Soester Gras-Pelletanlage soll Wälder in Madagaskar retten
Lokalzeit Südwestfalen. 04.08.2025. 03:10 Min.. Verfügbar bis 04.08.2027. WDR. Von Frank Strohdiek.
Alexander Schwichtenhövel häckselt Heu. Aus den feinen Fasern sollen im nächsten Schritt Pellets gepresst werden. Der Häcksler zeigt sich allerdings heute etwas sperrig. Er verstopft immer wieder. "Es ist ein schmaler Grat zwischen möglichst schnell und viel Produzieren und die Maschine nicht zu überfordern."
Inbetriebnahme auf Madagaskar
Der 25-Jährige absolviert ein duales Studium. Er hat also erst parallel zu den Vorlesungen eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht, jetzt arbeitet und studiert er gleichzeitig.
Alexander Schwichtenhövel befüllt die Pelletpresse
Die Kombination aus Theorie und Praxis hilft ihm nach eigener Einschätzung, wenn er im Oktober für einige Wochen nach Madagaskar reist. Dort nimmt er die Geräte zusammen mit weiteren Studierenden der FH Südwestfalen in Betrieb. Außerdem weist er Menschen an der Pelletanlage ein.
Gras statt Holz
Die kleine Anlage aus Südwestfalen kann Brennmaterial für etwa 700 Familien produzieren. Als Brennstoff wird Miscanthus-Gras verwendet, das dort auf den abgeholzten Flächen schnell nachwächst.
Die Menschen kochen und heizen dort traditionell mit Holz. Auch deshalb sind inzwischen fast alle Wälder verschwunden. Alexander Schwichtenhövel, Student an der FH Südwestfalen
Langfristig ist geplant, dass die solarbetriebenen Pelletiersysteme vor Ort hergestellt werden. "Möglichst ohne Unterstützung aus Deutschland. Wenn die Menschen unabhängig von uns die Ausbildung, Wartung und den Neubau übernehmen können, haben wir unser Ziel erreicht", sagt Schwichtenhövel.
Ziel: Unabhängigkeit von deutscher Hilfe
Übungspellets aus Heu
Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die in Soest aufgebaute Anlage ist erst die zweite, die an der FH gebaut wurde. Die erste gilt als Prototyp, der bereits mehreren Menschen auf Madagaskar einen Arbeitsplatz bietet.
Jetzt folgt die verbesserte Version, die vielleicht einen kleinen Gewinn abwirft, sodass sie ohne weitere Zuschüsse aus Deutschland betrieben werden kann.
Unsere Quellen:
- FH Südwestfalen
- Gespräche mit Alexander Schwichtenhövel und anderen Beteiligten
- Beobachtungen des WDR-Reporters
