Motorseglerabsturz auf der A45
Aktuelle Stunde . 26.05.2026. 14:49 Min.. Verfügbar bis 26.05.2028. WDR. Von Mike Külpmann.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Motorsegler ist am Samstag (23. Mai) kurz nach dem Start auf die A45 bei Hünsborn gestürzt.
- Der Pilot kam bei dem Absturz ums Leben, ein weiterer Insasse erlitt schwere Verletzungen.
- Die Ursache ist noch unklar, möglicherweise spielten die Bremsklappen eine Rolle.
Eine WDR-Analyse der Bilder von der Unfallstelle ergab, dass die Bremsklappen des Motorseglers ausgefahren waren. Das dürfte kurz nach dem Start eigentlich nicht so sein. Wir haben den Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt danach gefragt. Er bestätigte dem WDR, es sei wahrscheinlich, dass ausgefahrene Bremsklappen zu dem Absturz beigetragen haben.
Experten uneinig
Warum die Klappen ausgefahren waren, ist unklar. "Es gibt die Möglichkeit eines technischen Fehlers, es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sie beim Start herausgesogen wurden, weil sie nicht ordentlich verriegelt waren", sagte Großbongardt.
Der Präsident des Aero-Clubs NRW, Volker Engelmann, auch Inhaber einer Flugschule in Lennestadt, hält es dagegen für gut möglich, dass die Wucht des Aufpralls dazu geführt hat, dass die Bremsklappen ausgefahren wurden. Es könne viele Gründe für den Absturz geben.
Es kann immer was schief gehen, es kann menschlich was schiefgehen, es kann genauso gut ein technischer Fehler passieren. Es kann das Wetters sein, eine thermische Ablösung, die plötzlich ein Flugzeug anhebt, was man nicht erwartet. Volker Engelmann, Präsident des Aero-Clubs NRW
Polizei bittet weiter um Mithilfe
Die Polizei bittet auch weiterhin darum, dass Personen mögliche Aufnahmen des Geschehens im Hinweisportal der Polizei NRW unter "BAB A45 Flugunfall am 23.05.2026" hochladen. Nach WDR-Informationen waren bereits am Sonntagmorgen erste Zeugenvideos und -fotos bei der Polizei eingegangen.
Einsatzkräfte am Mittag an der Unfallstelle
Flugzeug direkt nach Start abgestürzt
Der Motorsegler war am Samstagmittag von einem nahegelegenen Sportflugplatz in Hünsborn aus gestartet. Dort sollte später eine Flugschau stattfinden.
Ein Motorflugzeug hatte den Motorsegler in die Luft geschleppt. Der Hilfsmotor des Motorseglers war dabei nicht im Einsatz. Kurz nach Trennung des Schleppseils sei das Flugzeug gegen 12:10 Uhr zwischen der Anschlussstelle Freudenberg und dem Autobahnkreuz Olpe Süd auf die A45 abgestürzt.
Flugzeuginsassen: Ein Toter, ein Schwerverletzter
Der 56-jährige Pilot kam bei dem Absturz ums Leben. Es handelt sich nach WDR-Informationen um einen sehr erfahrenen Mann. Er soll ehemaliger Lufthansa-Pilot gewesen sein.
Der zunächst eingeklemmte 49-jährige Insasse erlitt schwere Verletzungen, musste operiert werden. Sein Gesundheitszustand ist laut Polizei stabil. Lebensgefahr könne aber nicht ausgeschlossen werden. Beide Unfallopfer gehörten zum Luftsport-Club Dümpel in Bergneustadt.
Weitere Personen kamen laut Polizei nicht zu Schaden. Durch die Sperrung staute sich der Verkehr auf der A45 in beiden Richtungen. Das Rote Kreuz verteilte Getränke an die Menschen, die vor der Unglücksstelle im Stau standen.
Ein Pkw wurde offenbar beschädigt
Polizei bittet um Hinweise zu Unfall
Ein Experte der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen sicherte gemeinsam mit einem Unfallaufnahmeteam der Polizei Spuren am Absturzort. Die Ermittlungen dauern an.
Motorsegler stürzte offenbar bei Testflug ab
Laut dem Verein LSV Hünsborn handelte es sich bei dem Flug offenbar um einen Testflug zur Prüfung der Thermik vor dem eigentlichen Flugbetrieb. Auf dem Flugplatz Hünsborn sollte an diesem Pfingstwochenende das Bezirksvergleichsfliegen stattfinden.
Der Motorsegler wird geborgen
Zuschauer unter Schock
Der Wettbewerb selbst hatte nach Vereinsangaben noch nicht begonnen, vor Ort war aber bereits alles aufgebaut. Nach dem Absturz stehen die Menschen am Flugplatz unter Schock. Auch Notfallseelsorger waren vor Ort.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir von einem "Segelflugzeug" geschrieben. Bei dem abgestürzten Flugzeug handelte es sich aber um einen sogenannten Motorsegler. Diese Flugzeuge haben einen kleinen Hilfsmotor verbaut, der in diesem Fall wahrscheinlich nicht zum Einsatz kam. Wir haben die entsprechenden Stellen nachträglich präzisiert.
Unsere Quellen:
- Autobahnpolizei Dortmund
- Pressemeldungen Kreispolizei Olpe
- Eindrücke der WDR-Reporter vor Ort
- Interview mit Luftfahrt-Experten Heinrich Großbongardt
- Interview mit Volker Engelmann, Präsident des Aero-Clubs NRW
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.05.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 26.05.2026, 16.30 Uhr