Ermittlungen um versuchten Betrug bei Wahl zum Integrationsrat in Köln

Lokalzeit aus Köln 10.10.2025 03:59 Min. Verfügbar bis 10.10.2027 WDR Von Oliver Köhler

Ermittlungen um versuchten Betrug bei Wahl zum Integrationsrat in Köln

Stand:

Eine Gruppe von zehn Männern und Frauen soll versucht haben, bei den Wahlen zum Kölner Integrationsrat am 14. September 2025 Stimmzettel zu Gunsten einer deutsch-russischen Kandidatin zu fälschen.

Von Oliver Köhler

Weshalb sie das versucht haben könnten, ist bisher nicht bekannt. Auf der Suche nach Antworten stoßen wir im Kölner Stadtteil Nippes auf das Interkulturelle Zentrum Atlant. Die Geschäftsführerin des Vereins ist Eugenie Rempel.

Sie ist für das Bündnis Heimat zur Wahl des Kölner Integrationsrats angetreten. Recherchen des WDR haben ergeben: Ihre Wahl sollte offenbar mit gefälschten Stimmzetteln gepusht werden - so zumindest der Verdacht der Kölner Staatsanwaltschaft.

Vorwurf: Etwa 400 Stimmen gefälscht

Die Behörde nennt in dem Verfahren keine Namen, äußert sich aber zu den Vorwürfen: "Den Beschuldigten wird Urkundenfälschung und falsche Versicherung an Eides statt vorgeworfen", sagt Sinan Sengöz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln, dem WDR. Und weiter:

"Sie sollen in unbefugter Weise unter Angabe von Personalien von Wahlberechtigten etwa 400 Briefwahlunterlagen online für den Integrationsrat beantragt und mit mutmaßlich gefälschten Unterschriften Stimmen abgegeben haben." Sinan Sengöz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln

Eugenie Rempel beantwortet unsere schriftlichen Fragen zu dem mutmaßlichen Betrug bisher nicht. Unser Versuch, sie in den Räumen ihres Vereins anzutreffen, scheiterte. Niemand öffnet.

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Bruder der Kandidatin bestätigt Ermittlungen

Telefonisch erreichen wir beim Atlant e.V. hingegen ihren Bruder Dimitri Rempel. Er war früher im Kölner Integrationsrat. Seit Jahren tritt er auch als Gründer von politischen Bewegungen auf. Nun soll er an dem versuchten Wahlbetrug zugunsten seiner Schwester beteiligt gewesen sein. Rempel bestätigt die Ermittlungen gegen ihn und verweist auf seinen Rechtsanwalt. Der will sich aber nicht äußern.

Angebliche Integrations-Projekte

Dimitri Rempel gehört zu den Gründern des sogenannten Interkulturellen Zentrums. Die Stadt Köln hatte viele Jahre angebliche Integrations-Projekte des Vereins gefördert.

Mitglieder des Kölner Integrationsrates berichten, dass die Stadt die Zusammenarbeit mit Rempel und seinem Verein vor etwa sieben Jahren plötzlich beendet hat. "Da war die Rede davon, dass es Ungereimtheiten gab, auch bei der Verwendung von Mitteln", sagt Ahmet Edis vom Kölner Integrationsrat. "Und es sind Dinge zutage getreten - Mitglieder des Vereins haben sich homophob, rassistisch und islamfeindlich geäußert."

Mit anderen Deutsch-Russen betreibt Dimitri Rempel das Bündnis Christlich-Konservativ. Ein in sozialen Netzwerken veröffentlichtes Manifest enthält zahlreiche solcher Äußerungen.

Kandidatin war bereits im Integrationsrat

Trotz der Abneigung gegen Zuwanderer und vor allem gegen Muslime soll Rempel versucht haben, seine Schwester mit gefälschten Wahlbriefen in den Integrationsrat zu befördern. Dort war sie schon in der Vergangenheit Mitglied, soll sich nach Angaben von anderen Mitgliedern des Gremiums aber so gut wie nie zu Wort gemeldet haben.

Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Köln
  • Anfrage an Atlant e.V.
  • Telefonisches Gespräch mit Dimitri Rempel
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • eigene Recherchen

Über das Thema berichten wir am 10.10.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Köln, 19:30 Uhr.

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