Thyssenkrupp einigt sich mit Gewerkschaft auf Sanierungstarifvertrag

Lokalzeit aus Duisburg 14.07.2025 02:39 Min. Verfügbar bis 14.07.2027 WDR Von Carmen Krafft-Dahlhoff

Thyssenkrupp einigt sich mit Gewerkschaft auf Sanierungstarifvertrag

Stand:

Beim Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europe haben sich die IG Metall und das Management auf einen harten Sparkurs verständigt.

Von Andrea Groß und Carmen Krafft

Drei Tage haben das Management von Thyssenkrupp Steel Europe und die IG-Metall verhandelt. Um sechs Uhr am Samstagmorgen wurden dann die Unterschriften gesetzt unter einen Sanierungstarifvertrag, der bis September 2030 gelten soll.

Er sieht vor, dass das Urlaubsgeld für die 27.000 Beschäftigten gestrichen und das Weihnachtsgeld reduziert wird. Die wöchentliche Arbeitszeit - aktuell bis zu 34 Stunden - wird reduziert. Für die Beschäftigten bedeutet das im Durchschnitt um die acht Prozent weniger Lohn.

Wir sind an die Schmerzgrenze gegangen und haben Eingeständnisse nur dort gemacht, wo es wirklich nötig war, um Arbeitsplätze und Standorte zu sichern. Wir haben jetzt die Voraussetzungen geschaffen, dass das Unternehmen aus eigener Kraft aus der schwierigen Situation herauskommt. Tekin Nasikkol, Vorsitzender Gesamtbetriebsrat Thyssenkrupp Steel Europe

Deutschlands größter Stahlhersteller ist wegen Konjunkturschwäche, hoher Energiepreise und billiger Importe aus Asien wirtschaftlich in die Schieflage geraten und will deshalb Kapazitäten abbauen.

Harte Einschnitte: Thyssenkrupp einigt sich mit Gewerkschaft

Aktuelle Stunde 12.07.2025 38:09 Min. UT Verfügbar bis 12.07.2027 WDR Von Sascha Schwarz

Abbau von 11.000 Stellen

Schon Ende vergangenen Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, 11.000 Stellen abbauen zu wollen. An den beiden Standorten in Bochum sollen in den nächsten Jahren insgesamt über 1.000 Stellen wegfallen - ohne betriebsbedingte Kündigungen über einen Sozialplan. Konkret soll an der Essener Straße die Anlage für Brammen mit 520 Mitarbeitern Anfang 2026 schließen. Außerdem zwei weitere Anlagen bis Anfang 2027.

Der Standort Castroper Straße - spezialisiert auf hochwertigen Stahl, zum Beispiel für Elektro-Antriebe - wird mit 550 Mitarbeitern zwar schließen. Allerdings laut neusten Verhandlungen erst im September 2028. Und damit Betriebsrat immerhin rund eineinhalb Jahre später als zuletzt angekündigt.

Die Schließung eines weiteren Werks in Kreuztal-Eichen ist vorerst vom Tisch.

Uns ist ganz bewusst, dass das harte Einschnitte sind, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Marie Jaroni, Vorständin Thyssenkrupp Steel Europe

Die IG Metall jubelt, dass jetzt bis 2030 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. In der Mitteilung von Thyssenkrupp ist man weniger euphorisch: Erklärtes Ziel beider Parteien sei und bleibe es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

Minister Laumann: Aushandlungsprozesse keine Schönwetterveranstaltungen

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zeigte sich zufrieden. Die Einigung zwischen Thyssenkrupp Steel und der IG Metall auf einen Sanierungstarifvertrag sei ein Beweis dafür, dass die Sozialpartnerschaft nicht "von gestern" ist, meinte Laumann.

Natürlich sind die Aushandlungsprozesse zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite selten Schönwetter-Veranstaltungen und das ganz sicher nicht, wenn es, wie hier, um die Zukunft der Beschäftigten und ihrer Familien geht. Karl-Josef Laumann
NRW-Arbeitsminister

Minister Laumann betonte, dass es ohne Sozialpartnerschaft nicht gehe. "Dass Unternehmen die Mitbestimmung achten, ist und bleibt Voraussetzung dafür, dass es für sie auch in schwierigsten Lagen einen Weg in die Zukunft gibt – und zwar gemeinsam mit ihren Beschäftigten", erklärte der Minister am Samstag.

Thyssenkrupp einigt sich mit Gewerkschaft auf Sanierungstarifvertrag

WDR Studios NRW 12.07.2025 00:55 Min. Verfügbar bis 12.07.2027 WDR Online

 Unsere Quellen:

  • Thyssenkrupp Steel Europe
  • IG Metall
  • Nachrichtenagentur dpa
  • NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

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