Wenn aus Fremden Freunde werden: Gemeinsames Fastenbrechen in Wuppertal

06:06 Min. Verfügbar bis 13.03.2028

Zum Ramadan: Gemeinsames Fastenbrechen mit Fremden in Wuppertal

Stand:

Die Initiative "ramadan-nrw" bringt Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen. Mit Erfolg.

Von Annika Haupt

Es ist ein besonderer Abend für Lena Salewski und Charlotte Weber. Die beiden Freundinnen sind bei einem muslimischen Ehepaar in Wuppertal zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen. Menschen, die sie bis dahin nur über einen kurzen Austausch über WhatsApp kennen.

zwei junge Frauen sitzen nebeneinander

Lena Salewski (l.) und Charlotte Weber (r.) haben sich für einen Iftar-Abend angemeldet

Dementsprechend sind sie etwas nervös. Doch die Aufregung paart sich auch mit Vorfreude. "Dieses Persönliche zu haben und zu Leuten nach Hause eingeladen zu werden, finde ich eine ganz besondere Idee", erzählt Lena. Und auch Freundin Charlotte ist sehr gespannt und freut sich auf ihr erstes muslimisches Fastenbrechen im Leben.

Zu Gast sind die beiden heute bei Fatmanur und Erol Okumusoglu. Die beiden leben seit über 30 Jahren zusammen in Deutschland. Für sie ist der Ramadan, so wie für viele Muslime weltweit auch, der heiligste Monat im Jahr. Und sie freuen sich, anderen Menschen ihre Kultur näherzubringen.

Fastenbrechen in Wuppertal: Traditionell gemeinschaftlich

Mann mit grauem Haar und Schnurrbart

Erol Okumusoglu lädt gerne Andere zum Fastenbrechen ein

Das Fastenbrechen wird traditionell in Gemeinschaft gefeiert, oft mit Freunden, der Familie oder Nachbarn. Das kennt Erol schon von klein auf: "Meine Eltern waren schon immer offen. Schon in den 70er-Jahren haben wir Nachbarn zu uns eingeladen."

Eine besondere Art der Kontaktbörse

Die Initiative "ramadan-nrw" hat die vier Menschen zusammengebracht. Sie gehört zum Verband engagierte Zivilgesellschaft NRW (VEZ NRW) und die Idee ist, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzubringen.

Dafür arbeitet die Initiative mit rund 70 Mitgliedsvereinen in ganz NRW zusammen. Familien, die entweder Mitglieder oder ehrenamtlich in einem der Mitgliedsvereine sind, laden zu einem gemeinsamen Iftar-Abend ein. Iftar ist der Fachbegriff für das abendliche Fastenbrechen während des Ramadan.

"Wenn Menschen, die sich nicht kennen, miteinander sprechen und sich kennenlernen, dann verschwinden auch viele Vorurteile." Enes Günes, Initiative "ramadan-nrw"

Es läuft ein bisschen wie bei einer Kontaktbörse: Lena und Charlotte wollten so einen Iftar-Abend unbedingt mal miterleben und haben sich über "ramadan-nrw" angemeldet und ein Formular ausgefüllt. Die Initiative hat ihnen dann Fatmanur und Erol vermittelt – vor allem auch, weil sie wie Lena in Wuppertal wohnen.  

Wuppertalerinnen sind aufgeregt

Das Fastenbrechen beginnt jeden Abend mit dem Sonnenuntergang. Lena und Charlotte kommen an diesem Abend etwas früher – auch, damit sie Fatmanur und Erol erstmal ein bisschen kennenlernen können.

Zusammen Fastenbrechen: Auch im Bergischen mit der Dattel

ein gedeckter Tisch mit Geschirr und verschiedenen Speisen

Türkische Spezialitäten zum Fastenbrechen

Schließlich ist die Sonne untergegangen. Auf dem Esstisch warten viele türkische Spezialitäten wie Börek, gefüllte Artischocken und - ganz wichtig - Datteln. Mit einer Dattel und einem Glas Wasser wird traditionell das Fasten gebrochen.

Frau mit Kopftuch

Fatmanur Okumusoglu freut sich über Gäste beim Fastenbrechen

Das Essen hat Fatmanur zubereitet, vier bis fünf Stunden stand sie dafür in der Küche. Eine zusätzliche Herausforderung während des Fastens. Doch das gehört dazu, sagt sie. Das Fasten stärke auch die Selbstbeherrschung.

Während sie gemeinsam essen, erzählt Erol, wie er während des Fastens durch den Tag kommt. Dass es darum geht, sich auch viel mit sich selbst zu beschäftigen. Dabei helfen auch Gebete. Sie sind wichtiger Bestandteil des Ramadan und sowohl Fatmanur als auch Erol verabschieden sich nach dem Essen nacheinander zu einem kurzen Gebet.

Ihr Gefühl nach dem Fastenbrechen: Dankbarkeit

Von Aufregung und Nervosität ist am Ende dieses gemeinsamen Abends nichts mehr zu spüren. Sie hatten viele intensive Gespräche, haben zusammen gelacht und einige Gemeinsamkeiten festgestellt.

"Ich finde das total inspirierend und es ist ein gutes Beispiel, wie wir besser zusammenleben können." Lena Salewski

Unsere Quellen:

  • Initiative "ramadan-nrw"
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 12.03.2026, 19:30 Uhr

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