auch bei sich sehen würden.

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11.000 Menschen soll die neue Seilbahn bei Paris jeden Tag transportieren. Menschen die vorher weit weg von der nächsten Metrostation wohnten, sollen diese jetzt in 18 Minuten erreichen. Dafür wurde die längste Seilbahn Europas gebaut - mit 4,5 Kilometern Länge.

Regionalratspräsidentin Valerie Pecresse bei der Einweihung der neuen Seilbahn in einem Pariser Außenbezirk

Regionalratspräsidentin Valerie Pecresse bei der Einweihung der neuen Seilbahn

Es war ein langer Weg bis zur Eröffnung: Vor zwanzig Jahren begannen die Planungen, um einige besonders isolierte und sozial benachteiligte Viertel an die Stadt Paris anzuschließen. Die Gegend ist von Schnellstraßen und Eisenbahnlinien durchteilt. Die Lösung: Eine Seilbahn.

Vorreiter in Südamerika

Gondeln der Seilbahn in La Paz, Bolivien, Südamerika

Gondeln der Seilbahn in La Paz, Bolivien

Immer wieder tauchen Seilbahn-Ideen auf, wenn es um verzwickte Verkehrssituationen in Städten geht. Sie sind billiger zu bauen und einfacher umzusetzen als U-Bahn-Tunnel oder Bahn-Trassen und können über bebaute Gebiete und den Verkehr hinweg schweben - und zudem große Steigungen überwinden.

Auch deshalb waren Städte in besonders bergigen Regionen die ersten, die diese Lösung genutzt haben. Das größte Seilbahn-Netz mit täglich über 300.000 Fahrgästen gibt es nicht umsonst rund um La Paz in Bolivien - eine der höchstgelegenen Großstädte der Welt mitten in den Anden.

Seilbahn-Träume auch in NRW

Kein Wunder also, dass auch bergige Städte in NRW die Idee spannend fanden. In Wuppertal und Siegen wurden über Jahre Pläne für mögliche Seilbahnen kontrovers diskutiert - und am Ende beerdigt.

In Wuppertal stimmten rund 60 Prozent der Bürger 2019 gegen die Idee. In Siegen wurde erst gar keine Machbarkeitsstudie gemacht, weil der Stadtrat dagegen stimmte.

Neben den Kosten wehrten sich Anwohner, die ihre Privatsphäre gefährdet sahen, wenn eine Seilbahn über ihr Haus fährt. Aber auch Routen durch Naturgebiete sorgten für Widerstand.

Konkrete Pläne in Herne

Deutlich weiter ist Herne. Vom Bahnhof Wanne-Eickel sollen Gondeln einen Kilometer lang bis zur ehemaligen Zeche Blumenthal fahren. Da ist ein Naherholungsgebiet und ein Technologiepark geplant, der soll durch die Seilbahn für Unternehmen attraktiver werden. Außerdem könnte der Autoverkehr entlastet werden.

Gerade wurde der volkswirtschaftlich Nutzen der Seilbahn positiv bewertet. Stadt und Verkehrsbetriebe prüfen jetzt, ob sie Fördermittel bekommen. Die Seilbahn soll mehr als 30 Millionen Euro kosten. Mit dem Bau in Herne wird, wenn alles klappt, frühestens 2030 begonnen. Sie könnte die erste ihrer Art in Deutschland werden.

Seilbahneröffnung in Paris

WDR Studios NRW 13.12.2025 00:46 Min. Verfügbar bis 13.12.2027 WDR Online

Widerstand in Bonn

4,3 Kilometer sollen die Gondeln in Bonn überbrücken - fast so viel wie bei Paris. Die Strecke soll von Bonn-Beuel über den Rhein durchs ehemalige Regierungsviertel bis rauf zur Uniklinik auf dem Venusberg führen. So sollen Pendler ohne Auto zu ihren Arbeitsplätzen kommen.

Die Stadt hofft mit einem Start noch in diesem Jahrzehnt, problematisch ist aktuell die Trassenführung: Anwohner, Bundesbehörden und auch die Deutsche Post wollen keine Gondeln in nächster Nähe.

Duisburg will "neuen Ansatz für Mobilitätswende"

"Wir schweben über den Stau": Das stellt sich Stefan Christochwitz von der Wohnungsbaugesellschaft GEBAG für Duisburg vor. Er sieht einen "neuen Ansatz für die Mobilitätswende", der Leute begeistern soll. Und die angedachte Seilbahn soll ein neu geplantes Quartier der GEBAG mit dem Rest der Stadt verbinden.

Die Strecke ist noch länger als in Paris: 5,4 Kilometer vom Duisburger Hauptbahnhof zum MSV-Stadion, dem geplanten Technologiezentrum Wedau und dem neuen GEBAG-Wohnviertel 6-Seen-Wedau sind geplant. 130 Millionen Euro soll das kosten.

Gondeln in Köln noch weit weg

In Köln gibt es verschiedene Ideen, wie Seilbahnen den Verkehr verbessern könnten. Eine angedachte Strecke soll Chorweiler mit Leverkusen verbinden. Ein andere vom Zoo mit drei Rheinquerungen zum Neubauviertel am Deutzer Hafen gehen - das sogenannte "Rheinpendel". Bis 2027 soll der entsprechende Mobilitätsplan der Stadt erstellt werden, erst danach kann der Stadtrat darüber abstimmen.

"Alibi" statt echter Verkehrspolitik?

Platzsparend, klimafreundlich, günstig, effizient - das sind die zentralen Argumente für Seilbahnen. Aber nicht alle sind so begeistert. Neben verschreckten Anwohnern, die keine Gondeln über dem Haus wollen, sind auch manche Experten skeptisch.

Verkehrsforscher Andreas Knie vom Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung sieht sie als ein "Alibi für verfehlte Verkehrspolitik". Sie würden dann in die Planung einbezogen, wenn Verantwortlichen die Bereitschaft fehle, den individuellen Autoverkehr einzuschränken, so schätzte er es in einem WDR-Interview vor einem Jahr ein.

In Essen kam die Idee einer Seilbahn tatsächlich in dem Moment, als wegen hoher Stickoxid-Belastung eine Sperrung der A40 drohte. "Sie können schnell realisiert werden und einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der Stickoxid-Belastung leisten", freute sich 2019 Richard Röhrhoff von der Essen Marketing GmbH. Zuletzt hat die Uni Duisburg-Essen Realisierungsmöglichkeiten geprüft.

Ausflugsziel in Wuppertal

In Wuppertal soll zur Bundesgartenschau 2031 eine Seilbahn entstehen. Sie soll die Besucher auf die Königshöhe oberhalb des Wuppertaler Zoos bringen. Auch hier gibt es Kritik, vor allem wegen den Waldabschnitten, die gerodet werden müssten. Baurechtlich soll die Seilbahn in zwei Jahren abgesegnet sein, so die Pläne der Stadt.

Anders als in Paris steht bei diesem Projekt aber der touristische Aspekt im Vordergrund: Die Seilbahn führt neben dem Zoo zu einer neuen, rund 850 Meter langen Hängebrücke.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Hörfunk, Nachrichten, 13.12.2025, 9:00 Uhr 

Kommentare zum Thema

19 Kommentare

  • 19 St. Florian 15.12.2025, 12:50 Uhr

    Angeregt durch einige Kommentare hier habe ich zum Thema Barrierefreiheit recherchiert. Ergebnisse: Die Firma Doppelmayr und andere Hersteller bieten barrierefreie Seilbahnlösungen an. Auch die neue Seilbahn in Paris, die Câble C1, ist explizit barrierefrei gestaltet und damit für Rollstuhlfahrer:innen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet. (Recherche mit der AI Mistral)

  • 18 Herrmann 14.12.2025, 21:56 Uhr

    Seilbahnprojekte haben in der Planungsphase hohen Unterhaltungswert zwischen Kabarett und Comedy. (Gutes Beispiel: Wuppertal) Angesichts der Tatsache, dass die Bahnen schon bei leichtem Wind nicht mehr fahren dürfen, ist jede Realisierung ein Musterbeispiel für Geldverschwendung.

    Antworten (2)
    • St. Florian 15.12.2025, 09:03 Uhr

      Sie behaupten, dass Seilbahnen schon bei leichtem Wind den Betrieb einstellen müssten. Das stimmt nicht! Moderne Seilbahnen können bei Windgeschwindigkeiten bis 60-80 km/h (ca. 33-44 Knoten) sicher betrieben werden. Solche Spitzenböen werden in NRW selten erreicht (z. B. bis Weihnachten maximal 25 Knoten am Donnerstag gegen 28 Uhr laut DWD). Die in Wuppertal geplante Seilbahn scheiterte am Widerstand der Anwohner, nicht an technischen Problemen. Fazit: Erst sich informieren, dann posten.

    • St. Florian 15.12.2025, 13:45 Uhr

      Berichtigung: Der Bau der Wuppertaler Seilbahn scheiterte unter anderem, aber nicht ausschließlich am Widerstand einer Wuppertaler Bürgerinitiative. Finanzielle Probleme und andere Bedenken spielten auch eine Rolle. Die Finanzierungsschwierigkeiten waren für mich nachvollziehbar, der Test nicht.

  • 17 Nat 14.12.2025, 21:49 Uhr

    Hallo! Grüße aus Berlin. bei uns gibt's bereits eine Seilbahn - zugegeben kürzer und auch eher zu touristischen Zwecken genehmigt worden - Anlass war meines Wissens internationale Gartenbau Ausstellung vor wenigen Jahren. Aber relativ weit ausserhalb Richtung Stadtrand (jeder Bezirk bei uns wäre bei euch ja ne eigene Stadt bzw war es bis vor 100 Jahren auch) verbindet er die sagen wir mal nicht allerbesten Ortsteile Marzahn und Hellersdorf - okay und den Haupteingang der "Gärten der Welt" mit der ubahn. Also durchaus vergleichbar mit einigen erwähnten Projekten, wundert mich, dass das bei euch nicht erwähnt wird? zugegeben ein seilbahnticket kann man nicht mit nem ubahn oder busticket kombinieren sondern nur mit nem parkeintrittsticket, vielleicht ist das der Fehler? Dafür dass wir flach wie ein Pfannkuchen und aber Großstadt sind, finde ichs schon relevant. Viele Grüße

  • 16 Franziska 1 14.12.2025, 20:18 Uhr

    138 Millionen für den Aufbau der 4,5 kilometerlangen Seilbahn in Paris. Teuer die Gondeln mit je 10 Sitze, ob dabei ein Rollstuhlfahrer noch mitfahren kann und darf, bleibt ein Rätsel. Platz sparen ist angesagt, bei modernen Seilbahnen, von wegen Paris ist barrierefrei! Die Idee mit Seilbahnen Menschen transportieren ist beim ersten Betrachten für den Klimaschutz gut, aber nur wenn die Autos unter den Seilbahnen weniger werden, was ich nicht glaube. (Die schon vorhandenen Seilbahnen im fernen Ausland sind gebaut worden mit ganz anderer Voraussetzung wegen Gelände und schlechte Straßen, als für die Interessen der europäischen Städte). Das nur nebenbei gesagt! Falls Vergleiche nicht nur bei Paris bleiben!

  • 15 Franziska 1 14.12.2025, 17:08 Uhr

    Vorteile für Seilbahnprojekte müssten überwiegend dem Klimaschutz was bringen und nicht den Touristen die mit Autos anreisen. Mit dem Blick vom NRW -Wunsch wegen Olympia, fange ich schon an zu grübeln. Will man in NRW mehr Klimaschutz oder mit der Attraktion an verschiedenen Stellen eine Seilbahn bauen die Geld in die Kasse spülen soll? Mit den Seilbahnen wird mehr der Tourismus befriedigt, Waldbäume dafür gefällt und in die Natur weiter eingegriffen. Was man in den Boden nicht mehr bauen will oder kann, hängt man jetzt mit Seil nach oben und man kritisiert dann wieder später, dass bei Windräder und evtl. bei Seilbahnen immer weniger Flugvögel zu sehen sind. "In Essen kam die Idee einer Seilbahn tatsächlich in dem Moment, als wegen hoher Stickoxid-Belastung eine Sperrung der A40 drohte" Zitat. Wie viel Sperrungen gibt es gesamt in anderen Bereichen in NRW wegen Umweltverschmutzung? Macht Mal halb lang, es gibt noch weit mehr andere Probleme in NRW als eine Autobahn -Sperrung .

  • 14 Michl 14.12.2025, 14:23 Uhr

    Einfach zu bauen, schnell zu erbauen, geringer Platzbedarf im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln, verglichen zu anderen Verkehrsmitteln leise, schadstoffarm. Ich erkenne im Vergleich viele Vorteile für Seilbahnprojekte. Nicht schlechtreden, sondern machen und probieren.

  • 13 Brigitta S. 14.12.2025, 12:04 Uhr

    NRW-Städte- Planer sehen die Seilbahn in Paris als Vorbild? Welche Stadt in NRW vergleicht sich mit Paris? Der Klimaschutz wird vom Boden in die Luft gehängt, als wenn die Seilbahn den Fahrverkehr am Boden stark einschränken würde. Dafür wurde die längste Seilbahn Europas gebaut - mit 4,5 Kilometern Länge? Besser mobil zu sein in NRW, eine Seilbahn ist die Lösung? „Sie sind billiger zu bauen und einfacher umzusetzen als U-Bahn-Tunnel oder Bahn-Trassen und können über bebaute Gebiete und den Verkehr hinweg schweben“. Zitat Artikel? Da hätte ich eine ganz andere Richtung wo Seilbahnen schweben könnten, von Station zu Station. Baut Seilbahnen wenn sie billiger und einfacher umzusetzen sind, von der Stadt aus Richtung Land am Rand der Autobahnen. Pendler von der Autobahn weg, in der Luft transportieren das wäre Klimaschutz. Kabeln, Strom, vieles mehr, liegen schon fast parat an den Rändern der Autobahnen. Seilbahnen nur in Städte, wäre nur ein bequemer Luxus!

  • 12 JoJo 14.12.2025, 11:19 Uhr

    Es mag sein, dass Seilbahnen ein Alibi sind, um eine seit Jahrzehnten verfehlte Verkehrspolitik kosmetisch zu behandeln. Allerdings ist diese Verkehrspolitik nicht nur Ausdruck von Politikversagen, sondern reflektiert auch die Bürgerwünsche. Es ging stets um den Individualverkehr und um eine möglichst geringe Beeinflussung der persönlichen Befindlichkeit. Bahntrassen, U-Bahnen und ohne sonstige Infrastrukturmaßnahmen ohne beeinträchtigende Baumaßnahmen und andere Belästigungen für das Individuum. Im Vergleich zu anderen Infrastrukturmaßnahmen sind Seilbahnen eher minimalinvasiv, doch letztlich bislang zu störend, um die Mehrheit der Bürger zu begeistern. Vielleicht kann die Seilbahn von Paris ein Vorbild sein, denn der Individualverkehr ist nicht zukunftsfähig.

  • 11 St. Florian 13.12.2025, 22:15 Uhr

    Angesprochen wurde Lärm und die Gefahr, dass Fahrgäste in bewohnten Gebieten die Privatsphäre der Anwohner stören könnten. Für letzteres gibt es eine technische Lösung: durch elektrochrome Glasscheiben kann die Sicht nach außen positionsabhängig verringert oder ganz unterbunden werden. Die Fahrgäste dürfte das wenig stören, da sie durch Perforierte Werbefolien in Busfenstern Kummer gewöhnt sind. Beim Thema Lärm irrt Kommentar 3: "Seilbahnen sind deutlich leiser als Straßen- oder Schienenverkehr, besonders bei modernen Anlagen. Lärmpegel: In der Regel unter 60 dB in Wohngebieten, während Straßenverkehr oft 70–80 dB erreicht." (Quelle: Mistral. Das stützt meine Beobachtungen an vielen Seilbahnen A, CH)

  • 10 Heinz Theo 13.12.2025, 21:04 Uhr

    Suppe

    Antworten (1)
    • @Heinz 13.12.2025, 21:53 Uhr

      Bratwurst, Ich kann darüber hinaus sach- und themenbezogene Kommentare verfassen. Sie auch?

  • 9 Kurt Stenten 13.12.2025, 20:32 Uhr

    Ich bin Sternzeichen Widder

    Antworten (1)
    • @Kurt 13.12.2025, 21:51 Uhr

      Toll, ich auch. Ich kann sach- und themenbezogene Kommentare verfassen. Sie auch?

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