Scanner soll neue Drogen in Gefängnissen entlarven
Lokalzeit aus Bonn. 12.12.2025. 01:17 Min.. Verfügbar bis 12.12.2027. WDR. Von Christian von Stülpnagel.
Es sieht aus wie ein normales, unbeschriebenes Blatt Papier. Doch als Peter Schönenberg davon einen Abstrich macht und die Probe in das Testgerät steckt, leuchtet es auf dem Display rot auf: "Hier haben wir eine Vielzahl an Stoffen gefunden."
Vor einigen Tagen wurde dieses Papier über die Mauern der JVA Rheinbach geworfen - und ganz offensichtlich sind darauf Drogen verteilt.
Peter Schönenberg ist der Leiter der Revisionsgruppe in der JVA Rheinbach. Er und sein Team sollen also verbotene Gegenstände in dem Gefängnis finden. Immer häufiger stoßen sie dabei auf sogenannte Neue psychoaktive Stoffe, kurz NPS. Diese chemischen Verbindungen sollen die Wirkung von anderen Drogen imitieren.
Tausende Drogen-Dosen auf einem Blatt Papier
Diese Stoffe sind farb- und geruchslos und werden zum Beispiel auf Papier verteilt. So können auf einem präparierten DIN A4-Blatt rund 2.500 sogenannte Konsumeinheiten versteckt sein, in etwa so groß wie das Kästchen in einem Mathe-Heft.
Selbst in kleinsten Schlitzen können Drogen versteckt sein.
Das Stück Papier kann zerkleinert dann in Zigaretten geraucht werden - oder man legt es sich direkt unter die Zunge. Allein im vergangenen Jahr wurden in Rheinbach mehr als 270.000 Konsumeinheiten sichergestellt, auf Briefen von vermeintlichen Anwälten oder auf Zetteln, die über die Mauern geworfen wurden.
"Wir merken, dass das Problem mit NPS zunimmt", sagte NRW-Justizminister Benjamin Limbach bei einem Pressetermin in der JVA Rheinbach: "Allein in diesem Jahr waren ein Drittel aller Drogenfunde NPS-Funde."
Gefährliche Nebenwirkungen
Nicht selten haben die Stoffe außerdem Nebenwirkungen, sodass Konsumenten zusammenbrechen und ins Krankenhaus müssen. Auch für die Angestellten in den Gefängnissen können die NPS gefährlich sein, wenn sie etwa bei Durchsuchungen damit in Kontakt kommen.
Briefe werden deshalb mittlerweile gescannt und als Kopien an die Häftlinge ausgegeben. Mit dem neuen Analyse-Gerät werden verdächtige Papierstücke untersucht.
40.000 Euro kostet so ein Gerät pro Jahr, der Zugang zur Datenbank des Landeskriminalamts in Rheinland-Pfalz, wo neue Stoffe gespeichert werden, noch einmal 60.000 Euro jährlich. Wenn sich das Gerät in Rheinbach bewährt, dann soll es in weiteren Gefängnissen in NRW zum Einsatz kommen.
In Rheinbach haben Peter Schönenberg und seine Kollegen gleich am ersten Einsatztag Ende Oktober des neuen Geräts NPS-versetzte Papiere gefunden. Mittlerweile haben sie umdie 30 kontaminierte Dokumente gefunden.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- JVA Rheinbach
- Justizministerium NRW
Sendung: Lokalzeit auf WDR2, JVA-Pilotprojekt: Neue psychoaktive Stoffe in der JVA Rheinbach 12.12.2025, 13:33 Uhr