Erste Stolpersteine-Verlegung in Jülich

Lokalzeit aus Aachen 29.01.2026 02:45 Min. Verfügbar bis 29.01.2028 WDR Von Donata Jertz

In Jülich gibt es jetzt die ersten sieben Stolpersteine

Stand:

In Jülich sind heute zum ersten Mal Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an jüdische Familien, die von den Nazis vertrieben oder ermordet wurden.

Von Helga Hermanns

Jugendliche des Gymnasiums Haus Overbach haben in ihrer Freizeit  anderthalb Jahre recherchiert, um die Lebensläufe der Familien Voss und Horn erzählen zu können.

Das Bild zeigt Jugendliche des Gymnasiums Haus Overbach.

Jugendliche des Gymnasiums Haus Overbach

Unterstützt wurden sie dabei vom Jülicher Stadtarchiv, das dabei half, Quellen und noch vorhandene Unterlagen wie Adressverzeichnisse oder Geburtenregister zu finden. Und die Gymnasiasten haben einiges herausgefunden.

Hermann und Anna Voss sowie deren Söhne Hugo, Joseph, Kurt und Hans arbeiteten in den beiden Bekleidungsgeschäften der Familie in Jülich. Als 1938 Juden der Besitz eigener Geschäfte verboten wurde, verkaufte die Familie ihre Häuser. Anna Voss, ihrem Sohn Joseph und dessen Frau Martha gelang die Flucht in die USA.

Fünf Stolpersteine für Familie Voss

Das Bild zeigt Sarah, Jeremy und Joshua Voss, Nachfahren der Jülicher Familie Voss.

Die Nachfahren der Familie Voss

Vor den Häusern, in denen früher die beiden Geschäfte waren, wurden heute fünf Stolpersteine verlegt. Mit dabei waren Vertreter der jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Aus den USA waren Nachfahren der Familie Voss angereist, darunter drei Enkel von Joseph Voss.

Einer von ihnen, Jeremy Voss, sagte, die Stolpersteine seien ein wichtiges Zeugnis. Sie könnten nicht rückgängig machen, was den jüdischen Menschen damals angetan wurde. Aber sie seien eine wichtige Mahnung.

Diskussion über Verlegung

In Jülich gab es vor der Verlegung der Stolpersteine Diskussionen darüber, ob es richtig sei, sie auf dem Boden zu verlegen, wo sie mit Füßen getreten würden. Der Stadtrat stimmte schließlich einstimmig für die Verlegung, die auf Initiative des Rotary Clubs Jülich und der weiterführenden Schulen vorgeschlagen wurde.

Der Düsseldorfer Rabbiner Dov Kaplan sagte bei der Verlegung, die Stolpersteine seien ein wichtiges Zeichen mitten auf dem Weg in der Stadt. Wenn sich Menschen vor den Steinen bücken würden, dann vor einem Namen und einer Lebensgeschichte.

Stolpersteine zeigen Haltung

Dass nun zum ersten Mal Stolpersteine in Jülich verlegt würden, zeige eine Haltung und mache deutlich, dass die Stadt Verantwortung übernehme. Es gebe eine Verpflichtung für die Gesellschaft, dass die Opfer nicht zum zweiten Mal durch Vergessen gedemütigt oder ausgelöscht würden.

Zwei weitere Stolpersteine erinnern an die Kaufleute Philipp und Rosa Horn. Sie wurden im März 1941 zwangsweise in das örtliche Sammellager Villa Buth umgesiedelt. Das Ehepaar wurde im gleichen Jahr ins Vernichtungslager Treblinka gebracht und dort ermordet.

Jugendliche werden weitere Schicksale erforschen

In den kommenden Jahren werden Jugendliche aller weiterführenden Schulen in Jülich sowie des Heilig-Geist-Gymnasiums Würselen die Schicksale von Jülicher Juden und weiteren Opfern der Nationalsozialisten aufarbeiten. Es dürften weit über 100 Schicksale sein.

In Jülich gibt es jetzt die ersten sieben Stolpersteine

WDR Studios NRW 29.01.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 29.01.2028

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Gymnasium Haus Overbach
  • Rotary-Club Jülich
  • Stadt Jülich

Sendung: WDR 2 Aachen und die Region, Lokalzeit, 29.01.2026, 12:31 Uhr.

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