In Meschede kostet Erdbeerenpflücken jetzt Eintritt

WDR 04:12 Min. Verfügbar bis 11.06.2028

Dreiste Kunden In Meschede kostet Erdbeerenpflücken Eintritt

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Die Erdbeersaison hat begonnen, und für viele gehört Selberpflücken einfach dazu. Doch in dieser Saison verlangen einige Betriebe in Südwestfalen zum ersten Mal Eintritt fürs Erdbeerfeld. Die Landwirte wollen damit dreiste Kunden abschrecken.

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Eva Schulze-Gabrechten

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Das Erdbeerfeld als Gratis-Buffet? Landwirt Antonius Alteköster aus Möhnesee hat genau das in den letzten Jahren oft erlebt: "Da kamen dann abends zwei, drei Autos zur Plantage, und die wollten hier Abendessen. Die sind dann mit zehn Mann gekommen, aber haben nur eine Handvoll gepflückt. Das geht nicht!", berichtet der Landwirt, und schüttelt den Kopf.

Eine Kundin pflückt Erdbeeren auf der Erdbeerplantage Alteköster in Meschede.

Eintritt zahlen fürs Erdbeerpflücken? Auf immer mehr Feldern in Südwestfalen ist das Realität.

Wenn sich mehrere Kunden so verhalten, sei das auf Dauer nicht wirtschaftlich. Alteköster setzt deshalb seit dieser Saison erstmals auf ein neues Modell: Selberpflücken kostet auf seiner Plantage in Meschede-Enste jetzt fünf Euro Eintritt - für Erwachsene. Kinder unter 1,30 Meter Körpergröße dürfen umsonst aufs Feld.

Fünf Euro zahlen fürs Selberpflücken - Eintritt wird mit Erdbeeren verrechnet

Der Eintritt wird mit den gepflückten Erdbeeren an der Kasse verrechnet: Wer also beispielsweise Erdbeeren im Wert von sieben Euro pflückt, muss an der Kasse noch zwei Euro nachzahlen. So sei das Selberpflücken im Normalfall nicht teurer als vorher, betont Alteköster:

Die Leute, die ehrlich pflücken, die kriegen die fünf Euro ja wieder. Es wird ja verrechnet: Es muss jeder nur ein Kilo pflücken, dann hat er den Eintritt wieder drin. Antonius Alteköster, Landwirt aus Möhnesee

Eintritt oder Verzehrspauschalen auf Erdbeerfeldern immer häufiger

Laut Landwirtschaftskammer NRW steigt die Zahl der Betriebe, die Eintritts- oder Verzehrspauschalen auf ihren Erdbeerfeldern verlangen. Wie viele es genau sind, ließe sich nicht sagen. Diese Entwicklung gebe es seit ungefähr fünf Jahren, schätzt die Kammer.

Die Verkäuferin Rita Jürgens am Erdbeerstand Alteköster in Meschede.

Die meisten Kunden halten den Eintritt für fair, sagt Verkäuferin Rita Jürgens aus Meschede.

Auch Landwirt Arne Korn aus Welver nimmt in diesem Jahr erstmals Eintritt auf einem seiner Erdbeerfelder: Auf seiner Plantage in Hamm müssen Kunden jetzt sechs Euro fürs Selberpflücken zahlen. Auch hier wird der Eintritt verrechnet. In Welver-Einecke ist der Besuch auf seinem Erdbeerfeld dagegen noch kostenlos.

Kunden immer dreister: Mit Sprühsahne im Erdbeerfeld erwischt

"In Welver haben wir das Problem nicht", so Landwirt Korn gegenüber dem WDR. "Aber in Hamm hatten wir immer wieder mit Kunden zu tun, die sich auf dem Feld sattessen wollten und kaum etwas gepflückt haben". Einmal habe er sogar einen Mann mit Sprühsahne im Erdbeerfeld erwischt, der sich offenbar den Bauch vollschlagen wollte.

Was sagen die Kunden zur neuen Regelung? Die meisten reagierten verständnisvoll, sagt Rita Jürgens, die schon seit mehreren Jahren am Stand vom Erdbeerbetrieb Alteköster in Meschede-Enste arbeitet.

Auch Landwirt Alteköster ist erleichtert. Denn er hatte anfangs Sorge, der Eintritt könne Kunden vergraulen. Das sei nicht passiert. Er hält das neue Modell für eine gute Lösung und plant, ab dem kommenden Jahr auch für seine Erdbeerplantage in Arnsberg-Bruchhausen Eintritt zu nehmen.

Wie viel Naschen ist noch okay? Antwort des Landwirts überrascht

Wie viel Naschen ist denn nun in Ordnung? Wo verläuft die Grenze zwischen Probieren und Ausnutzen? Richtwerte oder offizielle Empfehlungen gibt es dazu keine.

Erdbeerbauer Alteköster sieht es großzügig: "Naschen ist kein Thema. Da haben wir Verständnis für, das gehört auch dazu - gerade bei Kindern." Aber nur sattessen, ohne zu bezahlen - das geht auf seinen Erdbeerfeldern jetzt nicht mehr.

Unsere Quellen:

  • Landwirtschaftskammer NRW
  • WDR-Interview mit Antonius Alteköster, Landwirt aus Möhnesee
  • WDR-Interview mit Arne Korn, Landwirt aus Welver
  • Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, In Meschede kostet Erdbeerenpflücken jetzt Eintritt, 12.06.2026, 5:00 Uhr

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Brigitte 12.06.2026, 19:34 Uhr

    Traurig wie weit wir gekommen sind kein Anstand mehr. Hauptsache umsonst. Eintritt finde ich voll in Ordnung

    Antworten (1)
    • Christel Schöpgens 13.06.2026, 11:50 Uhr

      Stehlen ist für viele Menschen ein Chavaliersdelikt. Sie haben keine Achtung vor dem Ertrag auf den Feldern , der nur durch viel Arbeit und Einsatz zustande gekommen ist.

  • 4 Susanne Langenberg 12.06.2026, 15:23 Uhr

    Hallo aus Neuss am Rhein: Hier gibt es das (noch?) nicht...verstehen kann ich es aber, und wenn es verrechnet wird - total okay. Schade, dass das Vertrauen ausgenutzt wird :(( Da wo ich pflücke, das Feld vom Feiserhof in Dormagen, ist Mindestmenge 1kg beim selberpflücken. Bei den leckeren Erdbeeren auch kein Thema. Naschen ist voll akzeptiert ;) aber es versteht sich von selbst, dass das unter 10 Erdbeeren bei den Kindern und 2- 3 der leckeren Früchte bei den Erwachsenen bleibt.

  • 3 Gustav 12.06.2026, 13:27 Uhr

    Die Habgier von einer Handvoll Mitbürgern ist schon erschreckend. Wenn man anders der Sache nicht her werden kann, ist der Eintritt in Ordnung.

  • 2 Andre Schäfer 12.06.2026, 10:41 Uhr

    Völlig nachvollziehbar. Allerdings bleibt noch zu hoffen, dass er um sein Feld einen soliden Zaun und eine Kamera drauf stehen hat, die auch nachts noch was erkennen kann. Denn so manch Gesindel klaut Felder erst nach Anbruch der Nacht leer.

  • 1 FairerJournalismus 12.06.2026, 10:03 Uhr

    Primär-Quelle: Westfalenpost Meschede https://www.wp.de/lokales/meschede-und-umland/article412239761/neue-regel-am-erdbeerfeld-meschede-warum-jetzt-eintritt-gezahlt-werden-muss.html

    Antworten (2)
    • WDR.de 12.06.2026, 10:10 Uhr

      Die Quellen für unsere Artikel findest du stets ganz unten im letzten Absatz. Gleichwohl passiert es natürlich, dass mehrere Medien zu einer regionalen Geschichte berichten.

    • ÖRR sollten Quelle nennen 12.06.2026, 15:09 Uhr

      Guter Hinweis, danke! Eigentlich sollten Medien ihre Quellen benennen. Doch leider tun das die Kolleg*innen vom ÖRR häufig nicht, nutzen aber die lokalen Medien, die von Abos leben, selbstverständlich als „Inspiration“. Das wird immer wieder angemahnt und ist einfach schlechter Stil.

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