Polizeischuss auf Mädchen in Bochum: Anwalt kritisiert Behörden

Lokalzeit Ruhr 25.11.2025 03:19 Min. Verfügbar bis 25.11.2027 WDR Von Rainer Kuka

Polizeischuss auf Mädchen in Bochum: Anwalt kritisiert Behörden

Stand:

Nach dem Schuss auf eine Zwölfjährige hat sich ihr Anwalt zu Wort gemeldet. Er kritisiert die Darstellung der Ermittlungsbehörden.

Von Andrea Groß/ Rainer Kuka

Konkret sagt Rechtsanwalt Simon Barrera Gonzalez, dass der Gesundheitszustand des Mädchens keineswegs "kritisch, aber stabil" sei. Das war in Medien so gesagt worden, die sich dabei auf die Polizei beriefen. Korrekt sei vielmehr, dass die Zwölfjährige seit dem Bauchschuss durch einen Polizisten um ihr Leben kämpfe, auch wenn sie bereits zwei Mal operiert wurde.

Auch hinsichtlich des Verlaufs des Polizeieinsatzes gibt es Unstimmigkeiten. Barrera Gonzalez äußert erhebliche Zweifel an der Darstellung der Ermittlungsbehörden. Zum einen soll die Mutter selbst in der Wohngruppe angerufen haben, um sie darüber zu informieren, dass ihre Tochter bei ihr aufgetaucht war. Sie haben über einen Videoanruf mit den Mitarbeitenden in der Wohngruppe kommuniziert, so der Rechtsanwalt.

Polizisten sagen, sie wurden angegriffen

Die Polizei hatte berichtet, dass sie die Mutter fixieren mussten, weil sie den Weg zur Wohnung versperrt hätte. Als dann die Polizisten die Wohnung betraten, sei dann der Schuss gefallen, weil das Mädchen die Beamten mit zwei Messern angegriffen habe.

Rechtsanwalt Simon Barrera Gonzales

Rechtsanwalt Simon Barrera Gonzales

Nach den Vernehmungen der Zeugen aus der Familie stellt sich dem Rechtsanwalt der Sachverhalt anders dar: Eine Notwehr-Situation habe es demnach nicht gegeben. Auch die Art der Messer und die Haltung des Mädchen sollen nach Auskunft des Bruders nicht auf eine aggressive, eher auf eine panische Reaktion des Mädchens schließen. Vernehmungen durch die Ermittlungsbehörden seien bisher nicht erfolgt. Das habe ihm die Mordkommission Essen so am Freitag, den 21.11. mitgeteilt. Auch Staatsanwalt Jan Ullrich Finke gab diese Information am Montag an unseren Reporter weiter.

Polizei reagiert auf Kritik: Mutter als Zeugin befragt

Die Polizei gab am Mittwoch (26.11.) allerdings an, dass entsprechende Vernehmungen der Zeugen nach dem Vorfall stattgefunden hätten. Dabei sollen auch Gebärdendolmetscher vor Ort gewesen sein. "Wir haben versucht, möglichst objektiv anhand der Spurenlage und der Aussagen aller beteiligten Zeugen zu berichten, was in der Nacht passiert ist", sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse Agentur.

Ob der Vorfall jemals vollständig aufgeklärt werden kann, gilt als fraglich. Die Polizisten hatten bei dem betreffenden Einsatz ihre Bodycams ausgeschaltet gelassen, da sie von einem Routineeinsatz ausgegangen waren.

Die Polizei hatte den Vorfall wie folgt dargestellt: Sie hätten mitten in der Nacht nach dem gehörlosen Mädchen gesucht, das von einer Wohngruppe in Münster als vermisst gemeldet worden war. Es hätte lebenswichtige Medikamente nehmen müssen. In der Bochumer Wohnung der ebenfalls gehörlosen Mutter trafen sie auf die Zwölfjährige, die mit Küchenmessern auf sie losgegangen sei.

Polizeischuss auf Mädchen in Bochum: Anwalt kritisiert Behörden

WDR Studios NRW 25.11.2025 00:27 Min. Verfügbar bis 25.11.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Polizei Essen
  • Rechtsanwalt Simon Barrera Gonzalez
  • dpa

Sendung: WDR2, Lokalzeit Rhein/Ruhr, 25.11.2025, 16:31 Uhr

Weitere Beiträge aus Bochum

1 / 2