Neue Idee für Stadtfinanzen in Mülheim: Kommt eine Pferdesteuer?

WDR 02:39 Min. Verfügbar bis 04.05.2028

Pferdesteuer in Mülheim gegen Haushaltsloch Steuer wäre einmalig in NRW

Stand:

Die Stadt Mülheim braucht dringend Geld und prüft deshalb eine Pferdesteuer als neue Einnahmequelle. Private Halter sind entsetzt.

Von Rainer Kuka

Wer hier Pferd ist, dem ist ein nahezu unbeschwertes Leben vergönnt. Zum Beispiel die Zuchtstuten, die unter der Mintarder Brücke stehen: ab und an ein Fohlen, ansonsten viel Weide mit saftig grünem Gras. Und auf dem Rücken dieser Pferde soll nun das Glück der Mülheimer Politiker liegen? Denn die Lösung könnte eine Pferdesteuer sein - die es deutschlandweit bisher nur in einer Gemeinde in Hessen gibt.

Mehrere grasende Pferde auf einer grünen Wiese in Mülheim

Ob sie in Zukunft die leere Stadtkasse füllen?

Mülheim beklagt ein hohes Haushaltsloch

Die Stadt hat kein Geld. Der Haushalt wird auf ein Minus zwischen 70 und 80 Millionen Euro beziffert. Die zuständige Finanzaufsicht der Bezirksregierung Düsseldorf steht - gesattelt und gespornt - bereit, um die Kommune an die Longierleine zu legen. Das will die Politik - in Mülheim arbeiten CDU und SPD im Rat zusammen - verhindern. "Wir müssen", so erklärt Christina Küsters (CDU) "sparen, aber auch neue Einnahmen finden." Und das könnte unter anderem eben eine Pferdesteuer sein.

Unterschied zwischen Großpferden und Ponys

Am Anfang stehen viele Fragen, die der Reitstallbesitzer Volker Neuhaus aufwirft, dem auch die Zuchtstuten auf der Weide gehören: "Was ist ein Pferd? Ein Pony mit einem Stockmaß von 1,48 Meter? Oder ein Großpferd? Eines das gedeckt wird oder schon das Gnadenbrot frisst? Und was ist mit den Schulpferden in der Reitschule?" Einmal in Fahrt macht der 72-Jährige weiter: "Wie wollen die das berechnen, in Kilo?"

Volker Neuhaus steht neben einem braunen Pferd, er hat einen Arm um dessen Kopf gelegt

Reitstallbesitzer Volker Neuhaus hat viele Fragen zur möglichen Pferdesteuer

Auch aus der Opposition ist keine Zustimmung zu hören. Björn Maue, Ratsherr der Grünen, sagt kurz und knapp: "Die Pferdesteuer ist Käse. Der Verwaltungsaufwand wäre gemessen am Ertrag zu hoch. Irgendjemand muss die Tiere ja zählen."

Pferdesteuer würde vor allem junge Reiterinnen und Reiter treffen

Längst haben sich die Gegner einer Pferdesteuer in Mülheim organisiert. Jürgen Schütz ist der Chef des Kreisverbands der Reitsportvereine in Oberhausen/Mülheim. Er rechnet vor: "Rund die Hälfte der Reiterinnen und Reiter sind unter 21 Jahre alt. Kommt jetzt eine Steuer dazu, dürften die Preise für Reitstunden steigen und werden schwer zu bezahlen sein."

Zur Unterstützung legt er eine Studie der Reiterlichen Vereinigung vor, nach der Reiten den Charakter formt. Wer regelmäßig hoch zu Pferd unterwegs ist und ein solches Tier pflegt, der übernimmt Verantwortung und lernt Disziplin. So die Untersuchung.

Neuhaus pflichtet ihm bei. Es sei ein Märchen, dass nur betuchte Leute ein Pferd haben. "Viele sparen sich die hohen Kosten für ihr Tier vom Mund ab. In manchen Fällen ist das Pferd sogar fast zu einem Lebenspartner geworden."

Prüfauftrag für mögliche Pferdesteuer

Das Pferd als Lebenspartner. Mehr Emotion geht kaum noch. Die Reiter machen gerade in der Politik die Runde. Bei der SPD und der CDU waren sie schon. Dort hat zwar noch kein Umdenken eingesetzt, aber zumindest soll die Pferdesteuer vor einer möglichen Einführung genau geprüft werden. Das Verfahren läuft. Unklar ist, wie viel Einnahmen sie verspricht und was aufgewendet werden muss, um diese Einnahmen zu erzielen.

Insgesamt wirkt der Plan noch unausgegoren. Entstanden aus der Furcht, die Kontrolle über die städtischen Finanzen zu verlieren. Fast so, als hätte die Idee der Esel im Galopp verloren.

Reiter müssen Reitplaketten kaufen

Reiterinnen und Reiter in NRW müssen auch schon jetzt zahlen, wenn sie mit ihren Pferden Reitwege nutzen möchten. Laut Landesnaturschutzgesetz NRW muss an den Pferden ein gut sichtbares "gültiges Kennzeichen" mitgeführt werden.

Die Stadt Mülheim schreibt auf ihrer Homepage, dass diese Plaketten Aufkleber, ähnlich TÜV-Plaketten, sind. Pro Jahr müssen Reiter 38,40 Euro (bei Erstausstellung) beziehungsweise 30,40 Euro (für jedes weitere Jahr) zahlen. Die Reitabgabe ist demnach zweckgebunden für den Erhalt und die Anlegung von Reiterwegen vorgesehen.

Unsere Quellen:

  • Gespräche des WDR-Reporters vor Ort in Mülheim
  • Ratsfraktion der CDU in Mülheim
  • Ratsfraktion der Grünen in Mülheim
  • Homepage der Stadt Mülheim

Sendung: WDR.de, Neue Idee für Stadtfinanzen in Mülheim: Kommt eine Pferdesteuer?, 04.05.2026, 5:58 Uhr
Erstveröffentlichung am 04.05.2026.

Weitere Beiträge aus Mülheim an der Ruhr

1 / 2