Was macht die Lebensqualität eines Wohnorts aus? Für den "Gemeindecheck Daseinsvorsorge" des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) wurden Städte und Gemeinden nach verschiedensten Aspekten befragt: Wie viele Ärzte und Schulen gibt es? Wie schnell ist das Internet, wie gut funktioniert die Verkehrsanbindung und welche Freizeitangebote gibt es?
Dabei hat das IW die Gemeinden vor allem in fünf Kategorien verglichen:
- Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit)
- Gesundheit (Erreichbarkeit von Hausärzten und Krankenhäusern)
- Mobilität (Anbindung an den ÖPNV, Qualität von Brücken, etc.)
- Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen)
- Bildung (Erreichbarkeit von Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen)
86 Prozent der NRW-Kommunen "sehr gut" oder "gut"
Insgesamt 10.817 Gemeinden hat das IW für den Bericht untersucht, der am Montag veröffentlicht und vom Tabakkonzern Philip Morris in Auftrag gegeben wurde. Zusätzlich seien knapp 5.500 Menschen befragt worden. NRW schneidet dabei deutschlandweit besonders gut ab: In keinem anderen Bundesland sind demnach die Lebensbedingungen so gut wie hier.
Mehr als die Hälfte der NRW-Gemeinden fallen dabei in die Kategorie "sehr gut" versorgt. Einzig im Kreis Düren und im Hochsauerlandkreis wurde die Versorgung als schlecht eingestuft. Insgesamt bekommen aber 86 Prozent der Kommunen in NRW mindestens die Note "gut".
Schlusslicht des Rankings ist Mecklenburg-Vorpommern: Dort gilt mehr als jede zweite Gemeinde als "sehr schlecht" versorgt. Die Menschen müssen weitere Strecken zum Arzt oder zur Schule fahren und haben schlechteres Internet.
Infos für politische Entscheidungen
Es ist die erste Studie des IW, die so detaillierte Ergebnisse liefert. Bislang gab es die Daten nur auf Landkreisebene. Ziel der Studie sei, der Politik mehr Infos für künftige Entscheidungen in punkto Daseinsvorsorge zu liefern, sagt IW-Studienautor Matthias Diermeier - zum Beispiel bei der Gesundheitsversorgung.
Wenn zum Beispiel Kliniken wegfallen müssen, weil sie sich nicht mehr rechnen, könne die Landesregierung mit den neuen Daten leichter einen Ort bestimmen, wo sie stattdessen zusammengelegt werden können. Die Zufriedenheit der Menschen ergebe sich aber nicht nur aus guter Erreichbarkeit, fügt Diermeier hinzu, sondern auch durch die Qualität der Angebote.
Versorgung in Ostdeutschland besser, als angenommen
Ostdeutsche Städte schneiden bei der Studie im Vergleich zu westdeutschen besser ab: 30 Prozent von ihnen sind demnach "sehr gut" versorgt. Unter den westdeutschen Städten sind es nur knapp 20 Prozent.
Bei der Zufriedenheit der Menschen mit der Versorgung vor Ort gibt es offenbar auch einen Zusammenhang mit der politischen Einstellung. Eine zusätzliche repräsentative Umfrage des IW ergab, dass vor allem AfD-Anhänger mit der Daseinsvorsorge an ihrem Wohnort unzufrieden sind. Unter Anhängern von SPD, Union und Grünen halte rund jeder Zweite die Versorgung vor Ort für zuverlässig, sagt IW-Studienautor Matthias Diermeier: "AfD-Anhänger nehmen selbst die unmittelbare Versorgung in ihrer Gemeinde durch einen Pessimismusfilter wahr.“
Hinweis der Redaktion, 26.05.2026, 17.53 Uhr: Wir haben die Einteilung für Münster und Greven in "sehr gut" geändert. Leider hatte sich unsere Karte die Werte für namensgleiche Kommunen außerhalb von NRW gezogen, die schlechter bewertet worden waren. Die Stadt Greven hat uns darauf aufmerksam gemacht.
Unsere Quellen:
- Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW)
- Gespräch mit IW-Studienautor Matthias Diermeier
Sendung: 1LIVE, Infos, 25.05.2026, 16.00 Uhr