Hilfe für suchterkrankte Obdachlose - Essener Projekt zieht Bilanz

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Seit über einem Jahr hilft das Team suchterkrankten Obdachlosen direkt auf der Straße. Jetzt zieht das Pilotprojekt "Eins und Eins macht Drei" Bilanz.

Von Ann-Kristin Pott

Sozialarbeiter Caspar Stolz und der Psychiatrie-Krankenpfleger Volker Rust gehen dreimal die Woche durch die Essener Innenstadt und sprechen gezielt psychisch erkrankte Obdachlose mit Suchterkrankung an. Es geht um Menschen, die seit Jahren durch das Hilfesystem gefallen und nirgends gemeldet sind.

Ihnen soll mit dem "Eins und Eins macht Drei" geholfen werden. So heißt das Projekt der Suchthilfe direkt Essen gGmbH, in Kooperation mit der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am LVR-Universitätsklinikum in Essen. Das Neue an dem Projekt ist, dass Sozialarbeit und die suchtmedizinische, psychiatrische Perspektive zusammenkommen.

Regelmäßiger Kontakt wichtig

Caspar Stolz und Volker Rust stehen mit 18 Betroffenen im engen Kontakt. "Wir bauen eine Beziehung auf, wo andere längst aufgegeben haben", sagen die beiden. Die Einsätze des Teams sind oft sehr zeitintensiv, weil erst einmal Vertrauen aufgebaut werden muss. Oft seien die angesprochenen Personen nur schwer erreichbar.

Ganz wichtig ist, dass man respektvoll ist, dass man wirklich auf Augenhöhe kommuniziert und respektiert, wenn sie gerade nicht mit mir reden wollen. Das muss ich akzeptieren. Auch, wenn ich von einem Betroffenen erst nach sieben Monaten ein erstes Hallo bekomme. Caspar Stolz, Sozialarbeiter Suchthilfe direkt Essen gGmbH
Sozialarbeiter Caspar Stolz | Bildquelle: WDR / Ann-Kristin Pott

Viele Betroffene müssen zum Teil über mehrere Monate begleitet werden. Das Team stimmt sich immer wieder mit Fachstellen ab. Das Ziel sei es, wieder Vertrauen in Hilfsangebote herzustellen. Denn viele seien traumatisiert und hätten in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, sagt Stolz.

Essener Projekt wird gut angenommen

Durch die Gespräche will das Team über Beratungsangebote und Behandlungen informieren und auch dazu motivieren, diese anzunehmen. Aber auch Papierkram gehört dazu und Behördengänge. Das Projekt läuft gut und spricht sich herum, sagt Caspar Stolz. Teilweise würde er auf der Tour durch die Stadt gezielt angesprochen.

Norbert Scherbaum ist Leiter der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie am LVR-Universitätsklinikum. Er sagt, es ist wichtig, dass sich die Betroffenen behandeln lassen wollen: "Das sind keine Patienten, die bei einer Klinik anrufen und sich auf eine Warteliste setzen lassen. Wenn die Motivation gegeben ist, muss die Aufnahme unmittelbar erfolgen".

Norbert Scherbaum, Leiter der Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie am LVR-Universitätsklinikum | Bildquelle: WDR / Ann-Kristin

Und dabei helfen Sozialarbeiter Caspar Stolz und Krankenpfleger Volker Rust. Das Team konnte schon mehreren Personen helfen und sie zu sozialen oder medizinischen Hilfen begleiten. Auch Entgiftungen wurden in Anspruch genommen. Einer Person konnte sogar eine Wohnung vermittelt werden. Das Projekt "Eins und Eins macht Drei" läuft noch bis 2026. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar.

Hilfe für suchterkrankte Obdachlose - Essener Projekt zieht Bila

WDR Studios NRW 02.07.2025 00:39 Min. Verfügbar bis 02.07.2027 WDR Online

Unsere Quellen:


  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Interviews mit dem Projekt-Team "Eins und Eins macht Drei"