Drogen-Hotspot: Kirche und Caritas helfen am Kölner Neumarkt
Lokalzeit aus Köln. 12.03.2026. 02:36 Min.. Verfügbar bis 12.03.2028. WDR. Von Jochen Hilgers.
Drogen-Hotspot: Kirche und Caritas helfen am Kölner Neumarkt
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Während das geplante Suchthilfezentrum im Kölner Pantaleonsviertel die Diskussionen beherrscht, bleibt die Lage am Drogen-Hotspot Neumarkt weiter angespannt. Die katholische Kirche und die Caritas wollen den Bedürftigen dort jetzt weitere Hilfsangebote machen.
Die Aula und ein großer Beratungsraum bilden das "sozialcaritative Zentrum". Es öffnet ab sofort jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag und wird von Freiwilligen betrieben.
Damit das alles überhaupt bekannt wird, macht sich Pastoralreferent Stefan Burtscher am Neumarkt auf karitative Werbetour. Dazu braucht er eine Kaffeekanne und rote Pappbecher.
Ein Ort zum Herunterkommen
Vor einer Buchhandlung hat ein junges Pärchen, beide gehören nach eigenen Worten zur Drogenszene, ihr Lager aufgeschlagen. Gerne nehmen sie das Kaffee-Angebot an. Die junge Frau bräuchte Zucker. Für Pastoralreferent Burtscher das Stichwort. "Den Zucker gibt es um die Ecke in St. Aposteln", bietet er an. Dazu auch etwas zu essen - und die Möglichkeit, sich auszuruhen oder mit anderen Menschen zu sprechen.
Kirche und Caritas arbeiten beim Projekt zusammen.
Wenig später steht die junge Frau in der Aula von St. Aposteln. Ehrenamtliche Helfer haben Getränke und einen Imbiss im Angebot. Wer woher kommt, ist unwichtig. Auch, ob die Person religiös ist oder nicht. Obwohl es hier sehr laut ist, finden die Menschen hier etwas Ruhe. Susanne zum Beispiel sagt, sie käme etwas herunter. "Ich kann Kraft schöpfen und mal meine Gedanken sammeln", sagt sie.
Gegen die Verelendung in Köln ankämpfen
Domkapitular Dominik Meiering und Markus Peters, der Chef der Kölner Caritas, sind die Verantwortlichen des neuen Hilfsangebots. Meiering spricht von der "Verelendung der Menschen" rund um den Neumarkt und findet es wichtig, dass sie einen Ort finden, an dem sie sich aufhalten können.
Markus Peters hofft, dass manche auf den Gedanken kommen, sich helfen und die Sucht hinter sich zu lassen. Mehr als 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer stünden dafür zur Verfügung, sagen Meiering und Peters.
Stefans Werbetour geht weiter
Stefan Burtscher hält es nicht lange in den Gemeinderäumen. Er ist schnell zurück auf dem Neumarkt. "Es geht darum, die Menschen spüren zu lassen, dass sie eine Würde haben", sagt er. Obdachlose Menschen erführen Tag für Tag, dass sie nicht geduldet seien und würden von A nach B geschickt. "Sie sollen die Erfahrungen machen: Ich bin wertvoll und jemand kommt zu mir, egal, wie ich drauf bin."
Wichtig sei nicht, wie viele Gespräche er am Ende des Tage gehabt habe, sagt Burtscher. "Mir geht es darum, dass die Menschen eine positive Erfahrung gemacht haben." Nicht alle, das gehört auch zur Wahrheit. Entmutigen lässt er sich davon aber nicht.
Die Probleme rund um den Neumarkt sind vielschichtig. Nichts dagegen zu tun, so die Menschen aus St. Aposteln, wäre aber das Schlimmste.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Stefan Burtscher, Dominik Meiering und Markus Peters
- Gespräche mit Besuchenden des "sozialcaritativen Zentrums"
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 12.03.2026, 11.31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 12.03.2026, 19.30 Uhr