Streit um Kiesgruben-Pläne im Rheinischen Revier
Lokalzeit aus Köln. 30.06.2025. 03:20 Min.. Verfügbar bis 30.06.2027. WDR. Von Stephan Pesch.
Etwa 30 Anwohner aus den Bergheimer Ortsteilen Ahe und Thorr haben sich kürzlich auf dem Wiebachhof versammelt, einem landwirtschaftlichen Betrieb, nicht weit vom Tagebau Hambach entfernt. Vom Ortsbürgermeister von Ahe, Winfried Kösters, erhalten sie ein Update zur geplanten Kiesgrube Widdendorf II.
Schon 2027 soll hier, auf einer Fläche so groß wie 17 Fußballplätze, Sand und Kies abgebaut werden. 44 Meter tief könnte die Grube werden, berichtet Ahes Ortsbürgermeister den Anwohnern. Viele von ihnen schütteln den Kopf: Sie befürchten Dreck, Lärm und einen Wertverlust ihrer Häuser.
Bergheim will Kiesgruben steuern
Ablehnung auch im Rathaus der Stadt Bergheim - Bürgermeister Volker Mießeler ist gegen die Grube zwischen Ahe und Thorr: "Weil wir auch sagen: Die Bevölkerung wurde schon in der Vergangenheit stark belastet durch den Braunkohleabbau", sagt der Bürgermeister.
Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler
Der Stadtrat hat deshalb den Flächennutzungsplan geändert. Neue Kiesgruben sollen im Stadtgebiet nur noch auf zwei dafür reservierten Flächen möglich sein - nicht aber am Wiebachhof zwischen Ahe und Thorr. Doch es treten bei dem Projekt nicht alle auf die Bremse - der Landkreis zum Beispiel.
Rhein-Erft-Kreis erteilt erste Genehmigung
Die zuständige Genehmigungsbehörde für das Abgraben von Sand und Kies ist nicht die Stadt Bergheim, sondern der Rhein-Erft-Kreis. Trotz der Änderung des Flächennutzungsplans hat die Kreisverwaltung der geplanten Kiesgrube eine erste Genehmigung erteilt, einen sogenannten Vorbescheid.
Den begründet der Kreis mit der aktuellen Rechtslage im Regierungsbezirk Köln. Der Vorbescheid müsse erteilt werden, wenn der Abbau von Kies und Sand im Außenbereich einer Stadt geplant sei, und alle Auflagen, etwa zum Schutz von Umwelt und Anwohnern, erfüllt seien.
Rohstoffindustrie warnt vor Versorgungsengpässen
Der Konflikt ist im Rhein-Erft-Kreis kein Einzelfall. In Kerpen will ein Tochterunternehmen von RWE eine bereits bestehende Kiesgrube erweitern. Auch dazu liegt dem Rhein-Erft-Kreis ein Antrag auf Genehmigung eines Vorbescheids vor: auch hier gibt es Streit.
Im Rheinischen Revier gibt es zahlreiche Kiesgruben - so wie diese zwischen Elsdorf und Jülich
Der Kerpener Ausschuss für Strukturwandel hat in seiner jüngsten Sitzung die Zustimmung verweigert. Die Bau- und Rohstoffindustrie ist alarmiert, denn der Rhein-Erft-Kreis gehört mit zu den rohstoffreichsten Regionen in NRW:
"Wohnungsbau, Infrastruktur, Arbeitsplätze – all das steht auf dem Spiel, wenn wir die Rohstoffversorgung aus dem Rheinischen Revier vernachlässigen. Die Kies- und Sandvorkommen dort sind von landesweiter Bedeutung. Verlieren wir diese Vorkommen aus dem Blick, riskieren wir massive Engpässe – mit spürbaren Folgen für das ganze Land." Raimo Benger, Hauptgeschäftsführer, vero - Verband der Bau- und Rohstoffindustrie
Neuer Regionalplan ändert Spielregeln
Den Interessenskonflikt beenden soll nun ein Beschluss des Kölner Regionalrats – dem Parlament der Bezirksregierung Köln. Das Gremium hat nun einstimmig entschieden, die Spielregeln für den Abbau von sogenannten nicht energetischen Rohstoffen zu verändern.
So werden Sand und Kies künftig nur noch dort abgebaut, wo die Kommunen sogenannte Abgrabungsbereiche ausgewiesen haben. Diese Zonen sind auch im neuen Regionalplan eingetragen. Der Plan regelt die Nutzung aller Flächen im Regierungsbezirk Köln.
Die Rohstoffe aus den Abgrabungsbereichen sollen die bundesweite Versorgung der Baustellen mit Sand und Kies für mindestens 20 Jahre gewährleisten.
Unsere Quellen:
- Stadt Bergheim
- Rhein-Erft-Kreis
- Bezirskregierung Köln
- Regionalrat Köln
- Stadt Kerpen
- VERO, Verband der Bau- und Rohstoffindustrie e. V.
- Reporter vor Ort