Neue Seilbahn für Kölner ÖPNV?

Lokalzeit aus Köln 03.11.2025 03:18 Min. Verfügbar bis 03.11.2027 WDR Von Judith Levold

Projekt von Denkfabrik und TH Köln: Neue Seilbahn für Kölner ÖPNV?

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In Köln stellen der Thinktank Urban Netways und die Technische Hochschule Köln heute einen möglichen neuen Player im städtischen ÖPNV vor: eine Seilbahn. Sie könnte dazu beitragen, Stadtteile direkt miteinander zu verbinden und neue Gebiete zu erschließen, noch dazu klimaschonend.

Von Judith Levold
Drei Männer und eine Frauen stehen um einen Tisch herum, darauf steht eine Modellstadt mit Seilbahn.

Die vier Absolventen der TH Köln vor dem Modell

In der TH Köln stecken vier junge Bauingenieure und Architekten die Köpfe zusammen, tauschen sich aus und diskutieren Details ihrer Entwürfe. Seit 2021 haben sie im Rahmen von Master- oder Bachelorarbeiten zwei Streckenabschnitte und beispielhaft einige Stationen für ein urbanes Seilbahnsystem in Köln geplant.

Dabei geht es um eine neue Seilbahn, die in Zukunft entstehen könnte - als Teil des Kölner ÖPNVs. Und nicht um die bereits bestehende, die vom Zoo über den Rhein in den Deutzer Rheinpark fährt. Sie ist vor allem eine Touristenattraktion.

Seilbahn soll schnelle Mobilität ermöglichen

Eric Schweden sieht viele Vorteile in einer Seilbahn als Teil des Kölner ÖPNVs:

„Die Seilbahn ist super, weil sie kostengünstig, platzsparend, barrierefrei und umweltfreundlich ist“ Eric Schweden, TH Köln Bauingenieurswesen

Konstant 25 km/h schnell fahre man damit, so Schweden weiter - genau wie durchschnittlich auch mit Autos oder Bus und Bahn. Der Bau einer Seilbahn ist deutlich klimaschonender als der von U-Bahn-Systemen. Außerdem soll sie emissionsfrei betrieben werden.

Im Fokus des Projekts: Lückenschluss schaffen

Grundlage der Arbeiten war die Idee einer Seilbahn namens Rheinpendel, die der Mobilitäts-Thinktank Urban Netways 2019 in die Debatte um nachhaltigen städtischen Verkehr brachte und seither weiterentwickelte. In Kooperation mit der TH haben dann Professoren und Studierende Streckennetze für die Innenstadt/Deutz und für den Kölner Norden entworfen.

Wichtig war dabei vor allem die Verknüpfung des angedachten Seilbahnsystems mit dem bestehenden ÖPNV in Köln – das Thema Lückenschluss hatte das Team besonders im Sinn.

Es wird hier eine Verbindung geschaffen, die es noch nicht gibt oder nur über den Hauptbahnhof – das kann den gesamten Kölner Norden aufwerten. Moritz Kampschulte, TH Köln Bauingenieurswesen

Moritz' Kampschulte hat eine Seilbahnstrecke vom Chorweiler Zentrum bis nach Leverkusen entworfen. Sie ist gut sieben Kilometer lang. Sieben Stationen sollen die Gondeln auf dem Weg passieren - das Naherholungsgebiet Fühlinger See, aber auch Merkenich oder Seeberg würden so direkt über den Rhein hinweg autofrei miteinander verbunden.

Ein Stadtplan der Stadt Köln und Teilen von Leverkusen mit grünen und lilafarbenen Makierungen

Von Köln Chorweiler direkt und ohne Auto nach Leverkusen oder umgekehrt - einfach durch die Luft

Uraben Netways: Projekt theoretisch schnell realisierbar

Das gesamte Projekt kostet laut Fabian Weber von Urban Netways mit geschätzten 125 Millionen Euro "nur etwa ein Viertel der Sanierung der Mülheimer Brücke". Wenn die Politik das wolle, seien diese Planungen ziemlich schnell umsetzbar, so Weber.

Auto stehen lassen - per Gondel weiter

Die zweite angedachte Strecke hätte einen Verlauf vom Zoo über den Rhein bis in den Deutzer Hafen, einem der wichtigsten Neubauprojekte Kölns. Und von dort wieder über den Rhein bis an den Ubierring, eine Haltestelle von zwei Stadtbahnlinien. Auch eine West-Ost-Trasse vom Hauptbahnhof zum Messeparkhaus 22 hat Student Eric Schweden geplant.

Modellbild eines Glasgebäudes mit einer Gondelstation am Deutzer Hafen

Modell-Seilbahnstation mit Gondel im Neubaugebiet Deutzer Hafen

Denn hier könnten Einpendler aus östlicher Richtung ihr Auto stehen lassen und per Gondel weiterkommen. "Über den Stau hinwegfahren", wie er sich das vorstellt. Dieses ebenfalls sieben Kilometer lange Streckennetz sei nur wenig teurer als etwa die von der Stadt schon länger geplanten zwei Fußgängerbrücken über den Rhein, so Schweden. Allerdings bei viel höherer Transportkapazität.

Entscheidung in Köln wohl frühestens ab 2027

Beispielhafte Stationen für die Seilbahn haben Architektin Lucy Giebat für das Wohngebiet Deutzer Hafen und für Chorweiler-Mitte ihr Kommilitone Vincent Weisbrod geplant. Dabei wurde z. B. auch ein Logistik-Hub für Seilbahn-Frachtverkehr vorgesehen.

Dass die Seilbahn als Teil des ÖPNVs in Köln generell machbar ist, hatte schon eine 2023 veröffentlichte Studie im Auftrag der Kölner Verkehrsbetriebe ergeben.

Ob sie tatsächlich realisiert wird, darauf soll laut Stadt Köln u. a. "der nachhaltige Mobilitätsplan für die Stadt , 'Besser durch Köln', bis möglichst 2027 Antworten finden". Erst danach könnte der Kölner Stadtrat über ein solches Seilbahn-Projekt entscheiden.

Projekt von Denkfabrik und TH Köln: Neue Seilbahn für Kölner ÖPNV?

WDR Studios NRW 03.11.2025 00:37 Min. Verfügbar bis 04.11.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Technische Hochschule Köln
  • Urban Netways
  • Stadt Köln

Über dieses Thema berichtet der WDR am 03.11.2025 auch im Fernsehen: Lokalzeit aus Köln, 19:30 Uhr.

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