"Rich Kids" wegen Drogenhandel angeklagt | WDR Aktuell

WDR 02:07 Min. Verfügbar bis 27.04.2028

Marihuana und Kokain "Rich Kids" wegen Schmuggels von Drogen angeklagt

Stand:

Die Angeklagten sollen mindestens vier Tonnen Marihuana und eine Tonne Kokain geschmuggelt und in Umlauf gebracht haben. Sie waren laut Anklage die Bosse einer Gruppierung von mehr als 30 Beschuldigten aus dem Köln/Bonner Raum. Der Fall ist in vielerlei Hinsicht sehr ungewöhnlich.

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Jochen Hilgers

Die Calle Ebano liegt oberhalb des Stadtteils Los Monteros im andalusischen Marbella. Eine Schranke verhindert, dass Unbefugte in die Straße einbiegen, in der mehrere weiße Villen aneinandergereiht liegen. Jede hat einen Pool und ist zusätzlich streng gesichert. Die Villa mit der Nummer 13.3 war laut den Ermittlungsakten, die dem WDR exklusiv vorliegen, der Wohnort eines der Hauptbeschuldigten, eines jungen Deutschen.

Ein weißes modernes Haus an einer asphaltierten Straße umringt von Palmen

In dieser Straße in Marbella soll einer der mutmaßlichen Drogenschmuggler in einer Villa gewohnt haben

In der Calle Ebano wurde er vor gut einem Jahr festgenommen, die Villa im Wert von anderthalb Millionen Euro von den spanischen Behörden beschlagnahmt. Heute erinnert dort nichts mehr an den Polizeieinsatz, dem die spanischen Behörden den phantasievollen Namen "Operacion Kartoffel" gegeben hatten.

Einige "Rich Kids" dabei

Die mutmaßlichen Täter, fast alle ohne Vorstrafen, kommen überwiegend aus dem Köln-Bonner Raum. Bis auf einen Spanier und einen Deutsch-Russen stammen die meisten aus rein deutschen Familien. Manche sind sogar Millionärssöhne, sogenannte "Rich Kids". Am Anfang gab es 24 Beschuldigte in dem Verfahren, auch vier Frauen sind darunter. Mittlerweile sind es 39 Beschuldigte.

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Am 29. Mai beginnt der erste Prozess, der viele Ermittler auch heute noch überrascht. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf den 19. Mai als Datum genannt. Sie ist als Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft zuständig. Das Verfahren startet mit zunächst sechs Beschuldigten vor dem dortigen Landgericht.

Drogendeals via Freisprechanlage

Die Bande war nach Überzeugung der Ermittler straff organisiert und soll über einen langen Zeitraum jede Menge Kokain, zum Beispiel über den Seehafen Antwerpen, und Marihuana nach Deutschland geschmuggelt haben. Verkauft wurde laut Ermittlern demnach offenbar in Köln, Bonn - aber auch in Frankfurt.

Nach WDR-Recherchen muss sich die Bande extrem sicher gefühlt haben. Sie hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass ihre Krypto-Handys längst von den Ermittlern entschlüsselt worden waren. Über die App "Aurum", die vor allem Selbstständige für ihre Buchhaltung nutzen, dokumentierten sie laut den Ermittlungsakten jede einzelne Lieferung, jeden Transport, jede Einnahme und Ausgabe.

Zu der Zeit hörten die Ermittler längst die Telefone ab und hatten die Autos verwanzt. Manches müssen sie damit wohl doppelt gehört haben, weil einer der Beschuldigten seine Verhandlungen über die Freisprechanlage seiner Luxuslimousine führte.

Völlig untypische Täterklientel

Verteidiger Marc Piel

Der Verteidiger Marc Piel

Besuch in der Anwaltskanzlei von Marc Piel in Bonn. Piel und seine Kollegen Uwe Krechel und Yannick Börter vertreten drei der Beschuldigten in dem ersten Verfahren. Der erfahrene Strafverteidiger Piel hatte so einen Fall auch noch nicht auf dem Tisch. Dem WDR sagt er: "Unsere Mandantschaft ist absolut ungewöhnlich, da es sich um junge Leute handelt, die aus der bürgerlichen Mitte entstammen und nicht vorbestraft sind. Sie hatten zuvor überhaupt keine Berührungspunkte mit kriminellen Handlungen."

"Völlig untypisch", nennt Piel das und macht sich auf die Suche nach der Motivation. "Man kann es sich eigentlich nur so erklären, dass man sich anhand von falschen Film-Vorbildern zu schnellem Geld verhelfen wollte und dann durch Spanienaufenthalte den Zugang gewonnen hat, in schnellen Methoden Geld zu verdienen." Auswertungen der Insta-Posts der Beschuldigten unterstützen diese These. Da zeigen sie sich mit schnellen Autos, teuren Uhren und Anzügen.

Drogenlieferungen wurden gestohlen oder geraubt

Schwer zu erklären ist dennoch, dass die Zöglinge aus gutem Haus offenbar so schwere Delikte begangen haben sollen. Nicht nur das strafrechtliche Risiko war und ist gewaltig. Auch anderen Drogen-Clans ins Gehege zu kommen gilt als überaus gefährlich.

So verwundert nicht, dass den mutmaßlichen Tätern aus dem Köln/ Bonner Raum wohl einige Drogenlieferungen abhandenkamen. "Offensichtlich merkte man in der Branche irgendwann, dass man es mit Leuten zu tun hatte, die sich nicht zur Wehr setzen werden", sagt Anwalt Marc Piel. Laut Akten soll es bei Drogentransporten zu mindestens 14 Diebstählen oder Raubdelikten gekommen sein.

Einzig der Deutsch-Russe, der jetzt mit vor Gericht steht, und ein weiterer deutscher Beschuldigter, sollen schon vorher Schwerkriminelle gewesen sein. Beide hatten wegen einer brutalen Straftat zuvor elf Jahre in Haft gesessen.

"Rich Kids" - Anklage gegen sechs Tatverdächtige

WDR 27.04.2026 00:34 Min. Verfügbar bis 26.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Düsseldorf
  • Ermittlungsakten
  • Rechtsanwalt Marc Piel
  • WDR-Informationen

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 27.04.2026, 16 Uhr
Sendung: WDR.de, "Rich Kids" - Anklage gegen sechs Tatverdächtige, 27.04.2025, 13:25 Uhr

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