Zigtausend Jahre alte Knochen: Riesenhirsch aus Bonn geht auf Reisen
Lokalzeit aus Bonn. 05.01.2025. 02:35 Min.. Verfügbar bis 05.01.2028. WDR. Von Merle Giebeler.
Es war schon etwas Muffensausen dabei, als die Präparatoren des Museum Koenig die alten Schrauben im Genick des riesigen Hirschgeweihs lösten. Aufgebaut wurde es vor rund hundert Jahren - und seitdem nie wieder auseinander geschraubt.
Team muss Kopf vom Körper trennen
Nun aber soll der Riesenhirsch auf Reisen gehen: Reiseziel ist das Gasometer in Oberhausen und die Ausstellung "Mythos Wald", die dort ab dem 20. März läuft. Koenigs Riesenhirsch muss daher nun klein gemacht werden.
Kein Alltagswerk, erklärt Ausstellungsleiter Thomas Gerken: "Gerade bei diesem Riesenhirsch handelt es sich um ein sehr altes Exponat, von dem wir eigentlich gar nicht wissen, wie das damals gebaut wurde. Das müssen wir erstmal nachvollziehen, um es zerlegen zu können. Denn unzerlegt passt der durch keine Außentür und kann nicht transportiert werden."
Schrauben wurden seit dem Jahr 1934 nicht gelöst
Abbau des Riesenhirschskeletts mit Muffensausen
Leitern werden herangerückt, Präparatoren stehen parat und halten die riesigen Schaufeln des Geweihs. Es ist über drei Meter breit und bringt rund 40 Kilogramm auf die Waage. Dann der Moment der Wahrheit: Das Team um Gerken löst die Schrauben des Stahlgestells, die die Präparatoren einst, im Jahr 1934, hineingedreht haben, um Kopf und Körper miteinander zu verbinden.
Alles läuft wie geschmiert. Die Schrauben drehen, als wären sie erst gestern angebracht worden und vorsichtig befördert das Museumsteam den Riesenhirsch in die heiligen Werkstatthallen. Das heißt: Erst seinen Kopf mit Geweih, dann seinen kopflosen Körper.
Riesenhirsch-Skelett ist über 11.500 Jahre alt
Riesenhirsche lebten in Europa während der Kaltzeit unseres Eiszeitalters - mit ihrem Ende vor 11.500 Jahren starben sie aus. Das Riesenhirsch-Skelett im Museum König wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Torfmoor bei Dublin in Irland gefunden. Damals wurde mit langen Stäben gezielt nach Skeletten gesucht. Dabei fand man Männchen wegen ihres großen Geweihs einfacher als Weibchen.
Der Bonner Zoologe Alexander Koenig erwarb die Knochen des männlichen Riesenhirschs im Jahr 1914 für 6.500 Mark, so geht es aus einem späteren Brief hervor. 20 Jahre später kaufte er dann noch eines der seltenen Skelette einer Riesenhirschkuh.
Hirschkuh hält die Stellung in Bonn
Das Paar ziert heute das Foyer des Museums. Beziehungsweise: Für die kommenden zwei Jahre wird die Dame hier nun allein die Stellung halten.
Den zerlegten Riesenhirsch bringen die Präparatoren nun in der Werkstatt noch etwas in Schuss. In den kommenden Tagen kommt ein Logistiker vorbei, der spezielle Transportkisten anfertigt. Gemeinsam mit anderen Exponaten - darunter Paradiesvögel, ein Waran und Krokodile - tritt der Riese dann im Februar seine Reisen gen Norden an.
Unsere Quellen:
- Museum Koenig
- Gasometer Oberhausen
Sendung: WDR.de, Riesenhirschskelett aus Bonn geht auf Reisen, 05.01.2026, 15:04 Uhr