Solinger Messerangriff: "Hilfe, Hilfe, wir verbluten"
01:47 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027.
Eine Mutter und ihre Tochter erzählen im Prozess, wie sie die Musik von der Festbühne mit geschlossenen Augen genießen und nach dem Messerstich die jeweils andere zu Boden taumeln sehen.
Die 63-jährige Bärbel V. erinnert sich im Gerichtssaal mit dünner, brüchiger Stimme an den Abend der Tat. Eines ihrer Stimmbänder ist seit dem Messerstich gelähmt. Auch ihren rechten Arm kann sie bis heute nicht selbstständig anheben. Das Messer des Täters hat ihren Hals genau an der Stelle der Schlagader getroffen und ihn bis zum Nacken durchbohrt. Ihre Verletzungen schränken bis heute entsprechend stark ein. Zum Zeitpunkt des Angriffs hatte sie lediglich einen Schlag gespürt und wollte über den "Rüpel" schimpfen.
"Ich habe nur an meine Tochter gedacht."
Der nächste Blick ging zu ihrer heute 25-jährigen Tochter Lea. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe mit geschlossenen Augen getanzt. "Ich sah Blutspritzer an meiner Tochter", erzählt Bärbel V., "und die ging zu Boden. Dann habe ich ‚Hilfe, Hilfe, wir verbluten‘ gerufen. Ich hatte die größte Angst um meine Tochter."
Lea V. schildert den Angriff in ihrer Zeugenaussage detailliert
Jede der beiden Frauen schildern etwa eine Stunde lang ihre Wahrnehmungen und beschreiben ihre Verletzungen und die Folgen. Lea V. ist Veranstaltungstechnikerin und ist psychisch bis heute nicht in der der Lage, wie früher in großen Menschenmengen wie Konzerten oder Festivals zu arbeiten.
Kleinteiliger Strafprozess gerechtfertigt
Eine solche Aussage vor Gericht ist anstrengend und aufwühlend. Trotzdem finden Lea und ihre Mutter Bärbel ein so feingliedriges Verfahren für absolut gerechtfertigt. Obwohl der Täter Issa Al H. den Angriff mit dem Messer bereits gestanden hat, seien noch viel Fragen offen. Denn bei allem Leid, was ihnen und den anderen Opfern widerfahren ist: Die Gesellschaft müsse daraus wenigstens etwas zu den Motiven und Hintergründen von solchen mutmaßlich islamistisch motivierten Tätern lernen können.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Gerichtsprozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf
- Gespräche mit Bärbel und Lea V.
Über dieses Thema berichten wir auch am 17.06.2025 in der WDR Lokalzeit Bergisches Land um 19.30 Uhr.