Stadtgespräch in Remscheid: Ist die Jugend zu faul?

03:15 Min. Verfügbar bis 09.01.2028

Stadtgespräch in Remscheid: Ist die Jugend zu faul?

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Der Präsident der Bergischen IHK, Henner Pasch, hatte zuvor einen Mentalitätswechsel unter jungen Arbeitnehmern und Azubis gefordert.

Henner Pasch hatte schon im vergangenen Oktober Azubis und junge Arbeitnehmer kritisiert. Er forderte, sie sollten fleißiger sein und mehr Einsatz für ihr Unternehmen zeigen.

Ist die Jugend tatsächlich zu faul? Dieser Frage ging die WDR Lokalzeit mit ihrem Stadtgespräch in Remscheid am Donnerstagabend nach und nahm dabei im Jugendzentrum "DIE WELLE" in Lennep vor allem junge Azubis in den Fokus. Auf dem Podium: Henner Pasch neben Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn (BIBB) und Daniel Bielecki vom Remscheider Jugendstadtrat.

Henner Pasch, Präsident Bergische IHK, beim Stadtgespräch in Remscheid

Der Präsident der Bergischen IHK, Henner Pasch, beim Stadtgespräch

In seinem eigenen Unternehmen habe Henner Pasch mit vielen Krankmeldungen der Jüngeren zu kämpfen, sagt er. Vielen ginge es in Bewerbungen außerdem zunehmend mehr um Work-Life-Balance statt um Perspektiven. "Es gibt ein gewisses Anspruchsdenken, eine Tendenz, sich in einer zu starken Komfortzone zu wähnen", so Pasch.

Anspruchsdenken der Jugend

Pasch sieht dabei auch die ältere Generation in der Verantwortung, junge Menschen darauf vorzubereiten, dass sie sich diese Ansprüche nicht mehr leisten könnten. So hätten sich in seinem Unternehmen schon Azubis beschwert, dass es sich bei dem bereitgestellten Firmenhandy nicht um das neueste Modell handelte.

Während Ansprüche vermeintlich gestiegen sind, haben junge Menschen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt zu kämpfen: So blieben laut BIBB fast 85.000 Bewerber in 2025 (Stichtag 30. September) bundesweit ohne Lehrstelle. Das mache die Situation für die Jugendlichen deutlich schwieriger, betont Hubert Ertl vom BIBB.

"Man hat zu befürchten, dass das, was die neue Generation antreibt, [...] vielleicht auch Ansprüche [...] hinten runterfallen." Hubert Ertl, Forschungsdirektor vom BIBB
Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats im Stadtgespräch

Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats

Mit 17 Jahren vertritt Daniel Bielecki als Vorsitzender des Remscheider Jugendrates seine Generation auf dem Podium. "Ein Problem, dass vielleicht auch in den Firmen aufkommt, ist, dass die Jugendlichen häufig ohne echte Orientierung eine Ausbildung annehmen, weil sie es nach der 10. Klasse einfach müssen und sich dann notgedrungen dafür entscheiden, aber sich im Grunde nicht wirklich dafür interessieren." Darunter leide dann so gesehen auch das Engagement.

Hohe Abbruchquote bei Azubis

Dass die erste Lehrstelle nicht immer passt, zeigt auch die Abbruchquote von knapp 30 Prozent, die dem BIBB vorliegt. "Die Quote ist sehr hoch, hatten wir fast nie. Wir wissen aber auch, dass die Hälfte von den Leuten, die einen Vertrag lösen, wieder einen neuen eingeht. Also das ist oft ein Orientierungsprozess", beschreibt Forschungsdirektor Hubert Ertl.

Studentin Anna beim WDR-Stadtgespräch in Remscheid

Studentin Anna beim WDR-Stadtgespräch in Remscheid

Unter den jungen Menschen sitzt auch die Studentin Anna: "Komfortzonen? Ich erlebe das eigentlich eher so, dass sich die Jugend in Dauerkrisen befindet, sei es die Inflation, die Corona-Pandemie, diverse Kriege."

Stadtgespräch aus Remscheid: Ist die Jugend zu faul?

Lokalzeit Stadtgespräch 08.01.2026 57:12 Min. Verfügbar bis 08.01.2028 WDR 5

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Hinter ihr sitzt Johanna, die häufiger im Jugendzentrum ist: "Man hat Angst, dass man im Alter an Armut leidet. Das setzt einen jetzt schon unter Druck, sich schnell zu entscheiden, früh anzufangen. Und das ist eigentlich traurig, dass man mit 19 Jahren schon Angst davor hat und eigentlich auch schon zu 90 Prozent weiß, ich werde mir niemals ein Eigenheim leisten können, weil es einfach zu teuer ist." Gewisse Wohlstandsversprechen gäbe es heute nicht mehr und damit auch weniger Anreiz, sich anzustrengen, findet auch Anna.

"Da ist es doch legitim, sich sein Arbeitsleben angenehm zu gestalten und dass Auszubildende nachhaken, wieviele Urlaubstage sie haben, ob Gleitzeit möglich ist." Studentin Anna

Hubert Ertl vom BIBB fordert auch die Gesellschaft zum Handeln auf: "Die Jugend ist keine homogene Masse und man muss natürlich Ängste sehr ernst nehmen. Wir müssen an der Zuversicht arbeiten. Das ist auch ein gesellschaftliches Thema."

Im Publikum sitzt auch Alexander Lampe vom Bildungszentrum Industrie in Remscheid. Er sagt, dass es mehr Kommunikation zwischen Arbeitgebern und jungen Menschen geben müsse. Und, dass eine Ausbildung viele Vorteile habe und das Armutsrisiko erheblich verringere.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • IHK-Präsident Henner Pasch
  • Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn

Sendung: WDR5, Lokalzeit Stadtgespräch, 08.01.2026, 20.03 Uhr

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