Chemieunternehmen Venator meldet Insolvenz an

Lokalzeit aus Duisburg 08.09.2025 02:33 Min. Verfügbar bis 08.09.2027 WDR Von Michael Jung

Nach Venator-Insolvenz: Betrieb im Chemieunternehmen soll weitergehen

Das insolvente Duisburger Chemiewerk soll zunächst weiter produzieren. Die knapp 350 Beschäftigten erfahren am Dienstag in einer Betriebsversammlung, wie es um ihr Unternehmen steht.

Von Michael Jung

Kurz vor der nicht-öffentlichen Versammlung auf dem Firmengelände hat sich die vorläufige Insolvenzverwalterin Sarah Wolf schriftlich zu Wort gemeldet. Sie wolle jetzt rasch mit Kunden, Lieferanten, Banken und dem Betriebsrat sprechen, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen: "Unser Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb in Duisburg zu stabilisieren und eine tragfähige Lösung für die Zukunft zu entwickeln."

Am 4. September hatte das Duisburger Werk beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Grund für die Zahlungsunfähigkeit sind offenbar wirtschaftliche Probleme bei der britischen Dachgesellschaft. "Durch die Insolvenz unserer Konzernmutter [Venator UK] verfügen wir nicht mehr über genügend liquide Mittel, um unseren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen", schreibt der Duisburger Venator-Geschäftsführer Francesco Pacini an die Belegschaft.

Das Krefelder Venator-Werk im Chemiepark Uerdingen hatte bereits eine Woche zuvor Insolvenz angemeldet. Auch dort hat das Amtsgericht einen Insolvenzverwalter eingesetzt.

"Unsicherheit ist groß."

Der Duisburger Venator-Betriebsratsvorsitzende Uwe Sova will den Beschäftigten in der Belegschaftsversammlung erste Fragen beantworten: Was ist mit Rechnungen, die dringend bezahlt werden müssen? Wie steht es um Weihnachts- und Urlaubsgeld? Wer beantragt das Insolvenzgeld für die Beschäftigten? "Die Unsicherheit ist groß", sagt Sova.

Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer sieht die Insolvenz nicht nur als Schlag für das Unternehmen, sondern auch für die Wirtschaft am Niederrhein. Die Gründe seien auch struktureller Art: "Zu hohe Energiekosten, zu viel Bürokratie und zu hohe Steuern. Das kriegt vor allem die Industrie im internationalen Wettbewerb zu spüren", so Geschäftsführer Stefan Dietzfelbinger. Insolvenzverwalterin Sarah Wolf bestätigt: Ursache der Krise seien vor allem die seit dem Ukraine-Krieg gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten.

Betriebsrat sieht noch Hoffnung

Betriebsrat Uwe Sova sieht "eine Chance, positiv aus dem Insolvenzverfahren herauszugehen." Denn mit der Insolvenz der britischen Konzernmutter habe das Duisburger Werk zwar "keinen Zugriff mehr auf den sogenannten ‚Cash Pool‘ für Verbindlichkeiten". Aber andererseits blieben auch die Einnahmen direkt am Standort. Insolvenzverwalterin Sarah Wolf ergänzt: "Wichtig ist es jetzt, das Vertrauen im Markt zu sichern sowie die Produktions- und Lieferfähigkeit des Unternehmens aufrechtzuerhalten."

Beide weisen darauf hin, dass die Gehälter für die nächsten drei Monate als Insolvenzausfallgeld durch die Bundesagentur für Arbeit abgesichert seien. Betriebsratschef Uwe Sova fordert die Beschäftigten auf, "sicher, motiviert und fokussiert" weiterzuarbeiten. So bleibe das Duisburger Chemiewerk attraktiv für mögliche Käufer: "Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, dann haben wir verloren." Immerhin sei das Duisburger Werk das einzige im Konzern, das schwarze Zahlen schreibe.

Teil des Werks 2024 geschlossen

Venator Duisburg hatte erst im vergangenen Jahr etwa 290 Stellen abgebaut und die Herstellung von Titandioxid beendet. Die Produktion sollte am Nachbarstandort in Krefeld-Uerdingen konzentriert werden. Etwa 35 Beschäftigte aus Duisburg wechselten damals nach Krefeld. Für viele andere war ein Sozialplan aufgestellt worden, der Abfindungen oder den Wechsel in eine Transfergesellschaft vorsah.

Chemieunternehmen Venator meldet Insolvenz an

WDR Studios NRW 08.09.2025 00:38 Min. Verfügbar bis 08.09.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Mitarbeiterinformationen der Venator-Geschäftsführung
  • Gespräch mit dem Betriebsrat
  • Niederrheinische IHK Duisburg
  • Informationen eines Venator-Unternehmenssprechers vom Juni 2024
  • Mitteilung der Insolvenzverwalterin Sarah Wolf

Weitere Beiträge aus dem Ruhrgebiet

1 / 2