Sexualisierte Gewalt: Kirchenkreis lässt Personalakten durchsuchen
00:43 Min.. Verfügbar bis 05.11.2027.
Insgesamt 6000 Personalakten hat der Kirchenkreis Gladbach Neuss durchsuchen lassen. In 18 Akten gibt es offenbar Hinweise auf sexualisierte Gewalt.
Der Aufwand, den der Kirchenkreis betrieben hat, ist groß: sechs ehemalige Polizeibeamte, die sich zwei Monate durch die Akten gewühlt haben. Dokumente aus den 22 evangelischen Gemeinden im Kirchenkreis Gladbach-Neuss, aus mehr als sieben Jahrzehnten. "Es war uns wichtig, dass wir diese Untersuchung nicht selber durchgeführt haben, sondern Unabhängige", sagt Ralf Laubert vom Kirchenkreis.
Auf der Suche nach Hinweisen
Einer dieser Pensionäre ist Ralf Korten. Der 70-jährige war früher bei der Polizei Düsseldorf. "Wir haben vor allem Hinweise auf alles Ungewöhnliche gesucht", beschreibt er seinen Job.
Beispielsweise der Fall einer Praktikantin, die plötzlich nicht mehr zur Arbeit gekommen ist. Oder ein Vermerk in einer anderen Akte über eine hohe Geldzahlung, aus unbekanntem Grund. 18 solcher Auffälligkeiten wurden entdeckt.
Lob für die Arbeit der Pensionäre
Die Akten werden jetzt nach Düsseldorf weitergegeben, zur Stabsstelle für Prävention, Intervention und Aufarbeitung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Anschließend werden sie von Staatsanwälten genauer geprüft.
"Im Fall der Praktikantin könnte es zum Beispiel sein, dass versucht wird, eine Adresse zu ermitteln", vermutet Superintendent Dietrich Denker. "Insgesamt bin ich sehr froh und dankbar, dass so gründlich gearbeitet wurde."
Sichtung nur bei kirchlichen Angestellten
Gesichtet wurden nur die Akten von kirchlichen Angestellten, nicht die von Pfarrpersonen. Diese Untersuchung wurde bereits 2024 deutschlandweit veröffentlicht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass es über 500 Verdachtsfälle bei evangelischen Geistlichen gibt.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz des evangelischen Kirchenkreises Gladbach Neuss
- Interview mit Superintendent Dietrich Denker