Nach tödlichen Badeunfällen: Westfalenbad setzt KI ein

01:55 Min. Verfügbar bis 10.12.2027

Nach tödlichen Badeunfällen: Westfalenbad in Hagen setzt KI ein

Stand:

Im Westfalenbad in Hagen unterstützt künftig künstliche Intelligenz (KI) das Aufsichtspersonal und soll helfen Leben zu retten. Der Einsatz der Technik kommt nach zwei tragischen Vorfällen: Im Oktober ertrank ein siebenjähriger Junge, 2024 ein fünfjähriges Mädchen.

Ein Becken in einem Schwimmbad. Eine Rutsche führt in dieses hinein

Im Westfalenbad kam es zu zwei tödlichen Badeunfällen

Im Schwimmbad ist permanente Aufmerksamkeit gefragt. Selbst erfahrene Rettungsschwimmer stoßen dabei an ihre Grenzen. Wird eine Person im Wasser bewusstlos, zählt jede Sekunde. Ein KI-System soll die Aufsichtskräfte im Hagener Westfalenbad frühzeitig warnen.

Alarm per Smartwatch

Eine Smartwatch

29 Kameras an der Hallendecke überwachen die Schwimmbecken. Registriert das System ein ungewöhnliches Bewegungsmuster im Wasser, schlägt es Alarm. Die Warnung erscheint in Echtzeit auf den Smartwatches der Aufsichtskräfte – inklusive der genauen Position der betroffenen Person. So können Rettungsmaßnahmen sofort eingeleitet werden.

Bäderleiter Volker Külpmann ist froh, dass die neue Technik jetzt da ist. "Jeder Mitarbeitende trägt künftig eine Uhr, die im Ernstfall alarmiert. So gewinnen wir im Notfall entscheidende Sekunden."

Damit die Technik zuverlässig funktioniert, wird derzeit kalibriert. Dafür sind Fachleute der israelischen Firma Lynxight im Westfalenbad. Ein Taucher simuliert in jedem Becken mehr als 200 Notfälle. Mit jedem Tauchgang wird die KI klüger.

Hohe Sicherheit beim Datenschutz

Personenbezogene Daten werden nicht gespeichert. Videoaufzeichnungen löscht das System automatisch, außer im Ernstfall. Die Installation dauerte drei Monate. Rund 150.000 Euro kostet das System. Erfasst werden alle Becken ab 40 Zentimeter Tiefe – der Kleinkindbereich bleibt wegen der geringen Tiefe ausgenommen. Eltern sollten hier ohnehin ständig anwesend sein.

Eine Person in Taucherkleidung steigt in ein Becken, in einem Schwimmbad

Die KI im Schwimmbad wird getestet

Die Technologie soll Leben retten. Erst im Oktober ist ein siebenjähriger Junge im Westfalenbad ertrunken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin wegen fahrlässiger Tötung. 2024 ertrank ein fünfjähriges Mädchen. Solche Fälle soll die KI in Zukunft verhindern.

In einigen Schwimmbädern im Ruhrgebiet ist die Technik bereits im Einsatz, etwa im Bochumer Unibad. Das Personal berichtet von positiven Erfahrungen und einem zusätzlichen Sicherheitsgefühl. Einen richtigen Rettungseinsatz, bei dem die KI entscheidend war, gab es bisher aber noch nicht, berichtet Christian Krause von den Wasserwelten Bochum: "Weil die Mitarbeiter einfach schneller im Wasser sind, als die Anlage reagieren kann." Die KI informiert im Notfall aber Kollegen, sodass diese bei der Rettung helfen können.

Fachpersonal bleibt unverzichtbar

Aufsichtskräfte ersetzen wird das KI-System nicht, betont Volker Külpmann vom Westfalenbad in Hagen: "Die KI unterstützt die Aufsichtskräfte, sie alarmiert, aber sie rettet keine Menschen." In den nächsten Wochen wird das Team vom Westfalenbad Hagen die KI weiter testen. Ab Januar soll das System dann regulär eingesetzt werden.

Unsere Quellen:

  • Westfalenbad Hagen
  • Wasserwelten Bochum
  • Lynxight-Ingenieure
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 10.12.2025, 12.45 Uhr

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