Doch keine Photovoltaik-Anlagen für Landwirtschaft in Hennef?
WDR. 02:26 Min.. Verfügbar bis 15.06.2028.
Es ist eine schlauchförmige Parzelle am Hennefer Ortsteil Söven. Auf dem Weideland grasten hier bislang oft Schafe. Der Verein "Hennef Power" plant seit knapp zwei Jahren auf dieser landwirtschaftlichen Fläche ein Solar-Kraftwerk zu bauen - "Söven 1" soll es heißen.
Es wäre eine spezielle Photovoltaik-Anlage, eine Agri-PV-Anlage. Sie könnte landwirtschaftliche Nutzung mit umweltfreundlicher Solarstromerzeugung auf ein und derselben Fläche kombinieren. Die Solar-Module stehen dabei in mehreren Metern Höhe, damit die Fläche darunter weiter landwirtschaftlich genutzt werden kann.
Aus für Photovoltaik-Anlage "Söven 1" in Hennef?
Am Dienstagnachmittag, dem 16. Juni, will sich die Stadt im Planungsausschuss von der Politik ein neues Konzept genehmigen lassen, wo in Zukunft PV-Anlagen stehen dürfen. Agri-PV ist dabei aber ausgeschlossen. Das würde das Aus für "Söven 1" bedeuten".
Dabei ist die Planung für das Projekt bereits weit fortgeschritten: Den Pachtvertrag für die Fläche gibt es eigentlich schon und sogar eine viertel Million Euro Fördergeld vom Land NRW, erklärt Marc Schmidt von "Hennef Power". Er ist geschockt vom neuen PV-Plan der Gemeinde Hennef.
Marc Schmidt und Casper Armster vom Verein "Hennef Power"
Gemeinde will keinen Eingriff in die Landschaft
Die Gemeinde erklärt auf WDR-Anfrage, dass sie im neuen Konzept auf Ausweisung von Agri-PV-Flächen verzichtet, um landwirtschaftliche Flächen für die Ernährungssicherung zu schützen. Zudem stellten Agri-PV-Anlagen einen deutlich größeren Eingriff in die Landschaft dar als klassische Freiflächen-Anlagen (FFPV).
Und die Gemeinde befürchtet offenbar Pleiten von Agri-PV-Anlagen-Betreibern. Sie erklärt: "Angesichts erheblich höherer Stromentstehungskosten und geringer Praxiserfahrung wird das Risiko von Fehlplanungen durch Agri-PV als hoch eingestuft."
Unverständnis über Bedenken
Marc Schmidt und seine Kollegen beim Verein "Hennef Power" können diese Bedenken nicht nachvollziehen. Agri-PV sei immer unterschiedlich und in diesem Fall müsste gewährleistet sein, dass weiter Schafe unter den Modulen weiden könnten. Das sei nicht so aufwändig.
Auf dieser Fläche sollte die PV-Anlage gebaut werden
Durch die NRW-Fördermittel sei der Mehraufwand im Vergleich zu einer FFPV-Anlage gedeckt. Noch ist nichts entschieden, aber nach WDR-Recherchen zeichnet sich im Planungsausschuss eine Mehrheit für das neue Konzept ab - ohne Agri-PV.
Unsere Quellen:
- Stadt Hennef
- Marc Schmidt, Vorsitzender "Hennef Power"
- WDR-Recherchen Planungsausschuss
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 15.06.2026, 19:30 Uhr
