Event mit Antisemitin? Demonstration vor Düsseldorfer Kunstakademie
00:36 Min.. Verfügbar bis 21.01.2028.
Die Demonstration vor der Düsseldorfer Kunstakademie war zwar friedlich. Dennoch wurde Künstlerin al-Sharif am Mittwochabend durch den Hintereingang geführt, damit sie und die Demonstranten nicht aufeinandertreffen. Das Motto der Protestkundgebung: "Ihr sagt kontroverse Meinung - wir sagen Antisemitismus". "Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen", steht zum Beispiel auf dem Plakat eines Demonstranten.
Die Düsseldorfer Kunstakademie hat trotz Kritik an der umstrittenen Veranstaltung mit der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif festgehalten. Die Jüdische Gemeinde bewertet die Positionen der Künstlerin als antisemitisch. Die Akademie verweist auf die Kunstfreiheit. Auch von der NRW-Landesregierung und Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller gibt es große Bedenken und Kritik.
In einer schriftlichen Erklärung forderte die jüdische Gemeinde vehement die Absage der Veranstaltung. Ihre Forderungen hat die Gemeinde auch noch einmal bei einer Pressekonferenz am Montag unterstrichen.
Mona Neubaur: "Kunstfreiheit bedeutet nicht, dass Antisemitismus egal sein darf"
Auch die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubauer war am Mittwoch als Demo-Teilnehmerin vor Ort. Sie sieht die Düsseldorfer Kunstakademie als einen Ort für alle. Mit ihrer Teilnahme wolle sie deutlich machen, dass sich das künstlerische Werk der Frau nicht trennen lässt von ihren öffentlich nachzulesenden antisemitischen Äußerungen und Haltungen. Die Kunstakademie könne entscheiden, wem sie eine Bühne bietet. In diesem Fall habe sie aber falsch entschieden, so Neubaur.
Wirtschaftsministerin und Demo-Teilnehmerin Mona Neubauer
Besonders die Äußerungen der Künstlerin in Bezug auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel relativierten "den größten Terrorangriff auf Menschen jüdischen Glaubens seit der Shoah", so die Ministerin. Trotz des Rechts auf Hochschul-Autonomie, müsse klar sein, "dass das Prinzip der Kunstfreiheit nicht bedeutet, dass Antisemitismus egal sein darf".
Kunstakademie will "kontroversen Diskurs" ermöglichen
In einer schriftlichen Stellungnahme der Akademie heißt es, dass man den Studierenden einen freien, auch kontroversen Diskurs ermöglichen wolle. Die haben die Filmemacherin eingeladen. Man habe den Studierenden deutlich gemacht, welche Bedingungen für die Veranstaltung gelten.
Jüdische Gemeinde Düsseldorf fordert Absage von Kunstakademie-Event
00:46 Min.. Verfügbar bis 19.01.2028.
Rektorin Donatella Fioretti verteidigt die Veranstaltung
"Antisemitismus, Hassrede, die Relativierung oder Verherrlichung terroristischer Gewalt sowie die Infragestellung des Existenzrechts Israels haben an unserer Institution keinen Platz", wird weiter betont. Die geplante Veranstaltung werde von den Studierenden "moderiert und kontextualisiert, um einen verantwortungsvollen und respektvollen Rahmen sicherzustellen".
In Social-Media-Posts spricht Basma al-Sharif unter anderem von der Blutlust Israels, von Israel als zionistischem Gebilde, vom Genozid in Gaza und teilt Boykott-Aufrufe gegen Israel. Ebenso teilt sie Zeichen wie das rote Dreieck, das als Symbol der Hamas für die Markierung möglicher Angriffsziele gilt.
Scharfe Kritik der Jüdischen Gemeinde
Die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf zeigt sich deshalb über die Einladung al-Sharifs entsetzt. "Kunstfreiheit darf nicht als Schutzschild missbraucht werden, um Gewalt, Terror und antisemitisches Denken zu relativieren oder zu normalisieren."
Die Jüdische Gemeinde fordert vehement eine Absage
Wenn die Akademie betone, klare Grenzen gegenüber menschenverachtenden und antisemitischen Positionen zu ziehen, "bleibt diese Haltung jedoch folgenlos, wenn gleichzeitig einer Person ein Podium geboten wird, deren öffentlich dokumentierte Positionen genau diese Grenzen überschreiten", kritisiert die Gemeinde.
Jedes glaubhafte Engagement gegen Antisemitismus in NRW würde durch solch eine Veranstaltung konterkariert, betonte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Oded Horowitz.
Antisemitismusbeauftragter Wolfgang Rolshoven
Kritik gab es am Montag auch vom Antisemitismus-Beauftragten der Stadt Düsseldorf, Wolfgang Rolshoven: "Wenn die Veranstaltung stattfindet, würde das einen irreparablen Schaden bedeuten - zwischen der Kunstakademie und der Stadt. Und dann müssten auch personelle Konsequenzen gezogen werden."
Landesregierung und Stadt äußern große Bedenken
Auch von der Politik gibt es deutliche Kritik an der Veranstaltung. Es sei Pflicht, "hinzusehen, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft eine Veranstaltung einer Künstlerin stattfindet, deren öffentliche Äußerungen Terror verherrlichen, vielfach antisemitischer Natur sind und den Staat Israel ablehnen", erklärte Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU).
Auch Kulturministerin Brandes sieht das Event kritisch
Ihm erschließe es sich nicht, "warum Studierende der Kunstakademie ausgerechnet Basma al-Sharif zum Austausch einladen", so Keller. Sogar NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU) forderte die Akademie in einem Schreiben auf, die Veranstaltung "zu überdenken".
Diese hat aber bis zum Ende an der Veranstaltung am Mittwochabend festgehalten. Die Rechtfertigung: "Grundlage der Einladung von Basma al-Sharif ist ihre international anerkannte künstlerische Arbeit. Diese Einschätzung ist durch ihre umfangreiche internationale Ausstellungstätigkeit, Festivalpräsenz sowie durch Auszeichnungen belegt."
Unsere Quellen:
- Kunstakademie Düsseldorf
- Jüdische Gemeinde Düsseldorf
- Polizei Düsseldorf
- Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU)
- NRW-Kulturministerin Ina Brandes (CDU)
- Beobachtungen des WDR-Reporters der Demonstration vor der Kunstakademie
Sendung: WDR.de, Düsseldorf: Kunstakademie verteidigt Event mit Filmemacherin, 16.01.2026, 11:40 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 19.01.2026, 18.09 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 21.01.2026, 19.30 Uhr