Nach lauten Auseinandersetzungen: Kinder-Fußballspiel in Siegen wiederholt

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Das Sportgericht des Fußballkreises Siegen-Wittgenstein hat am Montag ein Fußballspiel mit 7- bis 8-jährigen wiederholen lassen. Das bundesweit beachtete Urteil hatte die Kreisspruchkammer gefällt, nachdem das letzte F-Jugend-Spiel des SV Gosenbach und des SSV Sohlbach-Buchen abgebrochen wurde.

Von Christian Albrecht

Beide Vereine beschuldigten sich gegenseitig, dass Trainer und Zuschauer zu lautstark beim Spiel der Kinder reingerufen haben. Einer der beiden Trainer sah sich deshalb genötigt, drei Minuten vor Spielende sein Team vom Feld zu holen - und die Partie abzubrechen. In der F-Jugend spielen die Nachwuchskicker ohne Schiedsrichter, sie sollen alles selbst untereinander regeln.

Urteil sorgt bundesweit für Beachtung

So landete der Fall vor dem Kreissportgericht Siegen-Wittegenstein. Maik Otto fällte als Vorsitzender des Sportgerichts ein ungewöhnliches Urteil: Das Spiel wird wiederholt, aber beide Trainer des SSV Sohlbach-Buchen und des SV Gosenbach dürfen nicht eingreifen.

Zwei DFB-Stützpunkttrainer übernehmen das Coaching – und von denen sollen die Vereinstrainer lernen, wie man sich richtig an der Seitenlinie verhält. "Wir müssen der Spaß für die Kinder in den Vordergrund stellen – und die Trainer haben Vorbildfunktion", wünscht sich Otto.

Wiederholungsspiel verläuft ruhig

Vor Ort beim Wiederholungsspiel in Siegen-Weidenau wurde das Ganze etwas abgeändert: Die Stützpunkttrainer haben das Gespräch mit den Vereinstrainern gesucht und dann zusammen die Kinder beim Spiel angeleitet.

Maik Otto (m.) mit den zwei DFB-Stützpunkttrainern | Bildquelle: Christian Albrecht

Ein Knackpunkt, warum es zu Streitereien kommt, sieht Stützpunkttrainer Sven Klein im Unwissen der Trainer: "Insbesondere in Regelkunde sollten nachgearbeitet werden – wie groß ist das Spielfeld, darf ich hinter der Mittelinie direkt aufs Tor schießen, darf ich den Ball einrollen." Klein hofft, dass es dann vielleicht in Zukunft nicht mehr zu Diskussionen kommt.

Eltern nur Zaungäste

Auch die Eltern durften das Spiel nur aus der Entfernung mitverfolgen. Manche finden die Maßnahme das Wiederholungsspiel gut, andere glaube weniger an einen Lerneffekt.

Sebastian Wagner ist Vater eines Spielers und appelliert: "Wenn es man als Erwachsener nicht richtig vormacht, dann finde ich gehört so ein Trainer vom Platz gestellt, und da hat so ein Wiederholungspiel nicht den richtigen Ansatz, um da etwas Positives raus zu ziehen." Mutter Antonia Barten meint dagegen: "Sicherlich haben wir alle was gelernt heute, und die Trainer auch – das bringt den Verein weiter."

Wiederholungsspiel soll Denkanstoß für Erwachsene sein

Die Botschaft der Aktion dürfte klar sein und richtet sich an die Erwachsenen: Lasst die Kinder spielen. Denn die waren ausdrücklich nicht für den Spiellabbruch verantwortlich.

"Wir haben hier die schönste Nebensache der Welt und sitzen dann beim Sportgericht zusammen wegen eines Spielabbruchs bei 7- bis 8-jährigen", zeigt Maik Otto wenig Verständnis für den Vorfall. Und ergänzt: "Was soll man denn da für ein Urteil fällen?" Die Kinder dürften sich freuen: Sie konnten noch mal kicken. Und bei den Erwachsenen hofft das Kreissportgericht auf einen Lerneffekt.

Nach Pöbel-Attacken - "Geisterspiel" für Kinder in Siegen

WDR Studios NRW 30.06.2025 00:49 Min. Verfügbar bis 30.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:


  • Maik Otto, Kreissportgericht Siegen-Wittgenstein
  • Sven Klein, DFB Stützpunkttrainer
  • WDR-Reporter vor Ort