Karlspreis: "Wichtiges Zeichen der Solidarität für das Volk in Belarus" | Aktuelle Stunde
WDR. 03:08 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Karlspreis: "Wichtiges Zeichen der Solidarität für das Volk in Belarus"
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Mit vierjähriger Verspätung ist in Aachen der Karlspreis an die Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava vergeben worden. Die Oppositionspolitikerin aus Belarus konnte den Preis vorher nicht entgegen nehmen, weil sie in ihrer Heimat in einer Strafkolonie saß. Der WDR hat sie zum Gespräch getroffen.
Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava hat am Samstag in Aachen den Karlspreis überreicht bekommen. Zugesprochen wurde er ihr vor vier Jahren, als sie aus politischen Gründen in ihrer Heimat im Gefängnis saß.
Kalesnikava lebt jetzt in Deutschland. Der Karlspreis wird für Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Bei Kalesnikava wurde mit der Auszeichnung auch ihr Einsatz für demokratische Rechte in Belarus gewürdigt.
Der WDR hat mit ihr über Solidarität, Freiheit und die Stadt Aachen gesprochen.
WDR: Wie groß ist bei Ihnen die Freude über den Karlspreis?
Maria Kalesnikava: Die Freude ist unendlich. Vor allem, dass ich das hier mit meiner Familie teilen kann. Aber es sind eben auch noch viele Menschen im Gefängnis in Belarus. Und für mich war es ganz wichtig, auch über sie zu sprechen und an ihr Schicksal zu erinnern.
WDR: Wie viel haben sie in der Haft von dem Karlspreis mitbekommen?
Maria Kalesnikava: Ich habe später mitbekommen, dass wir den Karlspreis bekommen haben. Für mich war das nicht nur eine Freude, sondern auch ein Zeichen der Solidarität, dass Europa uns auch als Freunde sieht und uns unterstützt. Deswegen habe ich auch heute viel darüber gesprochen, wie wichtig es ist, nicht nur für uns persönlich, sondern auch für das belarussische Volk so ein Zeichen der Solidarität zu bekommen.
WDR: Jetzt sind sie erst vor ein paar Monaten aus der Haft entlassen worden. Kommen die Erinnerungen daran noch zurück oder genießen sie im Augenblick eher das Gefühl der Freiheit?
Maria Kalesnikava: Gestern konnten wir den Tag feiern, an dem ich drei Monate in Freiheit bin. Jeder neue Monat in Freiheit ist zurzeit für mich wie ein neues Leben. Ich denke jeden Tag an das Gefängnis, auch, weil so viele meiner Freundinnen und Freunde noch dort sind. Und wir tun alles, damit für sie der Tag der Freiheit so früh wie möglich kommt.
WDR: Wie blicken sie jetzt in die Zukunft von Belarus? Wieviel Hoffnung haben sie noch für ihr Land?
Ausgezeichnet mit dem Karlspreis: Bürgerrechtlerin Maria Kalesnikava
Maria Kalesnikava: Ich habe mehr als nur Hoffnung. Ich bin davon überzeugt, dass der Tag eines demokratischen Belarus kommen wird. Das ist nur eine Frage der Zeit. Der Weg ist nicht leicht und leider geht es auch nicht so schnell, wie wir das wollen. Aber wir werden weiter daran arbeiten und nicht aufgeben.
WDR: Was wünschen sie sich dabei von den Regierungen in Europa?
Maria Kalesnikava: Ich möchte, dass sie künftig Belarus auch als Partner sehen und nicht in dem Zustand, indem es aktuell ist. Und Deutschland kann auch dabei helfen, indem es Belarussen unterstützt, die zur Zeit im Exil sind. Und natürlich sind wir immer dankbar, wenn die Opposition, die jetzt in Belarus gegen die Diktatur kämpft, unterstützt wird.
WDR: Der Karlspreis ist 2022 neben Ihnen auch an die Bürgerrechtlerinnen Veronica Tesepkalo und Swetlana Tichanowskaja gegangen. Wie aktiv sind Sie als Trio gemeinsam noch?
Maria Kalesnikava: Wir treffen uns wieder regelmäßig. Und das ist auch ganz wichtig, dass wir zusammen in die gleiche Richtung gehen. Wir haben in vielen Dingen unterschiedliche Meinungen, aber unser Ziel ist dasselbe: Wir wollen ein demokratisches Belarus. Und dafür arbeiten wir alle gemeinsam. Das ist das Wichtigste.
WDR: Wie gefällt Ihnen eigentlich Aachen? Haben Sie noch Zeit, sich in Aachen etwas anzusehen?
Maria Kalesnikava: Ich habe ja schon früher in Deutschland gelebt und da auch Aachen besucht. Die Stadt ist beeindruckend. Man spürt die Geschichte und die bedeutenden historischen Ereignisse, die in dieser Stadt geschehen sind. Und ich finde es toll, dass die Stadt das für neue Generationen pflegt und erhält.
Das Interview führte Sophia Naim.
Sendung: WDR 5, WDR Aktuell, 14.03.2026, 15 Uhr