Der "Raum der Stille" von innen
Neue Gedenkstätte auf "Vogelsang IP" in Schleiden eröffnet
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Die Foto-Ausstellung in der ehemaligen NS-"Ordensburg" Vogelsang macht mit digitalen Bildern die Biografien von Menschen sichtbar, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, innezuhalten und sich mit den persönlichen Geschichten der Menschen auseinanderzusetzen.
"Gesichter statt Zahlen" – so lässt sich der neue Erinnerungsort beschreiben. Naturgeräusche erfüllen den Raum, dann ist das ferne Rattern eines Zuges zu hören. Auf digitalen Bilderrahmen erscheinen Schwarz-Weiß-Porträts von Menschen, die nach wenigen Sekunden wechseln. Jedes Gesicht steht für ein eigenes Schicksal. Der Ort erinnert an Menschen aus der Region rund um Aachen, die von den Nationalsozialisten verfolgt oder getötet wurden. Zu sehen ist die Ausstellung in der Gedenkstätte Vogelsang, die sich in der ehemaligen "Ordensburg" der Nazis befindet.
Hinsetzen und nachdenken
Der "Raum der Stille" von innen
Helle Holzbänke laden dazu ein, innezuhalten und die Bilder auf sich wirken zu lassen. Die Porträts stammen unter anderem aus Aachen, Schleiden und Euskirchen; nach kurzer Zeit wird jeweils der Name eingeblendet. Eine Sound-Collage aus Naturklängen und Zuggeräuschen begleitet die Installation – ein Symbol für das gewaltsame Eindringen der Nationalsozialisten in das Leben der Betroffenen. "Wir haben uns bewusst für schlichte Fotos auf Augenhöhe entschieden", sagte Vogelsang-IP-Geschäftsführer Thomas Kreyes zur Eröffnung.
Lebensgeschichten erfahren
Hinter jedem ausgestellten Bild verbirgt sich eine Lebensgeschichte. Margot Heumann verbrachte beispielsweise eine glückliche Kindheit in Hellenthal, bis ihre jüdische Familie verfolgt und 1943 nach Theresienstadt deportiert wurde. Ein anderes Beispiel ist der Aachener Viehhändler Benjamin Weinhausen. Als Jude erhielt er ein Geschäftsverbot und floh mit seiner Frau nach Belgien.
Schülerinnen und Schüler beteiligt
Viele Biografien wurden von Schülerinnen und Schülern sowie Geschichtsvereinen recherchiert. Die kostenlose Ausstellung soll weiterwachsen – als digitale Datenbank gegen das Vergessen. Sie soll Menschen einen einfachen Zugang zur deutschen Geschichte ermöglichen.
Der Raum der Stille ist direkt neben dem Besucherzentrum mitten auf dem weitläufigen Gelände des Vogelsang IP. Die Gebäude gehörten zu den größten Bauprojekten des Nationalsozialismus und entstanden in den 1930er Jahren. Das Gelände wurde nie fertiggestellt. Heute ist die ehemalige NS-Ordensburg ein Ort der Erinnerung. Er steht für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander.
Unseren Quellen:
- Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2 Aachen und Region, Lokalzeit, 29.01.2026, 13.31 Uhr