Warum ein Leverkusener Priester Busfahrer wurde

WDR 03:11 Min. Verfügbar bis 03.06.2028

Leverkusener wagt Neustart Vom Priester zum Busfahrer

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Kurz vor zehn Uhr morgens am Mühlenweg in Leverkusen-Bürrig. Die Linie 204 hält an der Haltestelle, die Türen gehen auf, Fahrgäste steigen ein. Vorne sitzt Ralf Hirsch am Steuer. Früher stand er am Altar der Kirche St. Stephanus. Heute fährt er Bus.

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Jenny Weißenfels

Mit 50 traf Ralf Hirsch eine radikale Entscheidung: Er gab seinen Beruf als katholischer Priester auf. Grund waren Entwicklungen innerhalb der Kirche, mit denen er nicht mehr klargekommen sei, erzählt er. Genauer darauf eingehen möchte er nicht. Nach seinem Ausstieg wurde er vom damaligen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki vom Dienst suspendiert.

Eine ältere Dame steigt vorne im Bus ein, schaut kurz zum Fahrer und hält plötzlich inne. "Das ist doch der Pfarrer mit den langen Haaren", sagt sie und lacht überrascht. "Der hat damals meine Tochter verheiratet! Die Predigt war herzerwärmend", erinnert sie sich. Dann setzt sich die Dame nach hinten. Ralf Hirsch fährt erst los, als sie ihren Rollator abgestellt hat und sitzt. Er kennt solche Momente inzwischen.

Viele erkennen ihn noch

Bis 2019 war Hirsch katholischer Priester. Er leitete als Pfarrer die St. Stephanus Gemeinde und hielt Gottesdienste in Wiesdorf, Küppersteg und Bürrig. Beerdigungen, Taufen, Kommunion, Hochzeiten - viele Menschen in Leverkusen kennen ihn noch aus dieser Zeit.

Priester wird Busfahrer

Ralf Hirsch in seiner aktiven Zeit als Priester

Dann machte er den Busführerschein und begann ein komplett neues Leben. Alles, was einen Motor hat, habe ihn schon immer beruhigt, erzählt er. Heute fährt er für ein privates Busunternehmen Linienbusse durch Leverkusen und Reisebusse quer durch Europa.

An der nächsten Haltestelle steigt ein Mann mittleren Alters ein, schaut nach vorne und muss grinsen. "Krass, ich kenne den noch von früher aus der Kirche." Hirsch nickt freundlich, kontrolliert den Spiegel und fährt weiter Richtung Wiesdorf.

Neue Perspektive auf dieselben Menschen

Vom Altar ans Lenkrad

Ralf Hirsch am Steuer der Linie 204 in Leverkusen

Hektisch wirkt hier nichts - trotz strengem Fahrplan. Hirsch begrüßt Fahrgäste, wartet auf ein älteres Ehepaar, hilft einer Dame beim Aussteigen. Viele Gesichter hier in Leverkusen kennt er inzwischen wieder. Nur eben aus einem anderen Alltag heraus.

"Früher habe ich die Menschen oft in besonderen Lebenssituationen begleitet. Heute begleite ich sie morgens auf dem Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zur Schule." Ralf Hirsch, Ex-Priester

Dass er einmal Busfahrer werden würde, hätte er früher selbst nicht gedacht. Aber der Beruf passe erstaunlich gut zu ihm. "Man begegnet ständig Menschen. Genau das mochte ich auch schon als Priester."

Die Linie 204 fährt zurück zur Endhaltestelle nach Bürrig. Friedhof Rauschenberg. Vorne sitzt noch immer derselbe Mann, den viele früher vom Altar kannten. Nur das Gewand ist verschwunden. Die langen Haare aber sind geblieben.

Warum ein Leverkusener Priester Busfahrer wurde

WDR 29.05.2026 00:42 Min. Verfügbar bis 28.05.2028

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Quellen:

  • Ralf Hirsch, Ex-Priester und Busfahrer

Sendung: wdr.de, Vom Priester zum Busfahrer, 02.06.2026, 6 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 03.06.2026, 19:30 Uhr

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