Vom Lost Place zum Nachbarschaftstreff

WDR 02:37 Min. Verfügbar bis 19.05.2028

Alte Wäscherei in Königswinter Vom Lost Place zum Nachbarschaftstreff

Stand:

Mit vollem Einsatz saniert ein Verein eine alte Wäscherei, um jungen Menschen einen Treffpunkt in Königswinter zu schaffen.

Von Paula Randerath

"Ah, was haben wir denn hier?", fragt Rainer Trill und reicht seinem Nachbarn einen riesigen Stapel alter Plakate an. "Reinigung in drei Tagen, steht hier". Er lacht. Die beiden Männer stehen in einer Menschenkette in einem alten Speicher und reichen sich im Sekundentakt Fundstücke weiter: Alte Schrauben, ein vergilbtes Pillendöschen, Tischbeine, Bücher. Alle auf dem Dachboden tragen Arbeitskleidung. Staub tanzt im Licht und sammelt sich in den Haaren.

25 Leute sind heute zum "Arbeitstag" erschienen und reichen Schutt und Schätze vom Dachboden bis ins Erdgeschoss. Die meisten von ihnen wohnen nur ein paar Meter von der ehemaligen Wäscherei in Königswinter entfernt. Seit November treffen sich die Mitglieder des Vereins LidA - Leben in der Altstadt alle sechs Wochen. Ihr Ziel: Sie wollen das Gebäude renovieren und in dem großen Altbau einen Begegnungsort schaffen. Dort sollen sich Vereine treffen können, Workshops stattfinden, Kinder Billard spielen. Aber bis das erreicht ist, muss noch ganz schön viel passieren.

Keiner im Verein ist Handwerker

Johannes repariert die Wasserrohre in der Alten Wäscherei

Daniel repariert die Wasserrohre in der Alten Wäscherei

Zwei Stockwerke tiefer werkelt Johannes Daniel an einem alten Wasserrohr. "Wir verlegen hier gerade Abwasserrohre. Die kommen von den Toiletten, die wir gerade im ersten Stock gebaut haben." Handwerker ist Daniel von Beruf nicht. Das ist niemand im Verein. Alle lernen. Seit heute gibt es auch Strom. "Da kann man wenigstens den Bohrer benutzen statt den Akkuschrauber", lacht Daniel von seiner Leiter herunter.

Alle Rohre müssen ausgetauscht und neu verlegt werden. Denn später soll in einer Zisterne das Regenwasser aufgefangen werden. Auf das hintere Dach kommen außerdem Solarpanels. Die alte Wäscherei soll sich so gut wie möglich selber tragen.

Nur eines von vielen leerstehenden Gebäuden

Die alte Wäscherei ist nur eines mehrerer leerstehender Gebäude in Königswinter. Zuerst wurde sie von einem Investor aufgekauft, dann sollte sie abgerissen werden. Da sah der Verein seine Chance auf ein geeignetes Gebäude.

Wir beobachten das Leben in der Altstadt. Hier gibt es nichts für Kinder oder Jugendliche. Wir haben mit dem Jugendamt gesprochen, die sagen, es hätte Versuche gegeben. Aber nichts hat geklappt. Im letzten Sommer haben wir dann gedacht: Vielleicht klappt es, wenn wir das machen. Werner Völker, Vorsitzender des Vereins

Der Verein kauft die alte Wäscherei

Die Frontseite der Alten Wäscherei in der Altstadt von Königswinter

Die Alte Wäscherei sollte eigentlich abgerissen werden

Die Idee zu dem Projekt hatte Werner Völker gemeinsam drei Freunden. Die fanden direkt weitere Unterstützer unter den Anwohnern. Alle Mitglieder gaben dem Verein ein zinsloses Darlehen. Von diesem Geld konnte der Verein den Altbau in der Hauptstraße von Königswinter kaufen.

Über das Projekt freut sich auch die Stadt, erzählt Fabiano Tinto, der technische Beigeordnete von Königswinter Stadt: "Der Verein ist auf uns zugekommen und wir haben ihn planungsrechtlich beraten. Außerdem haben wir ihn mit potenziellen Fördermittelgeldern zusammengebracht". Man möchte es außerdem im Haushalt möglich machen, Vereine in Zukunft besser finanziell zu unterstützen.

Projekt für junge bringt alte Leute zusammen

Eckhard zieht alte Kabel

Diekmann wohnt nur ein paar hundert Meter von der Baustelle weg

In der hintersten Ecke der alten Wäscherei werkelt Eckhard Diekmann. Er zieht die letzten alten Kabel aus der Wand. Diekmann ist pensionierter Polizeibeamter und wohnt ebenfalls um die Ecke. Wieso er mitmacht? "Ich finde gut, dass man aus einem alten Gebäude etwas neues machen möchte. Viele Gebäude stehen hier leer. Und das hier soll genutzt werden."

Und obwohl das Projekt eigentlich vor allem dafür gedacht war, jungen Menschen einen Ort zu bieten, arbeiten vor allem ältere Menschen mit. Viele von ihnen sind bereits in der Rente. "Aber da haben wir auch schon ein Ziel erreicht", erzählt eines der Gründungsmitglieder, Ruth Klevinghaus: "Leute, die man nur vom Sehen kannte, lernen sich hier kennen. Und das ist richtig toll".

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Stadt Königswinter

Sendung: WDR.de, Verein renoviert Alte Wäscherei in Königswinter, 20.05.2026, 05:05 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Rhein-Sieg-Kreis

1 / 2