Der Gasanschluss des Trianel-Kraftwerks in Hamm-Uentrop

Vorteil bei der Vergabe: der Gasanschluss des Trianel-Kraftwerks in Hamm-Uentrop.

Neues Erdgaskraftwerk in Bergkamen

Stand:

Die Planungen laufen seit 2022 - vorsorglich. Jetzt hat die EU-Kommission Subventionen zur Stromproduktion zugesichert.

Von Kay Bandermann

Dicke weiße Dampfschwaden steigen in den blauen Himmel über Bergkamen-Heil auf. Obwohl die Solarstromproduktion überall in Deutschland an diesem Vormittag gut läuft, muss das Kohlekraftwerk von Steag-Iqony am Datteln-Hamm-Kanal unter Volllast produzieren.

Und das, obwohl es nur ein "Reserve-Kraftwerk" ist, das Betreiber Steag längst stilllegen wollte.

Kraftwerksleiter Thorsten Koch zuckt mit den Schultern. "Die Erneuerbaren Energien reichen an solchen Wintertagen wie heute mit Minusgraden nicht aus, um uns mit Strom zu versorgen", sagt er. Dabei findet er persönlich die Energiewende und den Kohleausstieg richtig – auch, wenn es bedeutet, dass seine 45 Jahre alte Anlage eingemottet wird.

Erst fossiles Erdgas, später "grüner" Wasserstoff

Aber die Energiegeschichte in Bergkamen ist damit nicht beendet. Auf einem freien Gelände – direkt neben dem Kohlekraftwerk – soll ein modernes, flexibles Erdgaskraftwerk entstehen. "Es wird bereit sein für die spätere Umstellung von Erdgas auf "grünen" Wasserstoff", sagt Firmensprecher Henning Heinemann, "dann wäre die Stromproduktion wirklich 'klimaneutral'."

Freies Gelände mit viel Grün drum herum

Auf diesem freien Gelände soll 2031 das neue Erdgaskraftwerk stehen

Steag-Iqony hat schon viel getan: mit den Behörden in Stadt und Land wurden schon viele Details besprochen; die Umweltprüfungen laufen; die wichtigsten Komponenten wie Kessel und Turbine sind reserviert; und der (unterirdische) Verlauf der Gasleitung steht auch schon fest. "Jetzt warten wir auf die genauen Vergabekriterien, um an den Ausschreibungen des Bundes teilnehmen zu können", so Heinemann.

Warten auf Reiche: Wann kommen die Vergabekriterien?

So geht es nicht nur Steag-Iqony. Konkurrent RWE hat drei große Anlagen in der Planung; auch Uniper will bauen und die Stadtwerke-Gesellschaft Trianel. Allein zwischen Bergkamen und Hamm sind drei Anlagen im Gespräch. Und alle schauen nach Berlin, wo Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) die entsprechenden Richtlinien und Verordnungen formulieren muss. Wenn der Bundestag ihr Gesetz beschließt, können die Bewerbungen rausgeschickt werden.

Unklar ist, ob alle einen Zuschlag bekommen. Anders als in Bergkamen haben die Standorte in Werne und Hamm bereits einen Gasanschluss liegen. Das könnte ein Vorteil sein. Zudem soll die bezuschusste Kraftwerksleistung (insgesamt 12 Gigawatt) sinnvoll über Deutschland verteilt werden. NRW erhebt Anspruch auf fünf Gigawatt als Ersatz für die stillgelegten Kohlekraftwerke. Auf bestimmte Standorte will sich die Landesregierung auf Anfrage aber nicht festlegen. 

NRW profitiert vom "Süd-Bonus"

Bei der Vergabe der Standorte soll es einen sogenannten Süd-Bonus geben, erklärte Steag-Iqony-Sprecher Heinemann. Sprich: keine neuen Kraftwerke im Norden und Osten. Und was ist im Westen? Henning Heinemann schmunzelt. "NRW zählt zum 'netztechnischen Süden' und hat wegen des großen Energiebedarfs gute Chancen bei der Vergabe." Das gelte auch für Bergkamen, glaubt Heinemann. "Wir können Energie."

Neues Erdgaskraftwerk in Bergkamen

WDR Studios NRW 23.01.2026 00:32 Min. Verfügbar bis 23.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Steag-Iqony
  • Wirtschaftsministerium NRW
  • WDR-Reporter vor Ort

Sendung: WDR.de, Neues Erdgaskraftwerk in Bergkamen, 26.01.2026, 06:01 Uhr

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