Unterwegs mit einem Sturmjäger

WDR 00:36 Min. Verfügbar bis 30.05.2028

Unterwegs mit einem Sturmjäger Auf der Jagd nach Blitz und Donner

Stand:

André Ventrone aus Medebach ist ein Jäger. Doch seine Beute lässt sich kaum fangen: Es sind Blitze, Stürme und Donnergrollen.

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Eva Schulze-Gabrechten

"Das ist ein Jackpot", sagt André Ventrone, und blickt in den Abendhimmel über Erwitte. Graublaue Wolken türmen sich auf fast schwarzem Grund, die schwüle Luft ist drückend.

Hier, im Kreis Soest, soll sich gleich das große Unwetter entladen, das NRW an diesem Freitagabend in Atem hält. Ventrone will keine Sekunde davon verpassen.

Auf Gewitter-Jagd: Für den Kick und für Klicks

Jetzt muss er schnell sein. Keine Zeit für Fragen der Reporterin. Ventrone klappt ein Kamerastativ aus, positioniert es am Rand eines Weizenfeldes. Fast zeitgleich startet er auf seinem Handy ein Live-Video. Denn Ventrone jagt Stürme nicht nur zum Vergnügen. Sondern auch für seine zehntausenden Follower.

Sturmjäger André Ventrone steht hinter seiner Kamera und versucht das perfekte Bild zu machen vom Unwetter. Hinten am Horizont sind dunkle Wolen und viel Natur zu sehen.

Auf der Suche nach dem perfekten Foto.

Und die wollen: Blitz, Krach, Bum. Ein richtiges Unwetter. Die Chancen dafür stehen offenbar gut: "Die Gewürze für ordentliche Blitze sind heute da - vielleicht sogar für einen Tornado", sagt Ventrone, und lacht. Ein Wirbelsturm in Südwestfalen - für viele ein Albtraum. Für ihn ist es ein Abenteuer.

Wetter-Apps und viel Erfahrung: Die Suche nach dem richtigen Ort

Erst kommt der Wind. Dann fällt Regen. Und plötzlich ist der Himmel über Erwitte schwarz. "Leute, jetzt geht`s hier richtig los! Da fallen schon die ersten Äste von den Bäumen." Der 41-Jährige kommentiert live für seine Online-Community. Als die ersten Blitze über Erwitte zucken, fluten rosane Herzen den Chat.

Mehrere Blitze, die durch den lila, dunkel mit Wolken bedeckten Himmel fahren. Unten am Bild ist das Dach eines Hauses und ein Baum zu sehen.

Blitze am Freitagabend über Werl.

Dass Ventrone das Unwetter an diesem Abend so nah erlebt, ist kein Zufall. Es ist sein Handwerk. Der Sturmjäger ist immer auf der Suche nach den besten "Chase Points". Orte, an denen ein Gewitter am schönsten kracht. Dazu nutzt er verschiedene Wetter-Apps und Hinweise aus der Community.

"Andere gehen in die Achterbahn. Für mich ist das hier mein Adrenalin." André Ventrone, Sturmjäger aus Medebach

Für die Chance auf einen Wirbelsturm fährt der Medebacher durchs ganze Land. Dabei gehe es nicht nur um Klicks, sagt Ventrone. Er wolle auch aufklären: "Viele Menschen respektieren das Wetter nicht mehr. Das ärgert mich". In seinen Live-Streams gibt er Tipps für das richtige Verhalten bei Unwetter.

Beobachtungen aus dem Auto

Auch für ihn selbst stehe Sicherheit an erster Stelle. Den Großteil des Unwetters an diesem Freitagabend beobachtet der Sturmjäger aus seinem Auto heraus. "Der sicherste Ort bei Gewitter", betont Ventrone. Als Hagel einsetzt, fährt er unter das Abdach einer Tankstelle. Auch der Wagen soll keine Beulen bekommen.

Nach einer guten Stunde lichtet sich der Himmel über Erwitte. Das Unwetter zieht weiter. Einen Tornado hat der Sturmjäger heute nicht erwischt. Ist er enttäuscht? "Nein", sagt Ventrone, und lacht. Er sei mit jedem Unwetter zufrieden. Jetzt will er weiter, nach Brilon. Dort sollen die Blitze gerade besonders gut zu sehen sein.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort

Sendehinweis: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 29.05.2026, 18:45 Uhr

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