Wertvolle Richter-Kunstwerke in Soest | Lokalzeit
WDR. 03:42 Min.. Verfügbar bis 17.04.2028.
Wertvolle Gemälde : Richter-Bilder des Kreises Soest könnten 40 Millionen Euro wert sein
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Die Geschichte klingt unglaublich: über 40 Jahre hängen zwei riesige Bilder in der Pausenhalle einer Soester Berufsschule. WDR-Recherchen belegen: Sie gehören heute wohl zu den wertvollsten Werken weltweit. Darf die Kreisverwaltung sie einfach so verleihen?
Donnerstagabend im LWL-Museum in Münster: Mehrere hundert Besucher sind in das prächtige Kunsthaus gekommen. Es gibt etwas zu feiern. Das moderne Haus hat einen neuen Anziehungspunkt: Zwei Riesen-Werke von Gerhard Richter. Er ist der bekannteste deutsche Künstler der Gegenwart, gehört weltweit zu den gefeiertsten Meistern.
Schätzwert der Richter-Werke: 40 Millionen Euro
Kunstkenner schwärmen: Der Kreis Soest hat die beiden zwei-mal-zwanzig-Meter-Bilder dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Dauerleihgabe gegeben. Dafür gibt es Dankesworte und reichlich Applaus.
Kritik ist hier nicht zu hören – aber es gibt sie. Denn: WDR-Recherchen haben ergeben, dass die beiden Bilder zusammen rund vierzig Millionen Euro wert sein düften.
Ein international anerkannter Kunstfachmann und Richter-Kenner betont, dass es keine vergleichbaren Werke gebe. Der Experte möchte ungenannt bleiben, seine schriftliche Einschätzung liegt dem WDR vor.
Bund der Steuerzahler: "Die muss man verkaufen!"
Jens Ammann vom Bund Deutscher Steuerzahler kritisiert den Kreis Soest scharf
Jens Amman ist beim Bund der Steuerzahler NRW der Experte für öffentliche Finanzen. Er macht der Kreisverwaltung Vorwürfe. "Auch wir beim Bund der Steuerzahler sind sehr für Kultur, sehr für Kunst. Aber wir reden hier über 40 Millionen Euro, die den Haushalt der öffentlichen Hand extrem entlasten könnten. Wenn der Wert 40 Millionen Euro stimmt, dann wäre eine Veräußerung auf jeden Fall angebracht".
Kritik an Soester Kreisverwaltung: Verkauf war nie ein Thema
"Verkauf", das war in der Soester Kreisverwaltung aber bisher kein Thema. Seit Jahren weiß man, dass das Börde-Berufskolleg für einen echten Richter kein sicherer Ort ist. Spätestens, nachdem eines der Bilder in die vier Einzelteile zerlegt und dann in Paris ausgestellt worden war, kannte auch die Kunstwelt den Soester Schatz.
Die Bilder sind feierlich an das LWL-Museum in Münster übergeben worden
Hinter den Kulissen, ohne Öffentlichkeit und "unter höchster Geheimhaltungsstufe" (Zitat LWL) hat der Kreis Soest mit dem Landschaftsverband dann die "Lösung" gefunden: Das LWL-Museum in Münster zeigt die Bilder als Dauerleihgabe.
Federführend war Eva Irrgang: Bis Ende 2025 Landrätin des Kreises Soest, seit Anfang 2026 ist sie als Vorsitzende der Landschaftsversammlung die politische Spitze des LWL.
"Strich auf Blau" und "Strich auf Rot" gehören zu den teuersten Bildern der Welt
Nach zwei Jahren Vorbereitung werden die Richter Bilder "Strich auf Blau" von 1979 und "Strich auf Rot" von 1980 jetzt in Münster gezeigt. Sie passen gerade so in den größten Ausstellungsraum und wirken dort noch einmal ganz anders als im Foyer der Schule. Im Börde-Berufskolleg hängen jetzt Kopien.
Kreis und Schule sind froh, im Foyer an gleicher Stelle jetzt Duplikate zeigen zu können
Dafür gab es extra eine Genehmigung des heute 94 Jahre alten Welt-Künstlers. "Die Kopien hätten wir nie machen dürfen, wenn wir die Originale verkauft hätten", argumentiert der jetzige Landrat Heinrich Frieling. Richter habe die Gemälde nur für diese Aula geschaffen – deshalb würden sie genau dahingehören.
Gerhard Richter gibt Okay für Kopien; "Bilder sind für Schüler wichtig"
Aus Sicherheitsgründen jetzt aber eben nicht mehr im Original, sondern als Fotografien in Originalgröße. Und die seien wichtig. Frieling spricht von Kulturgut, das den Bürgern gehöre. Schulleiterin Rita Brand geht noch weiter: Die Schule ohne zumindest die Richter-Kopien, das sei "grob fahrlässig". Junge Menschen kämen täglich an den Bildern vorbei, es gehe nicht um Geld.
Bund der Steuerzahler: "Politik hätte mit entscheiden müssen"
Der Bund der Steuerzahler sieht das anders. Er bemängelt besonders, dass die Politik nicht mitentschieden hat. Der Kreistag und auch die Gemeinden und Städte im Kreis Soest hätten mit Blick auf die extremen finanziellen Schwierigkeiten der Kommunen gefragt werden müssen, sagt Haushalts-Fachmann Amman.
Außerdem habe der Künstler Gerhard Richter keine besondere Verbindung zum Kreis Soest. Der LWL erklärt auf WDR-Nachfrage, dass die Dauer-Leihgabe auf unbestimmte Zeit angelegt sei. Der Kreis Soest bleibe aber Besitzer und könne die Millionen-Bilder mittelfristig auch zurückfordern.
Quellen:
- Landschaftsverband Westfalen-Lippe
- Landrat Kreis Soest: Heinrich Frieling
- Schulleitung Börde-Berufskolleg Soest
- Bund Deutscher Steuerzahler, Düsseldorf
- WDR Archiv
- WDR Reporter vor Ort in Soest und Münster
Sendung: WDR5 , Westblick, 17.04.2026, 17.04 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 17.04.2026, 19.30 Uhr
