Hauptversammlung bei Thyssenkrupp: Hunderte Stahlarbeiter protestieren
30.01.2026. 03:03 Min.. Verfügbar bis 30.01.2028.
Der Abbau von tausenden Stellen. Der Umbau des Konzerns. Übernahmepläne für die Stahlsparte. Bei Thyssenkrupp ist viel im Gange, in den nächsten Jahren wird sich der Konzern stark verändern. In diesen unruhigen Zeiten findet am Freitag in Bochum die Hauptversammlung statt. Erwartet wurden mehr als 1000 Aktionäre, gekommen sind rund 500. Viele Stühle in der Halle sind leer geblieben.
Voll war es dafür vor der Halle. Die Aktionäre mussten durch ein Spalier von einigen hundert Stahlarbeitern. Sie waren am Freitagmorgen vom Stahlwerk HKM in Duisburg nach Bochum gefahren. Mit Trillerpfeifen, Rasseln und Plakaten haben sie auf ihre unsichere Lage aufmerksam gemacht. Auf den Plakaten stand "Zukunft statt Kündigung" oder "So nicht, Herr López".
Keine Entscheidung bei Stahlsparten-Übernahme
Leere Stühle in Bochum: Hauptversammlung von Thyssenkrupp
Konzernchef Miguel López wird bei der Versammlung eine längere Rede halten. Ihr Inhalt ist schon bekannt. López spricht unter anderem über die mögliche Übernahme der Stahlsparte durch den indischen Stahlkonzern Jindal Steel. "Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch", sagt López. Er bittet um Verständnis, dass er zu den vertraulichen Verhandlungen aktuell nicht mehr sagen könne.
Bei der Bekanntgabe der Jahresbilanz im Dezember hatte López Jindal als "Stahl-Profi" bezeichnet. Damals lief schon die Prüfung der Unterlagen. Ein Zeitplan für eine mögliche Übernahme ist weiter ungewiss.
Lob und Kritik bei Hauptversammlung erwartet
Es dürfte bei der Versammlung in Bochum auch Lob von den Aktionären geben. Der Wert der Thyssenkrupp-Aktie hat sich zuletzt verdreifacht, nach jahrelanger Talfahrt. Außerdem werden insgesamt 93 Millionen Euro Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet.
Kritik kommt auch von Gewerkschaft und Betriebsräten. Das Geld hätte besser im Konzern investiert werden. Denn für das laufende Jahr rechnet Thyssenkrupp mit einem hohen Verlust. Das letzte Geschäftsjahr hatte die Firma mit einem Plus von 532 Millionen Euro abgeschlossen. Allerdings vor allem wegen einmaliger Effekte, wie dem Verkauf eines Spezialstahl-Herstellers in Indien.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Rede von Thyssenkrupp-Chef López
Sendung: WDR.de, Hauptversammlung von Thyssenkrupp: Stahlarbeiter-Protest, 30.01.2026, 10:36 Uhr