Menden nach Messerstecherei auf Spielplatz
Aktuelle Stunde . 12.05.2025. 35:43 Min.. UT. Verfügbar bis 12.05.2027. WDR. Von Janine Simon.
Zig Grabkerzen und Blumen liegen dort, wo der 14-Jährige niedergestochen worden ist. Dazu Zettel mit Botschaften: "Ruhe in Frieden" und "Allah möge dich ins Paradies bringen" steht darauf. Dazu ein kleiner weißer Puttenengel-Kopf, umrahmt von weißen Federn, die sich sanft im Wind bewegen. Immer wieder kommen Menschen her, legen etwas ab, zeigen, wie erschüttert sie über die Bluttat sind.
Nico Graefingholt an der Gedenkstelle des getöteten 14-Jährigen.
"Ich kannte ihn aus der Schule", sagt Nico Graefingholt, "der war nett." Der 20-Jährige aus Unna ist extra hergekommen. Hier in die unmittelbare Nähe eines Spielplatzes, wo ein 17-Jähriger auf den 14-Jährigen eingestochen haben soll: "Das ist die ganze Zeit in meinem Kopf", sagt Nico Graefingholt.
"So einen Streit kann man doch mit Worten regeln oder vielleicht auch mit einer Schlägerei, aber doch nicht mit einem Messer." Nico Graefingholt
Nico Graefingholt holt sein Smartphone raus: "TikTok ist voll von dem Fall. Ich habe auch einen Film gemacht." Unter anderem sind auch Bilder vom Opfer zu sehen. Aus fröhlichen, aus guten Zeiten. "Überall habe ich kommentiert: Ruhe in Frieden."
Angst vor wachsender Brutalität
"Doch nicht mit einem Messer!" - das ist hier immer wieder zu hören. "Die Grenzen verschieben sich immer mehr", sagt eine Mutter. Sie stellt mit ihrem 13-jährigen Sohn eine Kerze zu den vielen anderen. Ihren Namen möchten die beiden nicht nennen, aber sie machen ihrer Bestürzung Luft: "Das ist so krass. Das ist hier doch nicht Berlin", sagt der Junge. Die Mutter nickt: "Da muss was passieren. Stattdessen werden überall Angebote wie Stadtteil-Treffs gestrichen."
Eine Mutter und ihr Sohn knien vor der Gedenkstätte und legen Blumen nieder.
Es kommen viele Mütter und auch ein paar Väter mit ihren Kindern vorbei, legen Kerzen und Blumen ab. So wie Tatjana und Viktor Kovalenko. "Das ist so schlimm und traurig", meint der 10-jährige Victor und stellt eine Grablicht mit einem Engelbild hin. Seine Mutter legt eine Blume dazu.
"Mir als Mutter geht das so nah. Ich war erschrocken, schockiert und sprachlos. Der Junge hatte doch noch sein ganzes Leben vor sich." Tatjana Kovalenko
Tiefe Trauer mit Tränen
Eine 14-Jährige im hellen T-Shirt steht vor den vielen Blumen und Kerzen, legt einen Bund Blumen dazu. Dann setzt sie sich auf einen großen Stein am Weg zum Spielplatz: "Welcher Mensch macht denn so was? Das ist so traurig", sagt sie und weint haltlos. Die Bezirksregierung kündigt am Nachmittag an, dass nach der Gewalttat verstärkt Schulpsychologen eingesetzt werden sollen.
So wie die 14-Jährige kommen viele junge Leute hierher. Sie sind so jung, dass wir ihre Namen nicht nennen. Ein blondes Mädchen, vielleicht 13 Jahre alt, zieht ein kariertes Blatt Papier aus ihrer Tasche. Sie schreibt ganz konzentriert und steckt den Zettel dann gut sichtbar hinter eine Kerze: "Du hast es nicht verdient zu sterben. Ich kannte dich nicht, aber ich mag dich", steht drauf.
Zwei Familien zerstört
Ein 15-Jähriger im schwarzen Pullover legt statt Blumen oder Kerze eine angezündete Zigarette auf die Erde. "Das verbinde ich mit ihm." Er überlegt einen Moment und sagt dann:
"Der Täter hat zwei Familien zerstört. Ja, er hat auch sein eigenes Leben einfach weggeworfen. Mit 17." 15-jähriger Besucher
Feuerwehr tilgt Spuren - das Entsetzen bleibt
Auch Alois Hermas sieht sich den Blumenberg und die Kerzen an. Er schüttelt den Kopf: "Das ist unglaublich, nicht mehr normal". Er sei 1992 aus Polen nach Menden gekommen und habe hier ganz in der Nähe gewohnt: "Hier muss doch was passieren. Es wird immer schlimmer."
Auf diesem Spielplatz in Menden soll es zu dem Tötungsdelikt gekommen sein
Dann kommt ein Team von der Mendener Feuerwehr. "Wir wollen die Spuren beseitigen", erklärt Christian Boike, der Leiter der Feuer- und Rettungswache. Sein Team macht sich an die Arbeit, spritzt die Straße mit Wasser ab. Die Spuren der Tat versickern so, aber die Trauer und die Betroffenheit der Menschen, sie bleiben.
Unsere Quellen:
- WDR Reporterin vor Ort
