Coolnesstraining im SOS Kinderdorf Lüdenscheid
Lokalzeit Südwestfalen. 18.06.2025. 03:15 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027. WDR. Von Claudia Roelvinck.
"Du bist cool, auch ohne Gewalt": SOS-Kinderdorf mit speziellem Training
Stand:
An 14 Nachmittagen lernen Kinder, wie sie Streit aus dem Weg gehen, einander zuhören und ihre persönlichen Grenzen setzen können. Die Pädagoginnen und Erzieher in Lüdenscheid sind besonders sensibilisiert und geschult, Gewalt möglichst früh zu erkennen.
Lea (Name geändert) hat eine Rolle Krepp-Klebeband in der Hand, Metin (Name geändert) zieht das Ende vorsichtig ab. Gemeinsam markieren sie damit ein Spielfeld auf dem Fußboden. Dann beginnt das Coolness-Training. Gewaltpädagoge Benjamin Breuninger erklärt die Spielregeln. Es geht um ein kleines Kräftemessen, darum, sich gegenseitig aus dem Feld zu schieben.
Grenzen setzen
"Wo möchtet ihr dabei auf keinen Fall angefasst werden?" Diese Frage scheint die Kinder, die in dieser Gruppe zwischen acht und zwölf Jahre alt sind, zu irritieren. Ja, auch Kinder dürfen bestimmen, wo angefasst werden in Ordnung ist und wo nicht. Das Spiel beginnt.
Die Kinder schubsen sich spielerisch vom Spielfeld
Die Kinder schieben sich an Oberarmen und Schultern hin und her, bis die ersten über den Rand treten und am Ende nur noch Lea im Spielfeld steht. Nach mehreren Runden eine kurze Besprechung. Haben sich alle wohl gefühlt, war es für alle in Ordnung? Hat jemand den Arm zu fest umklammert? Wie kann ich reagieren, wenn es mir zu wild wird?
Es geht darum, die eigenen Grenzen zu erkennen und auch zu benennen – und die Grenzen der anderen zu akzeptieren. Benjamin Breuninger, Gewaltpädagoge
Zuhören und nachfragen
Beim bauen mit Klötzen müssen die Kinder genau zuhören
Ein neues Spiel. Diesmal bekommen immer zwei Kinder ein Set Bausteine, sitzen mit dem Rücken zueinander. Lea erklärt, wie sie ihren Turm baut, Metin soll es nachmachen. Zuerst den großen grünen, dann den kleinen gelben, danach den roten und blauen mittig darauf. Oder doch anders?
Zuhören und nachfragen, wenn man etwas nicht verstanden hat. Darum geht es. Aber auch, sich beim Vergleich der beiden fertigen Türme keine gegenseitigen Vorwürfe zu machen. Wie viel besser ist es doch, sich gemeinsam kaputtzulachen, statt sich über ein seltsames Bauwerk zu ärgern.
Manche Kinder sind schüchtern - andere aggressiv
Wer im Kinderdorf lebt, hat in aller Regel in seiner Herkunftsfamilie kein liebevolles und harmonisches Familienleben mit gegenseitiger Wertschätzung kennen gelernt. Oft ging es darum, wer der Stärkere ist, wer Macht ausübt innerhalb der Familie. Diese Prägung macht manche sehr schüchtern, andere eher aggressiv.
Das Coolness-Training erstreckt sich über 14 Wochen, dann ist die nächste Gruppe dran. Alle 75 Kinder und Jugendlichen im Dorf sollen es nach und nach bekommen.
Präventionsarbeit
Die Kinderschutzbeauftragte Marlena Busche
Das Dorf in Lüdenscheid hat eine eigene Kinderschutzbeauftragte. Sie bringt den Kindern bei, dass auch sie Rechte haben, dass auch sie ihre Meinung sagen dürfen. Auch Erwachsenen gegenüber. Lea ist außerdem Kindersprecherin, also eine Art Klassensprecherin für die jüngeren im Dorf.
Zusätzlich zum Coolness-Training gibt es schon lange viele Sportangebote. Wie gelingt es, als Team arbeiten, sich auszupowern, bei Misserfolgen nicht gleich frustriert zu sein, kleine Siege dagegen umso mehr zu feiern – all das gehört zum Leben und Lernen im Dorf.
Unsere Quellen:
- SOS-Kinderdorf Sauerland
- Beobachtungen der WDR-Reporterin
