Russisches Gericht leitet Strafverfahren gegen Jacques Tilly ein

01:31 Min. Verfügbar bis 18.12.2027

Russisches Gericht leitet Strafverfahren gegen Jacques Tilly ein

Stand:

Ein russisches Gericht hat ein Strafverfahren gegen den Düsseldorfer Künstler Tilly eingeleitet. Dieser kündigt eine Reaktion an.

Jacques Tilly nimmt seit Jahren Russlands Präsidenten Wladimir Putin mit Mottowagen im Karneval aufs Korn. Dagegen geht Russland jetzt vor. Vor einem Moskauer Gericht beginnt in Kürze ein Strafverfahren gegen Tilly. Auch die "Rheinische Post" hatte darüber berichtet.

Gericht: "Verunglimpfung der russischen Armee"

Laut der Website des Moskauer Gerichts muss sich Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Armee verantworten. Tilly wird demnach vorgeworfen, Fakes über die russische Armee verbreitet zu haben, weil seine Werke eine Beleidigung für Putin als Oberbefehlshaber in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine seien, berichtete das Portal "Ostoroschno Nowosti". Tilly werde beschuldigt, aus eigennützigen Motiven und aus politischem Hass Falschdarstellungen über die Armee verbreitet zu haben.

Ein weiterer Mottowagen von Jaques Tilly | Bildquelle: mauritius images / Vibrant Pictures / Alamy / Alamy Stock Photos

Der Künstler Jacques Tilly ist bekannt für seine Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug. Jahr für Jahr greift er politische Ereignisse auf und macht auch vor den Mächtigen der Welt nicht Halt.

Tilly kündigt Reaktion beim Rosenmontagszug 2026 an

Einschüchtern lässt sich Jacques Tilly allerdings nicht. "Wir wissen schon lange, dass Russland kein Rechtsstaat ist und dass das Verfahren eine Farce sein wird", sagte er dem WDR am Donnerstag in Düsseldorf. Er werde das Ganze satirisch bei einem der Düsseldorfer Mottowagen für den Rosenmontagszug 2026 umsetzen, kündigte er an.

Jacques Tilly im Interview mit dem WDR | Bildquelle: WDR

Satirische Kunst sollte nicht vor Gericht landen, so Tilly. "Sie sollte auf der Straße wirken, die Leute wütend machen, zum Lachen bringen, sie soll Teil der Streitkultur sein – aber hier mit juristischen Mitteln zuzuschlagen, halte ich für völlig unangemessen", sagte der Künstler. Was er von dem Verfahren erwartet? "Die Sache kann sich noch entwickeln, sie kann sich auch in Luft auflösen, vielleicht werde ich sogar freigesprochen – und das wars dann", sagt Tilly und lacht. Aber es könne sich auch so entwickeln, dass man es ernst nehmen muss und dann müsse man weitersehen. Er wisse nicht, was die Zukunft bringt. "Im Moment bin ich geschützt in Deutschland durch das Grundgesetz, künstlerische Freiheit wird hier sehr hochgehalten", so Tilly. Ob das so bleibt, müsse man abwarten.

Eingereicht wurde der Fall laut dem Moskauer Gericht am 15. Dezember, die erste Anhörung ist am 24. Dezember, 10.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MEZ), angesetzt. Nach solchen Anschuldigungen sind in Russland schon viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine verurteilt worden. Die Entscheidungen stehen international als Unrechtsurteil der russischen Willkürjustiz in der Kritik. 

Vize-Ministerpräsidentin Neubaur: "Satire & Kunst sind keine Verbrechen"

Zu dem Strafverfahren gegen Tilly äußerte sich die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)am Donnerstagabend. Sie schreibt: "Satire & Kunst sind keine Verbrechen, sondern Ausdruck von Meinungsfreiheit & demokratischer Kultur." Wer ernsthaft Karnevalswagen kriminalisiert, offenbare vor allem eines: Angst. "In freien Gesellschaften wird Widerspruch ausgehalten – autoritäre Systeme bekämpfen ihn", so Neubaur.

Karnevalist Tilly in Moskau angeklagt

WDR Studios NRW 18.12.2025 01:02 Min. Verfügbar bis 18.12.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Russisches Nachrichtenportal Ostorozhno Novosti
  • Jacques Tilly gegenüber dem WDR
  • Nachrichtenagentur dpa
  • stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur auf der Plattform X

Sendung: WDR 2, Nachrichten, 19:00 Uhr.