Junge Rechtsextreme vernetzen sich: Wird Kray das neue Dorstfeld?

Lokalzeit Ruhr 23.06.2025 03:16 Min. Verfügbar bis 23.06.2027 WDR

Junge Rechtsextreme vernetzen sich: Wird Kray das neue Dorstfeld?

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Mehrfach haben sich Rechtsextreme in Essen getroffen und Demos abgehalten. Besonders auffällig ist, wie jung sie sind.

"Hier marschiert die Deutsche Jugend." Das schreien junge Männer und Frauen an einem Freitagabend Mitte Juni 2025, als sie durch die Marienstraße in Essen-Kray gehen. Manche tragen T-Shirts mit vermutlich verfassungsfeindlichen Logos. Einer ruft: "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!" – eine aus Gründen verbotene Parole. Die Teilnehmenden sind jung, viele nicht volljährig.

Jung und gewaltbereit

Bei Gesängen wird es nicht bleiben, sagt Professor Dierk Borstel. Er forscht seit Jahrzehnten zum Thema Rechtsextremismus an der FH Dortmund.

„Gerade junge Leute sind meist etwas radikaler als Erwachsene und verstehen sich dann als Revolutionäre. Die wollen auf der Straße kämpfen." Dierk Borstel, Politikwissenschaftler

In der Marienstraße hinter einem braunen Garagentor befindet sich die Landesgeschäftsstelle der Partei "Die Heimat" - die frühere NPD. Die Jugendorganisation der Partei "Junge Nationalisten" (JN) lädt seit diesem Jahr regelmäßig zu offenen Abenden ein. Sie wollen vor allem Gruppen über Social Media erreichen.

Niklas Busch vor dem Eingang der Landesgeschäftsstelle mit zwei Türstehern

JN-Funktionär Niklas Busch vor dem Eingang der Geschäftsstelle in Kray

Viele, die deshalb jetzt nach Kray kommen, teilen in Instagram-Storys ein rechtsextremes Weltbild. Manche zeigen Hitlergrüße, andere schießen mit Waffen.

Junge Rechtsextreme vernetzen sich: Wird Kray das neue Dorstfeld

WDR Studios NRW 24.06.2025 00:39 Min. Verfügbar bis 24.06.2027 WDR Online

Nazi-Szene in Dorstfeld ist weniger aktiv

Solche Treffen kennt man auch aus Dortmund-Dorstfeld. "Wesentliche Organisatoren der Dorstfelder Szene haben Dortmund verlassen oder sitzen im Gefängnis", weiß Politikwissenschaftler Borstel. Die Personen, die jetzt dort sind, seien keine erfahrenen Organisatoren. "Deswegen hat die Szene in Dorstfeld gewaltig abgenommen."

Wie der WDR erfuhr, soll der Besitzer eines Gebäudekomplexes in Dortmund, in dem viele Nazis leben, gestorben sein. Die Rechtsextremen suchen nun nach Alternativen.

Kray ist "nationales Zentrum"

Claus Cremer ist NRW-Vorsitzender der Partei "Die Heimat". Bei einer Demo im März sagte er: "Ein Standpunkt dieser Organisation und dieser Strukturierung ist halt in Essen-Kray, unser nationales Zentrum." Am Samstag haben die Rechtsextremen Briefe in der Marienstraße verteilt. Sie schreiben, dass sie auf eine gute Nachbarschaft hoffen.

Die Vernetzung zwischen rechtsextremen Parteien und Gruppen aus dem Internet ist in vollem Gange. Die Treffen in Kray könnten ein wichtiger Baustein dafür sein.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Social Media-Recherche
  • Interview Jürgen Kayser, Leiter Verfasuungsschutz NRW
  • Interview Prof. Dierk Borstel, FH Dortmund
  • Polizei Essen

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