Die Sonne strahlt an diesem Freitag im November über dem Oberbilker Markt in Düsseldorf. Es ist Mittagszeit. Viele Menschen holen sich an den Essensbuden hier etwas zu essen, die meisten laufen aneinander vorbei. Ganz im "Pausentunnel". Nicht Yousra El Makrini. Die 31-Jährige bleibt stehen und beobachtet das Kamerateam des WDR, das hier gerade einen Film für die Lokalzeit Düsseldorf dreht.
Diese Zuhör-Bank steht am Oberbilker Markt in Düsseldorf. Es gibt 15 weitere allein in der Landeshauptstadt.
Es geht um die Initiative zuhören.draußen, die hier in Düsseldorf vor gut vier Jahren gegründet wurde und seitdem stetig wächst. Yousra kennt sie von Instagram. Das Prinzip gefällt ihr: Menschen sitzen auf einer Bank und unterhalten sich über alles, was sie bewegt. Die junge Düsseldorferin muss nicht lange überlegen. Sie setzt sich und beginnt mit der Bankpatin zu plaudern.
Das kennt man so gar nicht mehr. Sich einfach zu jemandem zu setzen ohne konkreten Gesprächsbedarf. Das ist schon cool. Yousra El Makrini ist 31 Jahre alt und lebt in Düsseldorf-Oberbilk
Die Gesellschaft wieder zusammenführen
Locker und ungezwungen unterhalten sich Yousra El Makrini und Christine Dünker - vorher sind sie sich nie begegnet.
Hier in Düsseldorf-Oberbilk ist das Christine Dünker. Die 72-Jährige war früher Apothekerin, seit anderthalb Jahren hört sie ehrenamtlich zu, so wie gut 100 weitere Menschen, allein in Düsseldorf. Sie ist jeden zweiten Freitag hier, für etwa 90 Minuten und spricht mit Menschen. In den Gesprächen gehe es, vor allem hier am Oberbilker Markt, um Probleme mit der Arbeit, dem Umfeld, Alkohol.
Sie müssen was loslassen die Leute. Und das ist das Wichtigste, das einer zuhört, einfach zuhört. Christine Dünker, Bankpatin in Düsseldorf-Oberbilk
Wie alle Ehrenamtlichen wurde Christine Dünker vor ihren Zuhör-Einsätzen geschult. Da sie keine Psychotherapeutin sei, könne sie natürlich keines dieser Probleme lösen. Sie bewerte die Menschen auch nicht. Ihr ist es wichtig, dem immer stärkeren Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzutreten, sagt Christine Dünker. Und das funktioniere mit diesem niederschwelligen Angebot sehr gut. Außerdem komme sie so regelmäßig aus ihrer Blase.
Großer Bedarf erfordert großes Denken
Gründerin Christine von Fragstein ist glücklich über die Entwicklung ihrer Initiative.
Christine von Fragstein ist auch zum Oberbilker Markt gekommen. Sie hatte zum Ende der Corona-Pandemie die Idee die Initiative zu gründen, vor allem gegen Einsamkeit. Seitdem wächst die Zuhör-Initiative stetig. Anfang 2024 gab es in Düsseldorf zwölf Zuhör-Bänke, im November 2025 sind es 16. Bis zu 2.000 Gespräche würden die Ehrenamtlichen im Jahr führen.
Wir erfahren eine riesige Dankbarkeit. Die Menschen gehen danach beschwingter und entlasteter zurück in ihren Alltag. Christine von Fragstein, Gründerin zuhören.draußen
Weil die Nachfrage nach diesen Bankgesprächen so groß ist, gibt es die Initiative inzwischen in elf Städten in NRW, darunter Münster oder Essen und Gladbeck im Ruhrgebiet. 300 Ehrenamtliche hören zu. Gefördert wird die Initiative von der Politik, dazu gehört auch Ministerpräsident Hendrik Wüst. Seit Freitag, dem 07. November ist die Initiative eine gemeinnützige GmbH. Ehrenamtliche würden dringend gesucht.
Digital verabreden, echte Menschen treffen
Um die Verabredungen an den Bänken zu erleichtern, gibt es zudem seit einigen Wochen eine App. Ohne Registrierung können jetzt Menschen mit Gesprächsbedarf Termine mit den Ehrenamtlichen vereinbaren. Yousra El Makrini findet das wichtig.
Denn dass Menschen sich in unserer Gesellschaft zunehmend einsam fühlen würden, zeigten diverse Studien. Inzwischen gebe es sogar Berichte über Menschen, die deshalb eine Art Freundschaft mit dem KI-Programm ChatGPT eingingen, um ihren Kummer und ihre Sorgen zu teilen. Yousra kann das nicht verstehen.
Das hier ist doch viel authentischer. Yousra El Makrini, zufällige Gesprächspartnerin
Bankpatin Andrea Kaul und Manni unterhalten sich über Gott und die Welt und haben dabei Spaß.
Sie will auf jeden Fall wieder zur Zuhör-Bank am Oberbilker Markt in Düsseldorf kommen. Und wahrscheinlich wird sie sich die App runterladen, auch wenn sie nach eigener Aussage kein bisschen einsam ist. Aber nette Gespräche machen ja auch einfach so Spaß.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Ehrenamtliche der Initiative zuhören.draußen
- Christine von Fragstein (Gründerin der Initiative zuhören.draußen)
- Zuhörende am Getrudisplatz und dem Oberbilker Markt in Düsseldorf
Über das Thema berichten wir am 10.11.25 auch im WDR-Fernsehen in der Lokalzeit Düsseldorf.
