In Leverkusen, wo der Pfeffer wächst

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 12.06.2028

Besuch im "Food-Forest" In Leverkusen, wo der Pfeffer wächst

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Was in diesem Leverkusener Garten wächst, findet man selten im Rheinland: 500 essbare Pflanzen auf 2.000 Quadratmetern.

Von Jenny Weißenfels

"Das ist eine Felsenbirne, das Fruchtfleisch schmeckt süß und die kleinen Kerne nussig!" Ulrich Erxleben greift zwischen große Blätter und pflückt eine beerengroße Felsenbirne. Unter Gartenliebhabern sind die aktuell total im Trend, sagt er.

Ein paar Schritte weiter wachsen stachelige Zitronen. Dahinter Elefanten-Knoblauch, Maulbeeren, an anderer Stelle Sichuan-Pfeffer. Und zwischen den neu gepflanzten Eichen aus Frankreich soll unter der Erde sogar Trüffel wachsen. 

Ein eigenes Ökosystem

Wer durch den Garten des 64-Jährigen läuft, vergisst schnell, dass er sich mitten in Leverkusen befindet. Ein paar Hundert Meter weiter vom Chempark, direkt neben Bahngleisen.

Auf rund 2.000 Quadratmetern hat sich der ehemalige Garten- und Landschaftsbauer in Manfort einen sogenannten Food-Forest geschaffen - mit rund 500 essbaren Pflanzen aus aller Welt. Ein eigenes Ökosystem, das die Struktur eines natürlichen Waldes nachahmt.

"Eigentlich ist das ein Garten, der ständig in Bewegung ist, so wie ich. Irgendwo blüht immer etwas. Fertig wird man hier nie." Ulrich Erxleben

Erxleben biegt auf einen der schmalen Pfade zwischen Obstbäumen, Stauden und Beeten ab. Schon seit Jahren sammelt er besondere Pflanzen und Sorten. Immer wieder kommt etwas Neues hinzu. Besonders beachtlich: seine Feigensammlung. Mehr als 120 verschiedene Sorten baut er inzwischen auf seinem Grundstück an.

"Viele denken bei Feigen an den Urlaub im Mittelmeerraum", sagt Erxleben und zeigt auf die nächsten Bäume. "Aber vieles funktioniert inzwischen auch hier erstaunlich gut."

Sein Hobby ist ein Vollzeit-Job

Mehr als 50 Stunden pro Woche verbringt er in seinem Garten. Schneiden, pflegen, pflanzen, gießen, ernten. Die Arbeit geht ihm nie aus. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein", sagt er und lacht. "Aber für mich ist das keine Arbeit. Ich freue mich jeden Tag darauf, hier rauszugehen."

Im Garten von Ulrich Erxleben wachsen 500 essbare Pflanzen

Ulrich Erxleben pflückt Boysenbeeren

Die Ernte nutzt er fast komplett selbst. Aus Früchten werden Marmeladen, aus Kräutern Gewürze, aus Überschüssen kleine Geschenke für Freunde und Bekannte, die auch selber zum Ernten kommen dürfen. Immer wieder bleibt er stehen, entdeckt eine neue Blüte oder überprüft den Zustand einer Pflanze. Fast jede Ecke des Gartens erzählt eine eigene Geschichte samt selbst gebauten Unterständen und Weidenzäunen.

Der Feigenbauer aus Leverkusen

WDR 13.06.2026 00:31 Min. Verfügbar bis 11.06.2028

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Ein Spitzenkoch als Stammkunde

Dass die Pflanzen nicht nur Hobbygärtner begeistern, hat sich inzwischen auch außerhalb Leverkusens herumgesprochen. Einmal pro Woche kommt Erik Scheffler vorbei. Der Kölner Sternekoch und Inhaber des "NeoBiota" streift dann gemeinsam mit Erxleben durch die Beete und sucht nach besonderen Zutaten für seine Küche.

"So etwas findet man nicht im Großhandel und wenn ja, hätten die Früchte und Kräuter viel zu lange Transportwege", sagt Scheffler und betrachtet neugierig die nächste Frucht. "Hier bekomme ich Aromen und Produkte, die selbst für uns Köche etwas Besonderes sind". Mal sind es seltene Kräuter, mal außergewöhnliche Früchte oder essbare Blüten. Was morgens noch im Garten wächst, landet manchmal schon wenige Stunden später als neue Kreation auf dem Teller seines Restaurants.

500 essbare Pflanzen in Leverkusener Privatgarten

Rund 500 essbare Pflanzen wachsen im Garten von Ulrich Erxleben

"Die Frische und Exotik macht einen riesigen Unterschied", sagt Scheffler. "Und man merkt sofort, wie viel Leidenschaft hier drinsteckt".

Immer das nächste Projekt vor Augen

Für Ulrich Erxleben sind solche Komplimente eine schöne Bestätigung. Wer den Garten besucht, merkt schnell: Es geht hier nicht nur um Obst, Kräuter oder seltene Pflanzen. Es geht um Neugier. Um Geduld. Aber auch um Beschäftigung und um die Freude, immer wieder etwas Neues wachsen zu sehen. Oder, wie Ulrich Erxleben es selbst formuliert: "Mein Garten ist mein Paradies, wenn ich hier drin bin, bin ich glücklich."

Quellen:

  • Ulrich Erxleben, gelernter Garten- und Landschaftsbauer
  • Erik Scheffler, Sternekoch

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 12.06.2026, 19.30 Uhr

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