Umstrittene Tarifreform von VRS und AVV im Rheinland
01:12 Min.. Verfügbar bis 03.09.2027.
Die Verkehrsverbünde Rhein-Sieg und Aachen wollen Mitte nächsten Jahres einen gemeinsamen Rheinland-Tarif einführen. Er soll nur noch drei Preisstufen haben: Stufe 1 gilt für eine Stadt oder Gemeinde, Stufe 2 gilt plus Nachbarstadt oder -gemeinde, die dritte Stufe umfasst das gesamte Rheinland. Die Kurzstrecke soll abgeschafft werden.
Gelegentliche Fahrten werden deutlich teurer
Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert, die Pläne der Verkehrsverbünde. Er sagt, die neuen Preisstufen würden zu großen Ungerechtigkeiten und explosionsartigen Preissteigerungen führen. Besonders benachteiligt seien Kunden, die mit Bus oder Bahn nur gelegentlich fahren. So soll eine Fahrt im Kölner Stadtgebiet sich in Zukunft von 2 Euro 70 auf 4 Euro verteuern. Fahrten in die Nachbarkommunen Bergisch Gladbach, Leverkusen, Troisdorf oder Brühl würden sich von 5 auf rund 10 Euro sogar verdoppeln.
Beliebte Angebote fallen weg
Außerdem sollen beliebte Angebote gestrichen werden. Im VRS die Kurzstrecken in Köln, Bonn oder Leverkusen, im AVV die City-Tarife in Aachen, Düren, Eschweiler, Stolberg oder Simmerath, sowie die Kreis Tickets in Heinsberg und Düren.
Eezy-Ticket keine Alternative
Auch der von den Verkehrsverbünden gepriesene eezy-Tarif sei für Gelegenheitskunden keine Alternative, so der Fahrgastverband. Bei diesem Tarif wird nach Luftlinie abgerechnet. Allerdings ist dafür ein Smartphone mit entsprechender App erforderlich. Das würde viele vor allem ältere Kunden ausschließen, auch unter 18jährige könnten das Ticket nicht nutzen.
Tarifreform betrifft nur kleinen Kundenkreis
Laut VRS sind aktuell nur noch 10 Prozent der Fahrgäste ohne Deutschlandticket oder eezy-App unterwegs. 90 Prozent der Kunden seien also von der Tarifreform nicht betroffen. Ziel sei es, das Tarifangebot zu vereinfachen und das Deutschlandticket und das eezy-Ticket zu stärken.
Entscheidung fällt im Dezember
Ein VRS-Sprecher sagte auf Nachfrage des WDR, die vom Fahrgastverband veröffentlichten Zahlen würden nicht dem aktuellen Stand entsprechen. Und auch die Abschaffung der Kurzstrecke sei noch nicht beschlossen. Eine Entscheidung über den Rheinland-Tarif soll im Dezember fallen.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung
- Fahrgastverband, VRS