Aachener Verein hilft Menschen ohne Krankenversicherung

Lokalzeit aus Aachen 10.07.2025 03:09 Min. Verfügbar bis 10.07.2027 WDR Von Claudia Becker

Aachener Verein hilft Menschen ohne Krankenversicherung

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Trotz Versicherungspflicht sind viele Menschen in Deutschland nicht krankenversichert. Ihnen hilft der Verein MediNetz. Ehrenamtlich vermitteln die Mitglieder solchen Menschen kostenlose Arzttermine, finanzieren mit Spendengeldern wichtige Medikamente. MediNetz gibt es in vielen Städten in NRW, darunter auch in Aachen.

Von Claudia Becker

Wenn Mahsa Zare Zadeh auf dem rosa Sofa im Wohnzimmer mit ihrer kleinen Tochter Lena kuschelt, strahlt sie vor Mutterglück. Dabei war es eine Schwangerschaft voller Sorgen.

Als sich die kleine Lena vor einem Jahr auf den Weg macht, studiert Mahsa in Österreich Mathematik, ist privat versichert. Was sie und ihr Mann Filmon da noch nicht wissen: Mahsas Versicherung deckt weder Schwangerschaftsuntersuchungen noch eine Geburt ab.

Kleingedrucktes zu spät gelesen

Erst, als es schon zu spät ist, finden die beiden den entsprechenden Passus irgendwo im Kleingedruckten. Weil Ärzte Masha immer wieder gesagt hatten, sie könne nicht schwanger werden, hatten sie bei der Unterzeichnung darauf nicht geachtet.

Maren Schmelz von MediNetz im Interview

Maren Schmelz

Wie Masah geht es vielen Menschen in Deutschland. Es gäbe zwar eine gesetzliche Pflicht, sich zu versichern, erzählt Medizinstudentin Maren Schmelz von MediNetz e.V. Aachen. Denn: Immer wieder stehen Menschen in Deutschland plötzlich ohne Krankenversicherung da.

Keine Krankenversicherung: Hohe Dunkelziffer

"Oft sind es Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegität, aber auch Wohnungslose, Sexarbeiterinnen oder Menschen, die gerade aus der Haft entlassen werden und sich noch nicht sozialversichert sind", sagt Maren Schmelz.

Manchmal sind es aber auch Menschen, die sich die Krankenversicherung nicht mehr leisten können, sagt sie und erzählt von einem 60-Jährigen, der selbstständig gewesen war und die Privatversicherung nicht mehr bezahlen konnte. "Der Mann war herzinsuffizient und brauchte dringend Medikamente. Die haben wir dann aus Spendengeldern bezahlt."

Wie viele Menschen in NRW nicht krankenversichert sind, weiß niemand so genau. "Wir von MediNetz sehen wohl nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer muss enorm hoch sein", betont Schmelz.

Vorsorgeuntersuchung kostet bis zu 300 Euro

Zurück zu Mahsa und ihrer kleinen Familie. Irgendwann, so erzählt ihr Mann Filmon, sei die Schwangerschaft zu einem regelrechten Alptraum geworden. "Einmal hat sie weinend auf dem Sofa gesessen, als ich vom Einkaufen kam. Das Baby hatte sich seit zwei Tagen nicht bewegt und zum Arzt gehen konnten wir ja nicht", sagt Filmon. Eine Vorsorgeuntersuchung kostet zwischen 100 und 300 Euro und so viel Geld konnten die beiden nicht auftreiben.

Filmon Resom im Interview

Filmon Resom

Ein Bekannter schickte die beiden schließlich zu MediNetz. "Da war ein sehr netter Mann, der hat gesagt: Wir sollen uns keine Sorgen machen, er sei für uns da," erzählt Filmon Resom sichtlich gerührt.

Wenige Tage später hatten sie den ersten Termin beim Frauenarzt, kurz darauf stand fest: Ein anderer Arzt wird kostenlos die Geburt begleiten, alles organisiert durch die Studierenden des Aachener Vereins.

Ärzte helfen ehrenamtlich

Die zwölf Medizinstudenten, die sich bei MediNetz Aachen engagieren, stehen in ständigem Kontakt zu Ärzten, die bereit sind, Menschen wie Mahsa kostenlos zu behandeln.

Einer davon ist Jan Salzmann, ein Internist aus Aachen. Wenn die Menschen endlich zu MediNetz fänden und dann zum Arzt gingen, gehe es ihnen oft schon sehr schlecht, sagt er. "Es ist menschlich kein gutes Gefühl, wenn einer in Not ist und Schmerzen hat, zu sagen: 'Ohne Krankenversicherung bekommst du keine ärztliche Versorgung'", betont Salzmann. "Das geht ja auch irgendwie gegen den ärztlichen Eid."

Ohne Hilfe von Medinetz - sagt Filmon Resom heute - wäre die kleine Lena vielleicht gar nicht da. "Es ist so schön, zu sehen, dass sich andere sich um deine Probleme kümmern und sie lösen. Wir sind so unendlich dankbar."

Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Filmon Resom, Jan Salzmann und Maren Schmelz von MediNetz
  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

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