Vogelpespektive der leeren Fläche

Blick auf die Fläche von oben mit Stummhafen (Datteln-Hamm-Kanal)

Batteriespeicher Waltrop am seidenen Faden

Stand:

Für fast 500 Mio. Euro soll in Waltrop einer der größten Batteriespeicher Deutschlands entstehen - und viel Gewerbesteuer bringen.

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Ein scharfer Wind pfeift über die Brachfläche neben dem Kanalhafen in Waltrop. Doch der kann die Laune von Bürgermeister Marcel Mittelbach (SPD) nicht trüben. "Das wird hier ein großer Stern für Waltrop", ist der Politiker überzeugt. Der Batteriepark aus 400 Groß-Akkus, der hier in zwei Jahren in Betrieb gehen soll, bringt zwar nur wenige neue Arbeitsplätze, aber er verspricht zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen im siebenstelligen Bereich – wenn alles glatt geht.

Unsicherheitsfaktor: Bundesnetzagentur

Drei Männer in gelben Warnwesten

Bauplatzbesichtigung mit Projektleiter Klaus Horstick, Bürgermeister Marcel Mittelbach, Trianel-Chef Sven

Doch das ist keineswegs sicher. Zum Spielverderber könnte die Bundesnetzagentur in Bonn werden. Das ist eine unabhängige Bundesbehörde, die auf faire Bedingungen im Wettbewerb und das Wohl der Verbraucher achten soll. Und die hat kürzlich Bedenken geäußert. "Das sorgt bei den Investoren der Speicher für große Unsicherheit", sagt Klaus Horstick, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Trianel.

Ungerechtfertigte Privilegien?

Zum Hintergrund: Batteriespeicher wie der in Waltrop sind per Bundesgesetz von den sogenannten Netzentgelten befreit. Und das, obwohl sie das Stromnetz intensiv nutzen. Zunächst nehmen die in See-Container verbauten Akkus als Zwischenspeicher überschüssigen Wind- und Solarstrom auf, wenn der nicht gebraucht wird. Und sie speisen ihn wieder zurück ins Netz, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Solche Zwischenspeicher gelten als unverzichtbar für das Gelingen der Energiewende.

Mit Millionen in Vorleistung gegangen

Der Wegfall der Netzgebühren macht die Speicher zu einem lukrativen Geschäftsmodell. Deshalb stürzten sich zahlreiche Investoren auf solche Projekte. Mit 900 Megawatt installierter Leistung wäre die Anlage in Waltrop eine der größten Deutschlands. Hier sind die Bedingungen ideal, schwärmt Klaus Horstick. "Wir haben eine freie Fläche, einen Kanalanschluss für die Anlieferung und ein Umspannwerk in der Nähe." Um auf ‚Nummer sicher‘ zu gehen, hat er schon mal drei Transformatoren gekauft. Kostenpunkt: 23 Millionen Euro. Baustart soll noch in diesem Sommer sein.

Platzt der Traum vom "großen Stern"?

Und wenn die Bundesnetzagentur dazwischengrätscht und die Netzgeld-Freistellung kippt? Horstick und Bürgermeister Mittelbach zucken mit den Schultern. Dann hätten Trianel und seine Co-Investoren viel Geld versenkt. Und der "große Stern" der Gewerbesteuer-Millionen für Waltrop bliebe ein schöner Traum.

Batteriespeicher Waltrop am seidenen Faden

WDR 26.03.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 25.03.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Pressegespräch Trianel/Stadt Waltrop
  • WDR-Reporter vor Ort
  • Pressemitteilung BKW und Trianel GmbH

Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 26.03.2026, 06:31 Uhr

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Andre Schäfer 26.03.2026, 16:36 Uhr

    Tja, mit den fetten Euro-Zeichen in den Augen haben hier ein Bürgermeister und ein Invenstor offenbar nicht mehr genug Sehfeld gehabt, um umsichtig zu planen. Und dann passiert es eben, dass jemand auswärtiges, der nicht sich nicht von Euros geblendet richtig darauf forkusiert, dem Ganzen einen Dämpfer verpasst. Ich will doch mal schwer, dass die Bundesnetzagentur diesem ganzen Treiben mal einen generellen Dämpfer verpasst. Wer mit seinen Batterien billig Strom aus dem Netz zieht, wenn zu viel da ist und teuer ans Netz zurückliefert, wenn den Netz gerade mal was fehlt, der soll auch bitte für die Netznutzung bezahlen. BTW: 900 Megawatt ist nen netter Leistungswert. Aber wie viel Arbeit soll die Anlage denn verrichten können? @WDR es gibt bei solchen Anlagen einen gravierenden Unterschied zwischen "MW" und "MWh" - nur zu letzterem schreibt Ihr nichts ...

    Antworten (2)
    • Uwe Hetman 28.03.2026, 06:50 Uhr

      Es sind die Anlagen, die wir für das Gelingen der Energiewende benötigen. Die Bundesnetzagentur ist hier zu unflexibel und bremst den Fortschritt ein. In China ist die Struktur anders aufgebaut, so dass der Netzbetreiber auch die Akkus aufstellen kann. Deswegen ist Strom dort auch deutlich günstiger. Diese Speicher machen uns unabhängiger von Energielieferungen aus dem Ausland. Genau das was wir jetzt bräuchten. Wer ein E-Auto hat und mit Wärmepumpe heizt, den interessieren die fossilen Energiepreise gerade nicht wirklich.

    • witti 28.03.2026, 07:59 Uhr

      Das Stromnetz dient dazu den Strom vom Erzeuger zum Verbraucher zu übertragen. Die Finanzierung des Stromnetzes muss daher von den Verbrauchern erfolgen. Zwischenspeicher sind keine Verbraucher sondern Teil der Infrastruktur, insofern ist es völlig richtig, dass diese keine Netzgebühren zahlen. Einspeisende Kraftwerke zahlen übrigends ebenso keine Netzgebühren.

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