Am Mittwoch beginnt die Fußball-Europameisterschaft der Frauen (2. – 27.7.) in der Schweiz. Neben den Fußballerinnen stehen vor allem die Schiedsrichterinnen im Fokus. Die Bühnen werden für die Unparteiischen immer größer, allerdings sind die Karrieren oft begleitet von Schattenseiten wie sexistischen Anfeindungen.
Etwas, das auch Schiedsrichterin Annika Kost, 33 Jahre, aus Schwerte schon erleben musste. Ihr Aufstieg zuletzt war rasant, aber einhergehend mit sexistischen Sprüchen.
Anfeindungen sind für Schiedsrichterinnen oft Alltag
Rückblick. 28. März 2025. 30. Spieltag in der 3. Liga. SC Verl gegen Rot-Weiss Essen. Schiedsrichterin Fabienne Michel wird von den RWE-Fans sexistisch beleidigt. Es gibt einzelne sexistische Rufe und sogar einen Fangesang aus dem Block. Ein Gesang, der die rote Linie meilenweit übertritt.
Auch Schiedsrichterin Annika Kost wurde schon Opfer von frauenfeindlichen Sprüchen: "Ich habe auf jeden Fall schon mal Äußerungen bekommen, oh eine Frau, sexy, sie gehört an den Herd. Oder, dass mir hinterher gepfiffen wurde", sagt Annika Kost. Eigentlich dürfe sie über so Äußerungen nicht hinwegsehen, aber sie kenne es nicht anders.
Die Erfüllung eines Lebenstraums
Aufhalten von solchen Erfahrungen lässt sich Annika Kost nicht. Die 33-Jährige hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Seit 2007 steht sie als Schiedsrichterin auf dem Platz. Seit der Saison 2021/2022 pfeift sie in der Frauen-Bundesliga. Im Herrenbereich ist Kost in der Regionalliga West und der Oberliga als Schiedsrichterin tätig.
Annika Kost beim DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Werder Bremen
Den vorläufigen Karrierehöhepunkt erreichte sie Anfang Mai. Zum ersten Mal in ihrer Karriere durfte sie das Endspiel im DFB-Pokal der Frauen leiten. Am 1. Mai in Köln vor über 45.000 Fans.
"Als wir im Spielertunnel standen und ich wusste, dass es gleich losgeht, habe ich nochmal zu meinen Assistentinnen gesagt, dass wir tief durchatmen sollen und bis zum Anpfiff einfach alles genießen sollten." Nie zuvor haben Annika Kost und ihre Assistentinnen vor solch einer Kulisse gepfiffen.
Als wir rausgegangen sind und diese Atmosphäre erlebt haben, hatten wir absolute Gänsehaut. Annika Kost, Schiedrichterin aus Schwerte
Als Belohnung für ihren bisherigen Karrierehöhepunkt, durfte sich die 33-Jährige Ende Mai ins Goldene Buch der Stadt Schwerte eintragen. "Ich bin in Schwerte geboren, bin hier aufgewachsen und pfeife für den Verein Holzpfosten Schwerte, deshalb bleibt der Tag des Eintrags für mich etwas ganz Besonderes."
Keine Angst, aber Respekt vor sexistischen Anfeindungen
Dass Annika Kost irgendwann mal zu Deutschlands besten Schiedsrichterinnen gehören wird, war ursprünglich nicht abzusehen. Denn eigentlich strebte sie eine Karriere als Spielerin an. Immer wieder wurde sie von Verletzungen zurückgeworfen. "Als Spielerin habe ich mich sehr oft über Schiedsrichter aufgeregt", sagt Annika Kost, "deshalb wurde mir gesagt, probiere es doch mal aus, vielleicht sind ja gar nicht immer die Schiedsrichter Schuld."
Bei der jetzt startenden EM in der Schweiz wird Annika Kost fehlen. Die 33-Jährige möchte trotzdem auch in Zukunft auf den großen Bühnen pfeifen. Angst, dass sie in Zukunft sexistische Anfeindungen wie ihre Kollegin Fabienne Michel erfahren könnte, hat sie nicht. Aber: "Es ist eher Respekt, weil ich damit jederzeit rechnen muss. Gerade, wenn man in den Stadien ist, wo viele Zuschauer sind und wo Männerfußball gespielt wird, ist mehr von den Zuschauern zu erwarten", sagt Annika Kost.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Schiedsrichterin Annika Kost
- Sportzeitschrift Kicker
- Sportschau-Recherche
Über dieses Thema berichtet der WDR 9. Juli 2025 auch im Fernsehen: Lokalzeit aus Dortmund, 19.30 Uhr.