Ermittlungen zum abgestürzten Segelflugzeug
Aktuelle Stunde . 24.05.2026. 33:39 Min.. UT. Verfügbar bis 24.05.2028. WDR. Von Claudia Weber.
Mitglieder des Vereins und Angehörige der Unfallopfer waren schon kurz nach dem Absturz an der Unfallstelle, sollen das Flugzeugwrack bewegt haben und waren auch an dem Wrack, während die Unfallaufnahme von der Polizei und der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung lief. So berichtet unser Reporter vor Ort.
Nun stellt sich heraus: Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hatte ein Mitglied des Flugsportvereins beauftragt, die Ermittlungen zu unterstützen. Der Mann hatte offenbar weitere Mitglieder mit an die Unfallstelle gebracht. Demnach hätten Vereinsmitglieder den Unfall ihres eigenen Flugzeugs untersucht.
Ein Sprecher der Bundesstelle hat in einem Telefonat mit dem WDR auf Nachfrage eingeräumt, dass es dabei Interessenkollisionen geben könnte.
Ermittlungen nach Motorsegler-Absturz auf der A45 laufen weiter
Den Absturz hatten vom Flugplatz aus etwa 50 Menschen gesehen. Viele von ihnen stehen noch immer unter Schock.
Auch die Witwe des verunglückten Piloten und seine beiden Söhen waren an der Unfallstelle. Sie nahmen dessen Headset und weitere persönliche Gegenstände aus persönlichen Gründen mit - mit Kenntnis der Ermittler. Einfluss auf die Ermittlungen hat das aber nicht, so die BFU.
Die Polizei Olpe teilte auf Nachfrage mit, Vereinsmitglieder und Angehörige seien erst an der Unfallstelle gewesen, nachdem die eigentliche Unfallaufnahme abgeschlossen gewesen sei.
Weitere offizielle Stellungnahmen der Ermittler soll es zunächst nicht geben. Unterdessen läuft die Auswertung zahlreicher Hinweise weiter. Der Luftfahrt-Experte Heinrich Groß-Bongardt sagte dem WDR, es sei wahrscheinlich, dass ausgefahrene Bremsklappen zu dem Absturz beigetragen haben.
Was bislang über den Motorsegler-Absturz an der A45 bekannt ist:
Hinweise zum Motorsegler-Absturz bei Hünsborn
Über das von der Polizei eingerichtete Online-Portal seien bereits viele Fotos, Videos und Augenzeugenberichte eingegangen. Entscheidend für die Klärung der Absturzursache seien diese bislang allerdings noch nicht gewesen.
Einsatzkräfte am Unfallort
Klar ist, dass es sich bei dem Flugzeug um einen Motorsegler handelt, also ein Segelflugzeug mit Hilfsmotor. Der war zum Zeitpunkt des Absturzes allerdings nicht in Betrieb gewesen.
Verletzte Person musste operiert werden
Bei dem Absturz war der Pilot ums Leben gekommen, ein Passagier wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei sei dieser schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden und habe dort operiert werden müssen. Zu seinem aktuellen Gesundheitszustand lägen den Ermittlern derzeit keine neuen Informationen vor.
Beide Insassen des Motorseglers sind Mitglieder im Luftsport-Club Dümpel e.V. in Bergneustadt.
Segelflugverein Hünsborn unter Schock nach Absturz
Der Unfall hat den Segelflugverein Hünsborn tief erschüttert. Nach Angaben der Einsatzkräfte verfolgten zwischen 60 und 80 Menschen auf dem Vereinsgelände den Absturz. Zehn Notfallseelsorger des DRK sowie weitere Helfer kümmerten sich anschließend um die Betroffenen.
Trauer und Entsetzen heute auf dem Flugplatz in Hünsborn.
Der Flug am Unglückstag war der erste Start des Tages gewesen. Der Verein selbst will sich dazu noch nicht äußern. Der reguläre Flugbetrieb wurde für das gesamte Pfingstwochenende eingestellt - obwohl das Wetter nach Angaben von Vereinsmitgliedern eigentlich ideale Bedingungen geboten hätte.
Sorgen der Piloten nach dem Motorsegler-Absturz
Wie ein Fluglehrer berichtet, der anonym bleiben möchte, hätten mehrere Vereinsmitglieder nach dem Absturz geäußert, jetzt erstmal nicht fliegen zu wollen. Im Verein werde nun darüber nachgedacht, Flüge vorerst grundsätzlich gemeinsam mit Fluglehrern durchzuführen - auch bei erfahrenen Pilotinnen und Piloten.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir von einem "Segelflugzeug" geschrieben. Bei dem abgestürzten Flugzeug handelte es sich aber um einen sogenannten Motorsegler. Diese Flugzeuge haben einen kleinen Hilfsmotor verbaut, der in diesem Fall wahrscheinlich nicht zum Einsatz kam. Wir haben die entsprechenden Stellen nachträglich präzisiert.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporter vor Ort
- Gespräche mit der Polizei Olpe
- Gespräche mit dem Segelflugverein Hünsborn
- Gespräch mit dem Luftsport-Club Dümpel
- Gespräche mit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 24.05.2026, 15:45 Uhr