Neubeginn in Remscheid: Nasra findet ihren Weg
02:58 Min.. Verfügbar bis 04.03.2028.
Neubeginn in Remscheid: Nasra findet ihren Weg
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Mit sechs Jahren verliert Nasra ihr Zuhause, aber nicht ihre Hoffnung. In Remscheid beginnt für sie ein neues Leben. Die 19‑Jährige engagiert sich im Jugendrat, lernt für das Abitur und träumt davon, später als Juristin für Gerechtigkeit zu kämpfen.
Als Nasra Alabdou sechs Jahre alt ist, bricht ihr Leben auseinander. Der IS überfällt ihr Dorf, Angst ersetzt die Unbeschwertheit. Einige Jahre später landet sie in Remscheid - ohne die deutsche Sprache zu können, ohne Freunde, aber mit viel Willen. Heute weiß sie: Das war der Anfang eines neuen Lebens.
Flucht, Verlust und ein Funke Hoffnung
Hier war ihre Welt noch in Ordnung: Nasra Alabdou als Kind in ihrer Heimat
Nasra und ihre Familie gehören zur jesidischen Minderheit, die im Irak brutal verfolgt wird. "Viele sind verschwunden. Niemand weiß, was mit ihnen passiert ist", sagt sie. Die Familie flieht ins kurdisch verwaltete Gebiet nach Khanke. Dort lebt sie zwei Jahre in einem Flüchtlingslager. Über die Türkei gelangen sie schließlich nach Deutschland.
Sprache als Schlüssel zur Zukunft
Der Anfang in Remscheid ist einsam.
"Ich hatte keine Freunde. Ich konnte nicht sprechen." Nasra Alabdou
Nasra Alabdou mit ihrer ehemaligen Klassenlehrerin und Unterstützerin Birgit Karrenbauer
Doch Nasra Alabdou gibt nicht auf. Mit jedem deutschen Satz wächst ihr Mut. Ihre Klassenlehrerin an der Gemeinschafts-hauptschule Hackenberg in Remscheid unterstützt sie auf dem Weg und wird zu einer wichtigen Begleiterin. Birgit Karrenbauer spornt sie immer wieder an, redet ihr gut zu. "Das ist auf fruchtbaren Boden gefallen", erzählt Karrenbauer.
Nasra Alabdou legt ihre anfängliche Schüchternheit ab, zugunsten eines gesundes Selbstbewusstseins. Sie wird an ihrer Schule Klassen- und sogar Schulsprecherin. Und sie schafft die Qualifikation für das Berufskolleg.
Engagement im Jugendrat von Remscheid
Seit knapp zwei Jahren mischt Nasra auch im Remscheider Jugendrat mit. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern vertritt sie dort die Interessen der Kinder und Jugendlichen ihrer Stadt und plant Projekte für sie. Besonders die Themen Frauenrechte und Gleichberechtigung sind ihr wichtig, und dafür setzt sie sich besonders ein.
"In meinem Herkunftsland hatten Frauen keine Stimme. Jetzt habe ich eine - und ich nutze sie." Nasra Alabdou
Ein klares Ziel: Jura studieren
In Deutschland sieht die 19-Jährige Chancen, die ihr im Irak verwehrt geblieben wären. Nasra Alabdou besucht das Käthe‑Kollwitz‑Berufskolleg in Remscheid und möchte dort in zwei Jahren ihr Abitur bestehen. Ihr Traum: Jura studieren. Sie will für Gerechtigkeit sorgen - für Frauen, für Minderheiten, für Menschen wie sie. Remscheid ist heute ihre Heimat. Eine Rückkehr in den Irak kann sie sich nicht mehr vorstellen.
Unsere Quellen:
- WDR Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Nasra Alabdou
- Gespräch mit Birgit Karrenbauer
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 04.03.2026, 19.30 Uhr