Prozessbeginn gegen Online-Prediger | WDR aktuell

00:26 Min. Verfügbar bis 24.06.2027

Angeklagter Online-Prediger Abdelhamid gibt Spendenbetrug zu

Stand:

Im Prozess um banden- und gewerbsmäßigen Spendenbetrug haben der salafistische Prediger aus Düsseldorf und seine Lebensgefährtin am Montag umfassende Geständnisse abgelegt.

Von Martin Höke

Der salafistische Prediger aus Düsseldorf gibt zu, dass er über Jahre hinweg auf seinen Social-Media-Kanälen bei Muslimen Spenden für humanitäre Hilfsprojekte gesammelt, die Gelder aber nur zu einem geringen Teil weitergeleitet hatte. Laut Anklage hatte er in 37 Fällen knapp 500.000 Euro ergaunert und so seinen aufwendigen Lebensstil finanziert. Die Mitangeklagte hatte ihm geholfen und Konten für die Spenden eröffnet.

Im Gegenzug für die umfassenden Geständnisse hatte das Gericht dem 34-Jährigen im Vorfeld drei Jahre Haft und der Mitangeklagten eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt.

Spendenbetrug ja, bandenmäßiges Vorgehen nein

In seinem Geständnis gibt der Angeklagte den Spendenbetrug zu, bestreitet aber bandenmäßiges Vorgehen. Denn, so betonte der Verteidiger des Predigers mit Nachdruck, es habe "keine Gruppenabsprachen, kein Zusammenwirken, keine  Bandenabrede gegeben.“ Sein Mandant sei allein verantwortlich.

Unter dem Namen "Abdelhamid“ war der Islamistische Influencer aus Düsseldorf bundesweit bekannt geworden. In sozialen Netzwerken wie TikTok und Instagram hat der 34-Jährige hunderttausende Follower. Seit Oktober sitzt er im Gefängnis. Am Dienstag, 24.06.2025 hatte der Strafprozess vor dem Landgericht Düsseldorf gegen ihn und seine Partnerin begonnen.

Gutmütige Spender ausgenutzt

Geldscheine

Etwa 20.000 Euro Bargeld fanden die Ermittler bei Durchsuchungen im Oktober 2024.

Bis 2024 hatte Dehran A. drei Jahre lang als salafistischer Prediger unter "Abdelhamid-offiziell" online Spenden für Hilfsprojekte und notleidende Kinder gesammelt. Laut Anklage hat er das Geld aber nur zu einem kleinen Teil weitergeleitet, sondern mit den Spenden vor allem seinen ausschweifenden Lebensstil finanziert. Vergangenen Oktober (2024) wurde er festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Bei einer Razzia wurden damals ein hochwertiger Mercedes, bündelweise Bargeld - insgesamt mehr als 20.000 Euro -, mehrere Luxusuhren und Handtaschen beschlagnahmt.

Zum Auftakt bestätigten der angeklagte Online-Prediger Abdelhamid und seine Partnerin dem Gericht nur ihre Personalien, machten aber keine weiteren Angaben. Umfassende Geständnisse hatten sie für den Verhandlungstag angekündigt.

500.000 Euro Spendengelder für Luxusleben

Die Schadenshöhe liegt laut Staatsanwaltschaft bei fast einer halben Million Euro. Bei seiner Festnahme war die Polizei noch von "nur" 350.000 Euro ausgegangen.

Als Mittäterin ist die 33-jährige mazedonische Lebensgefährtin des Mannes angeklagt. Ihr werden 21 Fälle zur Last gelegt. Sie und Dehran A. sind den Behörden zufolge nach islamischem Recht verheiratet. Sie haben drei gemeinsame Kinder.

Schon früh Geldwäscheverdacht

Ins Visier des Zolls sei Dehran A. schon vor Jahren geraten, nachdem bei der Behörde mehrere Hinweise auf Geldwäsche eingegangen waren, bestätigt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. In der Folge machte die Ermittler stutzig, dass die Spendenaufrufe Abdelhamids merkwürdig unkonkret und nebulös blieben. Der Influencer habe meist nicht gesagt, wohin genau das Geld gehen soll und auch keine Kooperationen mit Hilfsorganisationen genannt.

Als Dehran A. sich im Oktober 2024 offenbar nach Dubai absetzen wollte, schlugen die Fahnder zu. Zunächst sollten am Montag auch seine Schwester und eine Freundin von ihm mit auf der Anklagebank sitzen, aus terminlichen Gründen wurden
die Verfahren allerdings abgetrennt. Laut Anklage war der Spenden-Betrug zum Teil auch über die Konten der beiden Frauen gelaufen.

Für den Prozess bis zum 16. Juli sind sechs Verhandlungstage angesetzt.

Angeklagter Online-Prediger Abdelhamid gibt Spendenbetrug zu

WDR Studios NRW 30.06.2025 00:29 Min. Verfügbar bis 30.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Landgericht Düsseldorf
  • Staatsanwaltschaft Düsseldorf
  • Reporter vor Ort

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