Essen im Spiele-Fieber: "Die Messe hat uns groß gemacht"
Lokalzeit aus Duisburg . 23.10.2025. 03:18 Min.. Verfügbar bis 23.10.2027. WDR. Von Lara Schürmann.
Rajive Gupta zeigt zwei Messebesuchern, wie man einen Spielstein mit dem Finger so schnippt, dass er einen anderen Stein in ein Loch versenkt. Eine Art Finger-Billard also. In Indien heißt das Spiel Carrom und gilt als Volkssport.
Rajive Gupta hat es gerade in seinem eigenen Verlag als kleine Reise-Version auf den Markt gebracht. Ein Spiel, bei dem er nostalgisch wird. "Denn damit hat alles angefangen", erklärt der 68-Jährige.
Stand zehn Mal so groß wie zu Beginn
Rajive Gupta (l.) erklärt, wie das Spiel Carrom funktioniert.
Rajive Gupta ist Gründer und Chef des Troisdorfer Spieleverlags Queen Games. Als er seiner deutschen Frau in den 80er Jahren ins Rheinland folgte, hatte er die Idee, das 500 Jahre alte indische Spiel Carrom in Deutschland einzuführen und sich damit selbständig zu machen.
Ein großer Erfolg. Dank der Messe in Essen, die damals auch noch klein war. Aber: "Die Spiele-Messe hat uns groß gemacht", sagt er. In diesem Herbst ist er zum 39. Mal hier. "Am Anfang hatten wir noch eine Standgröße von 30 Quadratmetern, inzwischen sind es mehr als 350."
Mein Nachname Gupta heißt auf deutsch übersetzt "Kaufmann". Das ist also schon in unserem Blut. Rajive Gupta, Queen Games
Verlag bietet auch Kennerspiele an
Schon kurz nach dem Öffnen der Tore am ersten Messetag strömen die Spiele-Fans in die Hallen. Die Gänge sind zwar breit, aber trotzdem rappelvoll. Und trotzdem herrscht eine friedliche, entspannte, ja sogar fröhliche Atmosphäre. Der Troisdorfer Verlag präsentiert gleich sieben ganz neue Brett- und Kartenspiele. Manche sind für Familien gedacht, andere eher für Vielspieler, die es gern komplexer haben - sogenannte Kennerspiele.
An 42 Tischen können die neuen Spiele von den Besuchern getestet werden. Aber nur die ersten werden noch vom Chef persönlich betreut. Denn Rajive Gupta ist inzwischen in einem abgetrennten Raum verschwunden, verhandelt dort mit internationalen Vertriebspartnern.
"Das ist hier eine große Gemeinschaft"
Den Rest der Arbeit überlässt er inzwischen seinem Sohn Robin. "Natürlich bedeutet die Messe für mich viel Arbeit und Stress", erzählt der 27-jährige Junior-Chef, "aber es macht mir auch unheimlich Spaß, weil man jedes Jahr so viele verschiedene Leute trifft und wiedertrifft. Das ist hier eine große Gemeinschaft."
Robin Gupta hat schon als kleines Kind hinter dem Verkaufsstand gestanden.
Er selbst steht meist hinter dem Verkaufstresen. So wie schon als Sechsjähriger. "Damals konnte ich zwar noch nicht über die Theke rübergucken, habe es aber geliebt, mitzuhelfen, Spiele nachzulegen und zu kassieren."
Schon zweimal "Spiel des Jahres" gewonnen
Schon nach einer Stunde Messe sind fast alle Tische besetzt. Fast 30 Helfer und Spiele-Erklärer arbeiten an diesen vier Tagen für den Verlag. Auch sie sind seit Jahren dabei.
Zweimal hat der Verlag bereits den Preis "Spiel des Jahres" gewonnen: 2003 für Alhambra, 2012 für Kingdom Builder. Nicht zuletzt deshalb zählt das Unternehmen mittlerweile zu den Top 10 der Branche, hat seit der Gründung gut 300 verschiedene Gesellschaftsspiele auf den Markt gebracht.
"Natürlich ist unser Ziel, weiter zu expandieren", sagt Junior-Chef Robin, "aber es soll bei uns familiär bleiben." Die Guptas haben jedenfalls ihr Hobby zum Beruf gemacht. "Und nur so", glaubt Robin, "können auch gute Spiele entstehen."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Rajive und Robin Gupta
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Über das Thema berichtet die Lokalzeit Ruhr am 23.10.2025 auch im Radio auf WDR 2.